Historischer Rundgang durch Kronshagen

Projekt Nord, OpenStreetMap

Fortsetzung der Wanderung durch die Gemeinde Kronshagen, vorbei an sehenswerten Orten

Der Kultur Kreis Kronshagen e. V. lädt zu seinem zweiten Spaziergang durch unsere schöne Gemeinde Kronshagen ein. Nachdem der erste Rundgang im vergangenen Jahr uns durch das östliche Kronshagen führte, lädt der Ortschronist Hauke Hansen zu einem weiteren Spaziergang westlich der Bahnlinie ein. Termin ist am Samstag, dem 5. September 2026, ab 14 Uhr.

Die Wegstrecke führt uns durch das alte „Dorf“ Kronshagen. Wobei der Kenner der Geschichte darüber nur schmunzeln kann. Wo bitte schön ist das alte Dorf denn? Vielleicht in der Dorfstraße? Nein – leider hat es keinen historischen Ortskern gegeben. Das Gemeindegebiet war vor 125 Jahren noch im Besitz von einer Handvoll Bauern. Nach und nach boten sie ab 1910 ihr Land zum Kauf an. Zu der Zeit erlebte die Marinestadt Kiel eine regelrechte Bevölkerungsexplosion, die sich bis Kronshagen ausbreiten sollte. Spekulanten und Konsortien kauften im großen Stil Kronshagener Land, um daraus die „Gartenstadt Kronshagen“ entstehen zu lassen. Dabei hatten unsere Urgroßväter vergessen, uns einen Ortskern mit Rathaus, Kirche, Bahnhof, Versammlungshaus usw. zu schaffen.
Wir wollen am 5. September 2026 auf den Spuren der Vergangenheit durch Kronshagen wandern. Dieses Mal bekommt der Rundgang Unterstützung vom Verein „Radeln ohne Alter in Kiel e. V.“. Der Verein betreibt ehrenamtliche, kostenlose Rikscha-Fahrten für Seniorinnen, Senioren und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Kronshagener Rikscha-Gruppe wird für die Tour zwei Rikschas bereitstellen und uns begleiten. Insgesamt stehen also vier Plätze zur Verfügung. Ab 14 Uhr stehen die Rikschas auf dem neuen Rathausmarkt. Dort ist auch der Startpunkt für den Rundgang.
Der Rundgang wird ca. 2 ½ Stunden dauern. Zum Abschluss der Wanderung wird es eine Kaffeepause geben. Die Geschäftsleitung der Deutschen Seniorenwohnen, Betreiber der Seniorenwohnanlage im Amalienweg 1, lädt alle Teilnehmenden zu Kaffee und Kuchen ein.
Die Gruppe ist auf maximal 20 Personen begrenzt. Wem es schwerfällt, die Strecke zu Fuß zu gehen, möge sich bitte für einen Rikscha-Platz anmelden. Hier gilt die Reihenfolge der Anmeldung.
Von den teilnehmenden Gästen wird ein Kostenbeitrag (inkl. Kaffeegedeck) von fünf Euro erbeten. Mitglieder des Kulturkreises sind befreit.
Anmeldungen an hauke.hansen‹at›kultur-kreis-kronshagen.de


1. Kieler Straße 84 // Sparkassengebäude

Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Landwirtschaftlichen Bezugsvereins wurde 1923 im Stil der Heimatschutzarchitektur errichtet. Das anmutende Gebäude mit dem traufständigen Satteldach, den drei Dachgauben, den seitlichen Treppengiebeln und den zahlreichen Sprossenfenstern mit den darum gelegten Backsteinbändern wurde von dem renommierten Architekten Arnold Bruhn entworfen. Nachdem der Bezugsverein bereits Ende der 1920er-Jahre liquidiert wurde, zogen die Sparkasse und ein Kolonialwarenhändler in das Gebäude ein. Bis Ende der 1980er-Jahre wurden die Räumlichkeiten durchgehend von Lebensmittelgeschäften genutzt. 1990 wurde der Bau umfassend renoviert. Seitdem ist die Sparkasse die alleinige Nutzerin.


2. Bahnhofsweg // alter Bahnhof

Seit 1881 verlief eine Bahnlinie mitten durch Kronshagen. Erst 1906, also 25 Jahre später, erhielt Kronshagen zur Freude der Einwohner einen richtigen Bahnhof mit Empfangsgebäude, Lagerschuppen und Gütergleis. Kronshagen war nun an das Streckennetz angebunden. Mit dem Zug mal eben nach Kiel oder Eckernförde fahren, war nun eine Selbstverständlichkeit. 1979 kam der erste Rückschritt. Der Bahnhof wurde an das DRK verkauft und ab 1981 wurde der Haltepunkt aufgelöst. Ab Dezember 2014 war dann alles wieder gut – zumindest erhielt Kronshagen wieder einen Haltepunkt.


3. Kieler Straße 90 // Bahnhofshotel

Das ehemalige Bahnhofshotel an der Kieler Straße (heute Nostimo) wurde bereits 1904, zwei Jahre vor Inbetriebnahme des Bahnhofsgebäude, eröffnet. Mit einigen Fremdenzimmern ausgestattet, sollte der Gaststättenbetrieb bis in die heutige Zeit Bestand haben. Der Hotelbetrieb wurde zwar vor langer Zeit eingestellt. Die Zahl der Kröger in den letzten 122 Jahren lässt sich an zwei Händen abzählen. Den ursprünglichen Ausspann und die Kegelbahn gibt es nicht mehr. Der große Saal erlebte viele Veränderungen: vom Veranstaltungssaal über Kino, Lebensmittelmarkt, Büromöbelgeschäft, Tiernahrungsdiscounter bis hin zur Tanzschule war bzw. ist die Nutzung vielfältig.


4. Am Holm // erster Kinderspiel- und Bolzplatz

Kaum vorstellbar, aber erklärbar: Als vor über 125 Jahren landwirtschaftliche Flächen Kronshagen überdeckten, hatten die Landwirte eigene Sandgruben. Diese lieferten zur Befestigung von Hof und Wegen den notwendigen Sand. Schwere Erntewagen versanken auf den Wegen im nassen, lehmigen Boden. Kies war das wichtigste Material, um Hofauffahrten, Stallböden und die unbefestigten Feldwege (Fahrspuren) wetterfest zu machen. Nach Aufgabe der Landwirtschaft hinterließ die ehemalige Kiesgrube im Gelände eine tiefer gelegene Mulde. Im Zuge der Wohnbebauung wurde in den 1950er-Jahren von der Gemeinde dieses Gebiet zu einem Spiel- und Erholungsplatz umgestaltet. Es entstand auch ein Bolzplatz. 1966 stand sogar mal ein ausrangiertes Feuerwehrfahrzeug (SLG) für kurze Zeit auf dem Rasen. 1955 wurde der Schulwald angelegt.


5. Steindamm / Holländerey // Papageiensiedlung

Die besagte Wohnbebauung, die auf der grünen Wiese entstand, bezeichneten die Kronshagener als „Papageiensiedlung“. Die „Neue Heimat“ hatte das Areal mit den Straßenzügen Am Holm, Steindamm und Holländerey in den 1950er-Jahren erworben. Hier entstanden kostengünstige Reihen- und Einfamilienhäuser „von der Stange“. Die Typenhäuser kostenten 1958 zwischen 35.000 und 45.000 Mark. Durch eine Abkehr vom Grau der Nachkriegszeit sollten die verschiedenen Farbtöne von blau, gelb und rosa eine Art Aufbruchsstimmung, Optimismus und Individualität in das neue Quartier bringen. Heute ist von der Farbenfrohheit nichts mehr zu sehen.


6. Dorfstraße 26 // letzte Reetdach-Kate

Die ehemalige Melkerkate von 1869 in der Dorfstraße gehörte mal zur Holländerei, die an der Gabelung Ottendorfer Weg und Suchsdorfer Weg stand. Die reetgedeckte Kate ist das letzte Gebäude in Kronshagen, das die gute alte Zeit überstanden hat. Allen Veränderungen und Abrissgedanken zum Trotz, steht sie hier seit über 150 Jahren etwas versteckt und kaum sichtbar. Der jetzige Eigentümer hat sie in ein Dornröschenschlaf fallen lassen. Hinter Bäumen und einer hohen Hecke ist nur mühevoll zu erblicken.


7. Dorfstraße 3 // ehemalige Gaststätte „Brunos Lust“

Es war einmal… leider. Denn am 2. Juli 1997 vernichtete ein Feuer die reetgedeckte Dorfgastwirtschaft innerhalb kürzester Zeit. „Brunos Lust“ in der Dorfstraße war seit 1892 der Begegnungsort für die Kronshagener Bürger. Hier wurde gefeiert, getüftelt, gegessen, gesoffen, geprügelt, getagt, geschwoft, gekegelt, gesungen und vieles mehr. Die Heimat der Brüder Franz und Bruno Steffen, die 1910 mit Fluggeräten Kronshagen technisch nach vorne brachten, waren die bekanntesten Söhne unserer Gemeinde. Lange Zeit stand neben der Wirtschaft ein Lebensmittelmarkt. Heute befinden sich auf dem Grundstück ein Firmengebäude und ein Mehrfamilienhaus.


8. Kieler Straße 140-148 // ehemahliges Wohn- und Verwaltungshaus Sinjen

Der Landwirt Claus Sinjen war von 1887 bis 1910 der Gemeinde- und Amtsvorsteher von Kronshagen. Sein Wohnhaus in der Kieler Straße / Ecke Dorfstraße nutzte er als Amtsstube. Neben seiner Landwirtschaft hatte er im Erdgeschoss die Geschicke der Gemeinde zu lenken. Nach Aufgabe seiner Amtstätigkeit war es dann nur noch Wohnhaus und nach Verkauf des Hauses sogar Herberge für Schwesternschülerinnen der DRK-Schwesternschaft. Heute ist das Haus im Eigentum der Gemeinde Kronshagen und dienst als Flüchtlingsunterkunft.


9. Claus-Sinjen-Straße 1 // altes Amtshaus der Domäne

Die Domäne von Kronshagen war eine historische Guts- und Hofanlage mit Ursprüngen im 16. Jahrhundert. Geblieben ist das alte Pächterwohnhaus in der Claus-Sinjen-Straße. Ab dem Jahr 1768 diente es als Amtshaus und als Verwaltungssitz des Amtes Kronshagen wurden hier behördliche Tätigkeiten erledigt. Als Pächterwohnhaus diente das Gebäude der landwirtschaftlichen Hofstelle diversen Landwirten bis 1977 nur noch privaten Zwecken. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten Anfang der 1980er Jahre wird das Haus heute zu privaten Wohnzwecken genutzt.