„Ein sehr fragwürdiger Umgang mit Menschen“

Noch immer kein grünes Licht für den Bürgertreff in Wellsee

„Was lange währt, wird endlich gut“, heißt ein Sprichwort. Ob es auch auf den Bürgertreff in Wellsee zutrifft, ist allerdings bis heute ungewiss – sehr zum Frust der Ehrenamtlichen, die sich dort engagieren wollen.

Es hatte eigentlich so gut ausgesehen: 2023 war der erste Spatenstich für den Bau der zweiteiligen Sporthalle in der Liselotte-Herrmann-Straße gesetzt worden, die Platz für Schul- und Vereinssport bieten, aber auch den neuen Wellseer Bürgertreff beherbergen soll. Am 16. Mai 2025, zwei Jahre später, konnte der Sportbetrieb dann wie angedacht starten – zunächst mit dem SC Fortuna Wellsee. Seit Beginn des neuen Schuljahres trainieren auch die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Wellsee in dem barrierefreien, eingeschossigen Flachdachgebäude.

Einzig der Bürgertreff existiert bis heute noch immer nur als Idee – auch wenn sein weißer Schriftzug bereits verheißungsvoll die rote Backsteinwand des massiven Neubaus ziert.
„Wir werden immer wieder angesprochen, wann es denn mit dem Bürgertreff endlich losgeht“, berichtet Michael Wollschläger. Er ist Vorstandsmitglied des bereits im November 2023 gegründeten Vereins „Wir für Wellsee“, der die neuen Räumlichkeiten von der Stadt mieten und den Bürgertreff für die Menschen des Kieler Stadtteils verwalten möchte.
Neben der Möglichkeit, die Räume für private Feiern zu nutzen, soll der Bürgertreff nämlich vor allem als Begegnungsstätte für eine aktive Nachbarschaft fungieren. Schon vor Monaten hatten sich in diesem Rahmen engagierte Wellseerinnen und Wellseer bei den Ehrenamtlichen gemeldet und Angebote aufgezählt, die sie gern im Bürgertreff organisieren wollen: eine Spielerunde, gemeinsames Singen, ein Reparatur-Café oder Kreatives Schreiben.

Waren im Juni 2025 noch guter Dinge, als sie die fertigen Räume des Bürgertreffs in Augenschein nahmen: Ulrike Zumegen, Michael Wollschläger und Constance Heilen vom „Wir für Wellsee“-Vorstand.

Wann sie ihre Ideen endlich umsetzen können? Michael Wollschläger weiß es noch immer nicht. „Darauf keine Antwort geben zu können, ist für uns frustrierend“, gesteht er, denn: Seit über vier Monaten schon seien sie am Warten – zuerst auf den Mietvertrag von der Stadt, bei der es im Zusammenspiel der zuständigen Ämter zu Verzögerungen kam. „Vor rund sechs Wochen“ habe der Verein dann endlich „einen Entwurf erhalten“, erzählt Wollschläger gegenüber KIEL LOKAL. Bei der Durchsicht sei der Vorstand jedoch auf „einige Punkte“ gestoßen, „die wir so nicht unterschreiben wollen und können.“ „Kurz darauf“ habe der Verein diese der Stadt gemeldet. Auf eine Antwort hierzu „seitens der städtischen Verwaltung“, warten Wollschläger und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter bis heute.

„Für uns ist das ein sehr fragwürdiger Umgang mit Menschen, die sich in Ihrem Stadtteil engagieren möchten“, merkt der Kassenwart ernüchtert an. „Noch sind wir motiviert und wünschen uns, dass wir noch vor den Herbstferien loslegen können. Da die Kommunikation jedoch nicht vorhanden ist, lebt dieser Wunsch von viel Hoffnung.“

Auf Nachfrage bei der Stadt, hieß es am 23. September (nach Druckabgabe der Printversion von KIEL LOKAL): „Der Mietvertrag ist kurz vor Fertigstellung und soll in diesem Monat unterschriftsreif sein.“ Wieso es zu den monatelangen Verzögerungen gekommen war? Hier nannte Arne Ivers vom Pressereferat der Landeshauptstadt Krankheiten und ein hohes Arbeitsaufkommen bei den entsprechenden Abteilungen als Gründe. Außerdem bedauere die Landeshauptstadt Kiel die Verzögerungen sehr. „Das ist in diesem Fall besonders ärgerlich, da wir das Engagement vor Ort in höchstem Maße schätzen und unterstützen möchten“, kommentierte Ivers. „Glücklicherweise kann es nun bald losgehen.“ AB