Aus der Geschichte lernen

Foto einer Veranstaltung des Demokratieprojekts Kiel-Hassee im Gemeindesaal der Michaeliskirche Hassee
Das Hasseer Demokratieprojekt führt am 8. und 22. März zwei Dokumentarfilme im Gemeindesaal vor. Foto: Carsten Frahm

Die nächsten Veranstaltungen des Demokratieprojektes der Michaeliskirche

Während nur noch wenige Zeitzeugen aus erster Hand über die Gräueltaten der Nationalsozialisten berichten können, stehen Rechtsextreme in Deutschland und weltweit wieder in den Startlöchern.

Sie profitieren dabei von einer erschreckenden Geschichtsvergessenheit. Und es gelingt ihnen sogar, Populismus und Ressentiments in Wahlerfolge umzumünzen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das erste Opfer der demokratischen Machterlangung die Demokratie selbst ist.

Um dies zu verhindern, haben sich Engagierte im Demokratieprojekt der Michaelis-Gemeinde zusammengefunden. Seitdem vergeht kein Monat, in dem nicht öffentliche Rundgänge zu historischen Orten des Stadtteils, Workshops, Filmabende und Infoveranstaltungen stattfinden.

Ausstellung über Rose Ausländer

Vom 8. März an bis voraussichtlich Ostern wird der Kirchenraum Michaelis im Zeichen der deutsch-jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer (1901–1988) stehen. Sie stammt aus Czernowitz in der Bukowina (damals Österreich-Ungarn, heute Westukraine), seinerzeit ein Schmelztiegel der Kulturen.

Zu Kriegszeiten geriet sie zuerst in die Fänge der Sowjets und wenig später der Nazis. Nur durch großes Glück entging sie dem Massenmord an den Juden. Erst vor rund 50 Jahren begann sich eine breitere Öffentlichkeit für ihre Lyrik zu interessieren, in der sie u. a. ihr in der NS-Zeit erlittenes Leid und Kriegstrauma verarbeitet. Ihr widmet das Demokratieprojekt die Ausstellung der Friedensbibliothek Berlin.

Zwei Dokumentarfilme

Zwei weitere Veranstaltungen bleiben in der Region. Im Dokumentarfilm „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ am 18. März berichten zwei Zeitzeugen über ihr Leben Ende der 1990er-Jahre in Czernowitz. Beide verbindet ihre deutsche Sprache und das gemeinsame jüdische Schicksal.
Gar nicht weit entfernt für die meisten Menschen, aber jenseits des Wahrnehmungshorizonts lag Transnistrien – 1941 bis 1944 unter rumänischer Herrschaft. Diesem Landstrich samt seinen Abgründen widmet sich am 22. März der Dokumentarfilm „Vergessener Holocaust – Eine Reise nach Transnistrien“. Dazu sind ein einleitender Vortrag und Musik geplant.

Geführter Stadtteilrundgang

Auch am Kieler Süden ging die Geschichte nicht vorbei, sondern sie hat ihre Spuren hinterlassen. Kiel war nicht nur eine Wiege des demokratischen und sozialen Aufbruchs nach 1918, sondern auch ein Ort der NS-Volksgemeinschaft sowie des demokratischen Neubeginns nach 1945.
Die Stadtteilrundgänge „Wege gegen das Vergessen“ werden auch in diesem Jahr wieder vom Historiker Klaus Dieter Hein-Mooren angeboten, der durch eigenes Quellenstudium die Geschichte lebendig werden lässt. Der nächste Spaziergang findet am Samstag, dem 21. März, um 14 Uhr statt.
Spannend wird es auch in den Folgemonaten. So wird am 6. Mai ein Film über die Nachfolgeorganisation der gesichert rechtsextremistischen AfD-Jugendorganisation und ihre Köpfe gezeigt. Am 27. Mai geht es in einem Vortrag um völkische Siedler, die auch im unmittelbaren Kieler Umland teilweise mit Biolandwirtschaft und Selbstversorgung ein ländliches Idyll vortäuschen. JM

Termine im MÄRZ 2026

Sonntag, 8. März, 10 Uhr
Michaeliskirche, Schleswiger Straße 42
Eröffnung der Ausstellung
„Wirf deine Angst in die Luft“ über Rose Ausländer
Rundgang zu folgenden Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag, Freitag von 10–12, Dienstag von 14–16 Uhr, Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst und nach Absprache zu weiteren Zeiten


Sonntag, 8. März, 16 Uhr
Michaelis-Gemeindesaal, Schleswiger Straße 57
„Im Raum zwischen Angst und Mut“,
Konzert der Basement-Band


Mittwoch, 18. März, 19 Uhr
Michaelis-Gemeindesaal
Dokumentarfilm „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“


Samstag, 21. März, 14 Uhr
Start: Waldwiesen-Residenz, Von-der-Goltz-Allee 2
Stadtteilrundgang
„Wege gegen das Vergessen“
Anmeldung erforderlich
im Gemeindebüro, Telefon 0431 / 682785


Sonntag, 22. März, 16 Uhr
Michaelis-Gemeindesaal
Dokumentarfilm „Vergessener Holocaust –
Eine Reise nach Transnistrien“ mit einleitendem
Vortrag und Musik