
Was die Hasseerin Ilse Köpnick in über zehn Jahrzehnten schon alles erlebte
Viele Orte und Stationen prägten das bewegte Leben der Hasserin Ilse Köpnick, die am 20. April bereits ihren 102. Geburtstag feiern durfte. Worauf sie alles zurückblicken kann?
Schon seit einigen Jahren staunt Ilse Köpnick immer wieder, wie die Zeit vergeht. 2009 feierte sie erst groß ihren 85. Geburtstag im Kreise von Familie und Freunden. Es folgten der 90., der 95., der 100. und jetzt in diesem Jahr die 102.
„Wenn man so alt geworden ist, hat man schon so allerhand erlebt“, gesteht die betagte Seniorin, die seit einem Jahr in der Wohngruppe „Wacholderbeere“ im Professor von Esmarch-Haus lebt und zu den 50 über hundertjährigen Menschen von ganz Kiel gehört.
Eine Hasseerin aus Berlin
Dabei kam Ilse Köpnick zunächst 1924 in Berlin zur Welt, wo sie in Neukölln aufwuchs und trotz der politisch schwierigen Zeiten eine glückliche Kindheit verbringen durfte. Da ihre Eltern aus Pommern stammten, verbrachte sie viele Sommer in Reetz (dem heutigen polnischen Recz) bei den Verwandten, wo sie nicht nur das Landleben genoss, sondern auch ihren späteren Mann Heinz Köpnick kennenlernte.
Die Zeit Ihrer Jugend sowie als junge Erwachsene wurde dann stark vom Krieg geprägt. Ilse Köpnick schaffte es dennoch, Mittlere Reife zu machen und Berlin die Höhere Handelsschule zu besuchen, um Bürokauffrau zu werden. 1943 heiratete sie ihren Heinz, der Soldat war, so dass ihre erste gemeinsame Zeit immer von Bangen und Sehnen geprägt war. Im Frühjahr 1945 erlitt das junge Paar dann einen schweren Schicksalsschlag, als sein erstes Kind kurz nach der Geburt verstarb.
Ilse und Heinz schafften es dennoch, sich im Nachkriegsdeutschland ein neues Leben aufzubauen. Sie wurden für viele Jahre in Lübeck heimisch, bekamen drei weitere Kinder und feierten 1968 ihre Silberhochzeit. Eine glückliche Zeit, die sich jedoch wieder durch einen Schicksalschlag veränderte: 1970 verlor Ilse Köpnick ihren geliebten Mann an den Krebs. Erneut folgten zehrende Jahre, in der sie nach vielen Jahren als Hausfrau wieder ins Berufsleben einstieg und im Stahlhandel zuerst im Büro, dann aber auch im Einkauf aktiv wurde.
Bis ins hohe Alter rüstig
„Ich hab viel gearbeitet“, resümiert die 102-jährige, die beruflich viel reisen musste, sehr umtriebig wurde und dies, so berichten ihre Mit bewohner aus der Wohngruppe anerkennend, sogar bis jetzt noch ist. Auch heute schreibe sie beispielsweise Einladungen am Computer und verschicke diese eigenständig.
In der „Wacholderbeere“ im zweiten Stock des Seniorenheims hat Ilse
Köpnick übrigens ein Zuhause gefunden, in dem sie sich „sehr wohl“ fühlt. Denn das Wohnkonzept ermöglicht den elf WG-Mitgliedern ein Leben, das fit hält – bei individueller Unterstützung.
„Wir machen alles selbstständig, so weit wir können“, erklärt Mitbewohner Roland. Jeder bewohnt ein eigens möbliertes Zimmer mit Bad und teilt sich die Gemeinschaftsräume wie Wohnküche, Wohnzimmerbereich oder Waschküche. Wird Hilfe benötigt, unterstützen die Alltagsbegleiter, die täglich da sind. Es wird gemeinsam gebacken, gelacht, gekocht. Auch Ilse Köpnick schält noch gern die Kartoffeln. Anlässlich ihres Ehrentags lud sie zudem alle zum Brunch ein, zu Spargelcremesuppe und Schnittchenplatte. Allerdings erst nach dem 20. April, denn den verbrachte sie – wie immer – im Kreise ihrer Familie mit vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln. AB