Die Wohnsiedlung Rendsburger Landstraße 143–155 ist schon etwas Besonderes im Stadtteil Hassee. Vielen ist sie besser bekannt unter dem Kosenamen „Klein Moskau“.
Die Reihenhäuser in Backsteinbauweise wurden 1937/38 als „Wohnungsfürsorgeanstalt“ gebaut. Gedacht waren sie für kinderreiche und mittellose Familien. Die Wohnungen hatten ursprünglich 34–50 Quadratmeter Wohnfläche.
Fehlende Wärmedämmung wird zum Sanierungsfall
1988 wurden die Häuser kernsaniert. Teilweise wurden Wohnungen zusammengelegt oder durch den Ausbau von Abstellräumen im Dachgeschoss vergrößert. Eines ist jedoch seinerzeit ausgeblieben: eine Wärmedämmung. Eine Aufgabe für die von der Landeshauptstadt Kiel im Jahr 2019 neu gegründete Kieler Wohnungsgesellschaft (KiWoG), die sich anfangs um einen Altbestand von 350 Wohnungen kümmern sollte. „Die Wohnungen waren teilweise in einem desolaten Zustand“, weiß der technische Leiter der KiWoG. In dieser Siedlung gab es kaputte Dachrinnen und durchnässte Sohlbereiche. Der Heizenergieverbrauch lag im Durchschnitt bei fast 20 m³ Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche. Einzelne Schimmelschäden schufen weiteren Handlungsbedarf.
Denkmalschutz erfordert besondere Dämmtechnik
Da die Siedlung unter Denkmalschutz steht, ist ein Wärmedämmverbundsystem nicht möglich. Stattdessen wurde eine minimalistische und hocheffiziente Dämmmaßnahme angewendet: die serielle Kerndämmung. Dabei werden zuerst kleine Löcher in die Außenwand gebohrt, durch die per Schlauch Einblasdämmung in die Luftschicht des zweischaligen Mauerwerks befüllt wird. Diese Arbeiten hat die Kieler Firma Wärmedämmung Nord übernommen. Innerhalb von drei Wochen bzw. 15 Arbeitstagen wurden so alle 76 Wohneinheiten gedämmt. Die Kosten hielten sich im überschaubaren Rahmen. „Sie lagen bei bummelig 1.000 Euro pro Haus“, verkündet der KiWoG-Mitarbeiter.
„Wir haben schon viele Kerndämmungen begleitet“, erzählt Anna Muche aus der Abteilung Klimaschutz im Umweltschutzamt der Stadt Kiel.

KiWoG übernimmt Kosten für die energetische Sanierung
„Das Besondere an dieser Maßnahme ist, dass die KiWoG die Kosten nicht an ihre Mieter weitergereicht hat.“ Grund genug, dass die Stadt sich mit diesem Referenzobjekt an Wettbewerben beteiligt hat. Sowohl landesweit als auch bundesweit erhielt sie Auszeichnungen. Die Preisgelder in Höhe von 3.000 und 40.000 Euro sollen nun zweckgebunden für weitere energetische Maßnahmen eingesetzt werden. „Wir haben die Preise zum Anlass genommen, stadtweit zu gucken, wo gibt es ähnliche Quartiere, um die Kerndämmung zu übertragen“, so Anna Muche. Dazu zählen im Kieler Süden das Energiequartier Postillionweg/Vieburg und die Siedlung Hammer. Für Hausbesitzer aus diesen Bereichen gewährt der Klimaschutzfonds einen Zuschuss von 20 % auf die Kerndämmung, maximal 1.000 Euro pro Maßnahme. Der Zuschuss kann mit Förderungen der Bafa kombiniert werden. Anträge nimmt die Klimaschutzabteilung entgegen. Die Förderung gibt es nach Vorlage der Rechnung. Mehr dazu auf der Homepage www.kiel.de/kerndaemmung.

Heizkosten sinken nach der Dämmung um 20 Prozent
Dass sich solche Wärmedämmungen lohnen, zeigen die ersten Abrechnungen aus der Siedlung „Klein Moskau“. „Wir haben durchschnittlich eine Heizkosteneinsparung von 20 % ermittelt“, freut sich Anna Muche. Durch die Dämmung hat sich auch das Wohnklima verbessert. Die raumseitige Temperatur der gedämmten Wände stieg von 12 °C auf 18 °C (bei -5 °C Außentemperatur). Die Räume fühlen sich wärmer an. „Ich konnte die Heizung eine Stufe runter drehen“, bestätigt eine Bewohnerin. CF
