Angeln ist zum Trendsport geworden

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Was ist der Reiz des Angelns? „Die Spannung, das Unerwartete. Jede Sekunde kann der Jackpot am Haken hängen“, schwärmt Dennis Neumann. KIEL LOKAL sprach mit dem Vorsitzenden des Kreissportfischerverbands Kiel aus der Achterwehrer Straße.

Durch die Corona-Pandemie ist Angeln zum Trendsport geworden“, sagt Dennis Neumann. „Angeln erfreut sich einem starken Zuwachs, weil es eine der wenigen Freizeitaktivitäten ist, die man auch allein machen kann.“ Entsprechend groß ist die Nachfrage. Rund 3.000 organisierte Angler gibt es derzeit in Kiel. Tendenz steigend. „Vielen Vereinen ist das genug. Die wollen keine neuen Mitglieder mehr“, bemerkt er. Es dürfen derzeit gar keine Lehrgänge und Prüfungen abgehalten werden. Einzige Alternative sind Online-Lehrgänge. Diese sind häufig kostspieliger als Präsenzkurse vor Ort. Sobald wieder Lehrgänge stattfinden dürfen, geht es auch wieder los.

Wer darf eigentlich wo angeln?
Angeln kann grundsätzlich jeder beziehungsweise jede. Allerdings benötigt man dafür in Deutschland eine Fischereierlaubnis. Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede, da die Fischerei durch die Länder geregelt wird. In Schleswig-Holstein benötigt man einen Fischereischein. Dieser kann durch Ablegen einer Prüfung erlangt werden. Ausgehändigt wird er frühestens mit Vollendung des zwölften Lebensjahres. Zusätzlich muss man jährlich eine Marke (Fischereiabgabe) kaufen. Erst dann darf man an Nord- und Ostsee den Fischzug starten.
Für viele Gewässer gilt es, zusätzliche Erlaubniskarten zu erwerben. Diese sind für Mitglieder von Vereinen häufig deutlich günstiger. Zusätzlich ist auch auf besondere Einschränkungen vor Ort zu achten. So sind häufig Bereiche mit starkem Personenverkehr für die Angelei gesperrt. Auch Schonbezirke und Brutzonen sind zu beachten. Hinzu kommen Mindestmaße und Schonzeiten für einzelne Fischarten.

Schulensee, Drachensee, Russee oder Eider?
„Man darf die Angel nicht einfach in jedes Gewässer hängen“, gibt Neumann zu Bedenken. So ist der Schulensee als Naturschutzgebiet für Angler tabu und der Drachensee in Hand eines Vereins.
Der Russee wird seit vier Jahren vom „ASV der Postler“ gepachtet. Der Angelverein hat dort Boote für seine Mitglieder liegen. Es gibt keine Gastkarten für den Russee. Stattdessen aber entlang der Eider, zwischen dem Schulensee und der Einmündung der Kuhfurtsau.
Tageskarten für Gastangler werden ab 1. Mai für acht Euro abgegeben. Erhältlich sind diese bei Fishermans Partner, Angel Knutzen und Serious Flyfishing. Das Kontingent ist begrenzt.
Ansonsten ist die Region Kiel reich an Fischereimöglichkeiten. Eine Übersicht der Angelreviere gibt die Website www.ksfv-kiel.de. „An der Kieler Förde und an der Ostsee ist man mit dem normalen Fischereischein ausreichend ausgestattet“, sagt Neumann. Er selbst fährt am liebsten mit dem Kutter auf die Ostsee.
Auch das Angeln vom Strand aus hat für ihn seine Reize. „Besonders der Bezug zur Natur. Einen Sonnenaufgang am Meer oder einen Sonnenuntergang am See zu erleben, ist immer etwas Besonderes“, sagt er. „Die Vielseitigkeit übt eine besondere Faszination aus. So kann ich mich mit einem kühlen Getränk gemütlich auf einen Stuhl setzen und der Pose beim Schwimmen auf dem See zuschauen. Aber ein 150 Gramm Gewicht an einem stürmischen Herbsttag 120 Meter in die Ostseewellen zu schleudern, ist da weniger beschaulich.“

Angebote für Jugendliche
Der Kreissportfischerverband ist stolz auf seine erfolgreiche Jugendarbeit. So steht der von der Stadt Kiel gepachtete Langsee exklusiv den Jugendlichen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es ein stetig wachsendes Angebot an Angelveranstaltungen an verschiedenen Gewässern und Gruppenabenden.
Sobald es erlaubt ist, möchte Dennis Neumann wieder die Theoriestunden für Jugendliche anbieten. Diese finden in der Regel am letzten Mittwoch im Monat in der Sportgaststätte des TSV Russee statt. Gedacht sind die Treffen für Jugendliche ab zehn Jahren.
Neben Geräte- und Fischkunde werden natürlich auch Knoten geübt. „Wir spielen auch mal oder sehen einen Film“, ergänzt Neumann und lädt ein: „Jeder kann vorbeikommen. Jeder darf fragen, so viel er möchte.“

Text: Frahm; Foto: ©Neumann