
Stiftung Naturschutz startet sanften Waldumbau vom Mischwald zum Laubwald
Mehr Licht, mehr Leben und mehr alte Bäume. Wo sich heute noch Fichten und Lärchen unter die Laubbäume mischen, soll in den kommenden Jahren ein lebendiger, vielfältiger, naturnaher Laubwald entstehen – mit alten Eichen und Buchen, Bäumhöhlen und viel liegengebliebenem Totholz.
Im Stiftungsland Eidertal, direkt an der Siedlung Blumenthaler Berg bei Grevenkrug, hat die Ausgleichsagentur im Februar 2026 eine behutsame Waldumbaumaßnahme auf knapp drei Hektar gestartet.
Ziel ist es, den bestehenden Mischwald Schritt für Schritt zu einem naturnahen Laubwald zu entwickeln – und ihn auf diese Weise langfristig zu einem Rückzugsort für Vögel, Fledermäuse, Käfer, Pilze und viele weitere Waldbewohner zu verwandeln.
Vom Nadelwald zum Laubwald
Heute mischen sich noch nicht heimische und standortfremde Nadelbäume (wie Fichten und Lärchen) unter die Laubgehölze. Die Nadelbäume werden nach und nach entnommen – nicht auf einmal, sondern über viele Jahre hinweg. „Wir arbeiten hier bewusst in kleinen Schritten“, erklärt Kerstin Haldan von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein. „So bleibt der Wald jederzeit stabil und lebendig.“
Durch die vorsichtige Entnahme fällt wieder Licht auf den Waldboden. Genau das brauchen heimische Bäume wie Eichen. Sie gelten als echte Zukunftsbäume: widerstandsfähig gegen Trockenheit und Nässe – klimastabil, langlebig und bestens geeignet als Rückzugsräume für unzählige Tierarten. Eine einzige alte Eiche kann über Jahrhunderte hinweg Wohnraum, Nahrung und Verstecke bieten.
Versteckte Lebenswelten
Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei dieser Maßnahme auf dem, was im Wald oft im Verborgenen geschieht. Baumhöhlen, Spalten und „Blitz-Rinnen“ wie nach einem Blitzeinschlag. So wird die natürliche Alterung nachgeahmt – die Bäume bleiben vital, bieten aber schon früh Nischen für Tiere.
Erst ziehen Vögel und Fledermäuse ein, später besiedeln Pilze das Holz. Sie zersetzen es langsam – und schaffen so wiederum Nahrungsgrundlagen für spezialisierte Insekten. Ein kleiner Eingriff, der eine ganze Lebenskette auslöst. Zusätzlich bleibt bewusst stehendes und liegendes Totholz im Wald – von Buche und Lärche. Es wird zur reich gedeckten Tafel für Spechte und zum Kinderzimmer für zahllose Insektenarten.
Ein Wald, der alt werden darf
Nach Abschluss der Maßnahme geht der Wald in einen dauerhaften Nutzungsverzicht über. Das heißt: keine Baumfällungen, keine Holznutzung und kein Eingreifen. Der Wald darf altern, sich verändern, selbst gestalten. „Wir schaffen heute die Voraussetzungen dafür, dass hier in einigen Jahrzehnten ein Wald mit echten Uraltbäumen und einer natürlichen Altersstruktur steht“, so Haldan.
Besonderer Ort im Eidertal
Das Stiftungsland Eidertal ist geprägt von steilen Hängen, alten Buchenbeständen und einem Quellbereich mit Erlen und Eschen. Ein kleiner Bach fließt von hier Richtung Eider. Diese abwechslungsreiche Landschaft macht das Gebiet besonders wertvoll – und sensibel. Die Arbeiten werden deshalb ausschließlich von Hand durch erfahrene Waldarbeiter durchgeführt, nicht mit großen Maschinen.