Frischer Wind im Rathaus

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Ende letzten Jahres wurde der dritte Junge Rat der Stadt Kiel gewählt, Vertreter für den südlichen Bezirk ist mit 49 Stimmen Mick Perkuhn. Gemeinsam mit 16 weiteren Mitglieder vertritt er die Interessen der Kinder und Jugendlichen in der Kieler Kommunalpolitik. KIEL LOKAL traf Mick im Dezember und sprachen mit ihm über seine neuen Aufgaben beim Jungen Rat, die Wahl und seine Ziele, die Fragen stellte Kai Gries.

KIEL LOKAL: Was möchtest du in nächsten zwei Jahren im Jungen Rat erreichen?
Mick Perkuhn: Meine Wahlkampfthemen waren kostenloser öffentlicher Nahverkehr und ich wollte mich für Sport- und Jugendvereine einsetzen. Der SV Hammer, in dem ich seit zwölf Jahren Mitglied bin, hat mit die meisten Jugendmannschaften in ganz Kiel. Wir haben aber auf unserem Hauptplatz nicht mal ein Flutlicht und das kann nicht sein. Beim ÖPNV ist es nicht in Ordnung, dass man als sonst radfahrender Jugendlicher 5,20 Euro zahlen muss, um zur Schule und zurück zu kommen, falls das mal aus wettertechnischen Gründen sein muss. Da wollte ich mich auf jeden Fall bemühen. Ich bin ja recht kurzfristig in den Jungen Rat hineingerutscht. Auch wenn es egoistisch klingt, möchte ich mich auch selber politisch weiterentwickeln und menschlich reifen.

KL: Woher bezieht der Junge Rat Input für seine Projekte?
MP: Der Junge Rat soll die Stimme der Jugend sein. Ich bin jetzt einen Tag im Amt, ich habe noch nichts geleistet. Aber Sebastian Thiede, der ist auch rumgegangen und hat Jugendliche befragt, was sie stört, was ihre Probleme sind, und hat sich dann dafür eingesetzt. Zum Beispiel – das ist jetzt ein kleines Ding, aber genau so soll es sein – haben wir durch ihn neue Schul-toiletten an der Schule bekommen. Endlich welche, die sauber sind. „Auf kommunaler Ebene bemerkt man das, was man bewirkt, direkt am nächsten Tag“, das hat er gesagt und das sehe ich auch so. Wir haben ja natürlich auch eigene Ideen. Das mit dem Flutlicht beim SV Hammer zum Beispiel kommt ja nicht von irgendwem. Das kommt von mir. Aber wir sind einfach dafür da, den jungen Leuten zuzuhören und denen dann eine Stimme zu geben. Also kommt der Input von uns und von 17.000 wahlberechtigten Jugendlichen.

KL: Bei der konstituierenden Sitzung habt ihr Ausschüsse und Beiräte gewählt. Bist du in einem?
MP: Ja. Ich habe mich dafür aufstellen lassen, in den Jugendhilfeausschuss als beratende Stimme zu gehen und das hat geklappt. Da war ich auch sehr froh drüber, denn diese Stimme, die wir da haben, wurde vom zweiten Jungen Rat per Gesetzesentscheid auf den Weg gebracht. Das steht zu 99 Prozent fest. Wir freuen uns darüber. Das ist einfach genau das, was der Junge Rat maximal leisten kann – Gesetzesbeschlüsse durchbringen.

KL: Wieso wolltest du in den Jugendhilfeausschuss? Was hat dich daran interessiert?
MP: Der Jugendhilfeausschuss ist zum Erörtern der Probleme von Jugendlichen in Kiel da und zur Problemlösung. Es ist im Grunde genau das, wofür der Junge Rat steht, nur dass es halt von Erwachsenen gemacht wird. Da einen Überblick zu haben, was die von sich geben, ist interessant.

KL: Findest du, dass die Leute, die gewählt wurden, trotz der niedrigen Wahlbeteiligung repräsentativ für die Kieler Jugend sind?
MP: Ja. Ich sehe nicht, wo das nicht passen soll. Wir sind ein gemischter Haufen aus 13- bis 18-Jährigen. Wir sind neun Jungs und acht Mädchen. Wir haben Leute mit Migrationshintergrund. Es ist alles dabei und es ist gut so, wie es ist.

KL: Zu der Wahl: 17.000 Jugendliche sollen 17 Mitglieder aus vier Bezirken wählen. Macht einen Sitz pro 1.000 Stimmen. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betrug 669. Das ist ja nicht mal ein Sitz.
MP: Ich habe gerne den Instagram-Kanal übernommen, weil ich Werbung für den Jungen Rat machen möchte und den ein bisschen bekannter machen möchte. Die Wahlbeteiligung ist ein Witz und das ist schade. Es wäre ein Traum, wenn man sich irgendwann für den Jungen Rat aufstellen lassen könnte und mit seinem Wahlprogramm überzeugen könnte. Jetzt wurde eher nach Bekanntheitsgrad gewählt.

KL: Eure Sitzungen sind öffentlich. Wo trefft ihr euch?
MP: In der Regel treffen wir uns im Ratsherrenzimmer. Das ist der Raum im Rathaus rechts neben dem Ratssaal. Gestern bei der konstituierenden Sitzung wurde darüber diskutiert, dass wir durch Kiel touren und die Sitzungen in den verschiedenen Jugendtreffs abhalten oder in den verschiedenen Schulen usw. Das halte ich für gar keine schlechte Idee, weil es auch den Bekanntheitsgrad vom Jungen Rat steigern könnte.

KL: Über welche Plattformen können sich Jugendliche an den Jungen Rat wenden?
MP: Der Junge Rat hat eine Instagram- und einen Facebook-Account. Gestern wurde bestimmt, dass ich mich persönlich um den Instagram-Account kümmern soll. Da freue ich mich schon sehr drauf. Und der Kanal ist nicht privat, also kann man uns da einfach eine DM schicken, wenn man Fragen hat. Man kann auch persönlich zu einzelnen Mitgliedern gehen. Aber der Instagram-Account ist da und den kann man auch jederzeit anschreiben. Per E-Mail ist der Junge Rat auch erreichbar, aber dann eher über das Jugendbüro.

Text: Gries; Foto: Privat