Auf den letzten Drücker?

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Hunderte freie Ausbildungsplätze warten in Kiel noch auf Spätzünder – aktiv werden lohnt sich

Am 1. August geht in vielen Betrieben das neue Ausbildungsjahr an den Start. Noch sind viele Plätze frei. Eine große Chance für Spätzünder, jetzt noch schnell aktiv zu werden und sich den Start in die Zukunft zu sichern.

Wie wäre es mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker, zur Hörakustikerin oder zum Chemielaboranten? Auch im Bereich der Hauswirtschaft, in der Pflege oder Bäckerei gibt es noch so manch unbesetzten Ausbildungsplatz – und das Angebot ist noch weit größer. 550 freie Ausbildungsplätze sind Anfang Juni allein auf der privatwirtschaftlichen Onlinebörse Ausbildung.de für den Raum Kiel gelistet. In der Jobbörse der Agentur für Arbeit sind es mit über 900 sogar noch einige mehr.

Auch hier sind die Branchen breit gestreut: Bankkaufleute, Köchinnen oder Köche, medizinische oder zahnmedizinische Fachangestellte. Auszubildende für die klassischen Einzelhandelsberufe werden ebenso gesucht wie Friseure, Malerinnen, Fleischer, Lageristinnen, Floristen oder Optikerinnen. Wie die Zahlen einzuschätzen sind und was sie über die aktuelle Situation in Kiel aussagen? Was bedeuten sie für Schulabsolventinnen und -absolventen, die – aus welchen Gründen auch immer – noch ohne Lehrstelle sind?
KIEL LOKAL hat einmal bei der Kieler Agentur für Arbeit nachgefragt. Pressesprecher Thomas Bohse lieferte dabei nicht nur interessante Vergleiche zu den Vorjahren. Er hatte auch Tipps parat für alle, die noch auf der Suche sind – nach der geeigneten Ausbildungsstelle, die zu ihnen passt.

Doch zunächst: Wie viele zu besetzende Ausbildungsstellen gibt es in diesem Jahr eigentlich ganz konkret in Kiel?

Eine Gesamtzahl sei leider nicht verfügbar, erklärt Bohse, denn die Arbeitsagentur erfasse nur die Stellen, die die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber auch zur Besetzung melden. „Darüber hinaus werden Ausbildungsstellen ohne die Einschaltung der Agentur für Arbeit besetzt.“ Die eigentliche Zahl ist also noch etwas höher anzusiedeln.
Und die lautet? „Seit Oktober 2024 wurden unserem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter 1.968 Ausbildungsstellen in Kiel gemeldet (Stand 28. Mai 2025)“, die es zu besetzen gilt, berichtet Thomas Bohse. „Das sind 24,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Und es ist der höchste Stand an gemeldeten Ausbildungsstellen zum Zeitpunkt Mai seit zwölf Jahren.“

Von den 1.968 Ausbildungsplätzen waren 699 Ende Mai noch unbesetzt. „5,3 Prozent weniger als vor einem Jahr“, erläutert Bohse, der mit seiner Agentur auch die aktuellen Trends stets verfolgt und dokumentiert.

„Wir werten immer auch die sogenannte Top 10 der noch unbesetzten Ausbildungsstellen aus“, erzählt er. In diesem Jahr unter den ersten Plätzen, also besonders gefragt? Kaufleute im Einzelhandel, Industriemechanikerinnen und -mechaniker, Verkäufer und Verkäuferinnen. Wer sich in diesen Bereichen zu Hause fühlt, sollte die Gelegenheit nutzen und die Initiative ergreifen.

Aber auch für den Fall, dass der Traumberuf trotz der großen Auswahl nicht dabei sein sollte, hat Thomas Bohse einen Rat für Unentschlossene oder Spätzünder im Gepäck: „Nicht aufgeben!“, ermuntert er, denn: „Es gibt mehr als 300 verschiedene Ausbildungsberufe im dualen System. Wenn es vielleicht nicht mit dem Erstwunsch klappt, gibt es möglicherweise einen anderen Beruf im gleichen Berufsfeld, den die Jugendlichen und ihre Eltern noch nicht auf dem Schirm haben.“

Sein Tipp: „Am Ball bleiben“, sich immer wieder informieren und die zahlreichen Berufsberatungsangebote nutzen, die für Einsteigerinnen und Einsteiger bereitstehen – wie zum Beispiel bei der Arbeitsagentur, die unter 0431/ 7091000 Termine zur persönlichen Beratung vergibt.

Doch ist es jetzt im Juni/Juli nicht viel zu knapp und ist der Einstieg ins Ausbildungsjahr nicht längst gelaufen? Keineswegs. Der August als klassischer Startmonat in die Ausbildung muss gemäß Bohse für Spätentschlossene nicht unbedingt eine zeitliche Hürde darstellen. „Es gibt bis in den Herbst hinein noch Möglichkeiten, einen Ausbildungsvertrag abzuschließen“, weiß der Pressesprecher der Kieler Arbeitsagentur aus Erfahrung. Zwar würden Großbetriebe oft schon ein Jahr vor der Schulentlassung mit ihrer Bewerberauswahl beginnen. Für Spätzünder stehen nun somit Nachrückerplätze bereit.

„Aber gerade viele klein- und mittelständische Betriebe melden auch unterjährig ihre Stellen, so dass sich bis weit über die üblichen Einstellungstermine 1. August oder 1. September Chancen ergeben“, so Bohse, der übrigens auch für unsichere Jugendliche sowie für die mit nicht so guten Schulnoten eine Empfehlung hat: Praktika, „zum Beispiel auch in den Sommerferien“, könnten bei der Berufsfindung helfen, „um sich gegenseitig kennenzulernen und zu schauen, ob Ausbildung und Jugendliche zusammenpassen.“ Im besten Fall öffnen sie sogar Türen. Denn im persönlichen Kennenlernen und gemeinsamen Arbeiten „werden Bewerberinnen und Bewerber, die Betriebe vielleicht wegen der Schulnoten nicht berücksichtigt hätten, auf den zweiten Blick zur ersten Wahl“. AB

Ausbildung im Handwerk: nachhaltig und zukunftssicher

Mit Interesse punkten

Herausragende Schulnoten? Sind einerseits schön und gut. Ob die oder der Auszubildende handwerklich geschickt ist und ob sie oder er eine Leidenschaft für ein ganz bestimmtes Thema hat, verraten sie oftmals jedoch nicht.

Christian Sievers von der K.-O. Sievers GmbH aus Hassee setzt in seinem inhabergeführten Sanitärunternehmen beispielsweise in erster Linie auf Engagement, Lernbereitschaft, eine positive Einstellung. Ebenfalls von großer Wichtigkeit: eine gute Teamfähigkeit.

„Für uns als zukunftsorientierten Familienbetrieb zählt vor allem, dass wir gemeinsam im Team an einer nachhaltigen, erfolgreichen Zukunft arbeiten“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Auch in seinem Betrieb sind aktuell noch Ausbildungsstellen frei. Was Bewerberinnen und Bewerber mitbringen sollten? „Für unsere Ausbildung zur Kauffrau beziehungsweise zum Kaufmann für Büromanagement suchen wir motivierte junge Menschen, die Spaß an Organisation und Verwaltung haben“, sagt Christian Sievers. Für die Ausbildung im Bereich der Anlagenmechanik ist natürlich technisches Interesse gefragt. Die Chancen später im Beruf? Spiegeln sich im Leitbild der K.-O. Sievers GmbH wider. „Nachhaltig und zukunftssicher“, heißt es dort zur Ausbildung im Handwerk. AB