Auftakt zum Jubiläumsjahr

Ein Jahrhundert ist es her, und doch ist das Thema aktueller denn je: Im November nächsten Jahres jährt sich zum 100. Mal der Aufstand der Kieler Matrosen. Jetzt stellt die Stadt ein umfangreiches Programm fürs Jubiläumsjahr vor. Besonderen Wert legen die Planer auf die Aktualität des „Aufstehens“.

Was bedeutet der Aufstand der Kieler Matrosen heute? Die Antwort soll ein einfacher Slogan geben: „Demokratie erkämpfen. Demokratie leben.“ In Zeiten, in denen die Bindungskräfte der demokratischen Gesellschaft schwächer werden, will die Stadt über die bloße Feier eines wichtigen Jubiläums hinausgehen und die Bürger zum Engagement für Demokratie und Freiheit motivieren.

Dass im November 1918 aus der Befehlsverweigerung der Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel eine politischen Massenbewegung wurde, die wenige Tage später im Thronverzicht des Kaisers und der Ausrufung der Weimarer Republik gipfelte, ist für die Stadt Kiel ein Grund zum Feiern, zum Erinnern, aber auch zum Nachdenken: „Der Kieler Matrosenaufstand ist ein Ereignis von nationalgeschichtlicher Bedeutung“, betont Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Er ebnete den Weg zur ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Im kommenden Jahr wollen wir der mutigen Matrosen, Arbeiterinnen und Arbeiter gedenken, die für eine friedlichere und freiheitlichere Gesellschaft aufgestanden sind. Gleichzeitig wollen wir herausfinden, welche Bedeutung das ‚Aufstehen‘ heute noch hat.“

Für einige Tage steht Kiel deshalb im Zentrum der bundesweiten Aufmerksamkeit. Die Stadt schnürt ein umfangreiches Gesamtpaket an wissenschaftlichen und kulturellen Events. Informationen zum Jubiläumsprogramm sind nebst einer Chronik der Ereignisse des Novembers 1918 im Internet unter www.kiel.de/matrosenaufstand zu finden.

Im Wettbewerb um das beste PR-Konzept zu den Jubiläumsfeierlichkeiten hat sich die Agentur boy durchgesetzt. Neben den vielen Veranstaltungen werden auch die Postkarten- und Plakatkampagnen im Stil der 1920er-Jahre das Stadtbild im Jubiläumsjahr prägen. Kann aus dem Motto „Kiel steht auf“ eine Haltung, gar eine gesellschaftliche Bewegung werden? Steht Kiel immer noch auf für Engagement, für Miteinander, für Demokratie? Vielleicht wird man bald das zivilcouragierte Aufstehen mit der Stadt an der Förde verbinden.

Foto: ©Sellhoff