Energetische Sanierung am Praxisbeispiel

Anke und Jörg Machnicki vor ihrem Haus, das sie in den vergangenen Jahren nach und nach energetisch ertüchtigt haben. Fotos: Carsten Frahm

Hausbesitzer aus dem Heckenrosenweg erzählen von ihren Erfahrungen

Bestandsimmobilien sollen energetisch ertüchtigt werden, heißt es. Gemeint ist, dass sie gut wärmegedämmt werden und möglichst auf regenerative Energien umgestellt werden. Doch wie funktioniert das konkret?

Wir starten in KIEL LOKAL mit einer neuen Serie, bei der wir Hausbesitzer aus dem Stadtteil besuchen und zeigen, was an alten Häusern an Sanierungsarbeiten anfällt. Wir möchten wissen, wie was umgesetzt wurde. Und vor allen Dingen fragen wir nach, wie zufrieden die Beteiligten mit dem Ergebnis sind.
Zum Auftakt geht es in den Heckenrosenweg 32. In dieser etwa 100 Jahre alten Doppelhaushälfte lebt Anke Machnicki seit 31 Jahren. „Damals war alles oll“, erinnert sie sich. „Die Fenster hatten Einfachverglasung, und es pfiff durch die Haustür.“ Vor ihrem Einzug wurde das Haus entkernt. Es erhielt neue Fenster, neue Elektrik, neue Bäder und teilweise neuen Boden. „Es sollte schick aussehen“, betont Anke. Energiesparen war seinerzeit noch nicht so wichtig. Die Einstellung änderte sich, als ihr Mann Jörg hinzukam. Gemeinsam wurden nach und nach mehrere Maßnahmen umgesetzt.
„Wir haben zuerst einen Kaminofen eingebaut, weil er so angenehme Wärme ausstrahlt“, erzählt der 58-Jährige. „Wir haben uns Gedanken gemacht, das Dach zu sanieren, weil andere das gemacht haben.“ Nach einem ersten Kostenvoranschlag wurde dieses Projekt aber aufgeschoben. Dringender war zunächst das Schimmelproblem.
„Im Haus war es immer etwas spakig, im Keller ganz besonders“, so Jörg. Um Lösungen zu finden, wurde 2015 über die Verbraucherzentrale ein Energieberater engagiert. „Er hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass der Heizungsraum total warm war.“ Ein deutliches Zeichen, dass hier Energie vergeudet wird.
Der Energieberater hat auch empfohlen, die Außenwände zu dämmen. Die Wahl fiel auf eine Dämmung von innen mit Kalziumsilikatplatten. Durch ihren hohen pH-Wert und die feuchtigkeitsregulierende Wirkung entziehen sie Schimmelpilzen den Nährboden. Die Klimaplatten wurden im Keller und im Wohnzimmer angebracht. „Ich finde die Raumluft jetzt viel besser“, meint Anke, „und es fühlt sich wärmer an.“

Die Doppelhaushälfte am Heckenrosenweg 32 vor und nach der Dachsanierung. Dabei hat das Krüppelwalmdach eine Aufsparrendämmung erhalten.

Ihr Mann ergänzt: „Die Innenseite der Außenwand ist jetzt zwei Grad wärmer. Wir haben uns zusätzlich auch intensiv mit dem Lüften beschäftigt. Jetzt stehen überall im Haus Hygrometer, damit wir sehen, wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist.“ Ab 60 % Luftfeuchtigkeit muss gelüftet werden.
Das passiert durch Stoßlüften. Im Keller steht zudem ein Luftentfeuchter. „Wir achten jetzt darauf, dass wir Möbel nicht zu dicht an die Wand stellen.“
Nachdem die Wände nach und nach gedämmt waren, sollte die Heizung ausgetauscht werden. Wieder wurde ein Energieberater beauftragt. Der hat zuerst eine Heizlastberechnung gemacht. Sein Ergebnis: „Ohne neues Dach wäre es mit der Wärmepumpe nicht gegangen.“ Also erhielt das Dach eine Aufsparrendämmung – zuverlässig und fachgerecht durchgeführt von der Dachdeckerei Bünning aus Laboe. Eine bauseits gewünschte Solaranlage konnte dabei allerdings nicht umgesetzt werden, weil die Dachfläche durch Bäume verschattet ist. „Vielleicht bauen wir hinten im Garten irgendwann mal Photovoltaik-Module auf“, trösten sie sich.

Die leise Wärmepumpe auf der Terrasse

Wegen der Wärmepumpe haben sich Anke und Jörg Machnicki intensiv bei den EnergiesparWelten von Andreas Paulsen in Wittland beraten lassen. „Die Wärmepumpe einzustellen, ist schon eine Wissenschaft für sich“, schmunzelt Jörg. Damit sie effektiv arbeitet, halten sie die Vorlauftemperatur möglichst niedrig. Das gelingt durch die Flächenheizung auf dem Fußboden des Wohn- und Esszimmers. Klassische Heizkörper sind seitdem hier nicht mehr nötig.
Haben sich die Maßnahmen gelohnt? Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Lag der Gasverbrauch 2020 noch bei 20.541 kWh, so waren es 2025 nur noch 1.537 kWh für den Gasherd in der Küche. Der Stromverbrauch ist in diesem Zeitraum angestiegen – aber wirtschaftlich vertretbar von 1.793 auf 3.261 kWh. „Von daher hat sich das allemal gelohnt“, sind sich beide einig. „Wir sind froh, dass wir das gemacht haben. Wir würden das wieder tun.“
„Es ist so beruhigend, dass wir das alles saniert haben“, freut sich die 62-Jährige. Somit ist das Ehepaar jetzt schon gut auf die nächste Lebensphase im Rentenalter vorbereitet. Dazu zählt, dass das Bad im Untergeschoss barrierefrei umgebaut ist. Gefördert wurde die Sanierung mit insgesamt mit rund 26.000 Euro, davon 18.000 Euro für die Wärmepumpe und 8.000 Euro für das Dach. Die Beantragung der Fördergelder hat übrigens der Energieberater übernommen. CF