
Energetische Sanierungen haben mehrere Vorteile. Sie senken den Energieverbrauch und damit die Heizkosten dauerhaft. Zudem steigern sie den Wohnkomfort und den Wert der Immobilie.
Außerdem verkleinert eine energetische Sanierung den ökologischen Fußabdruck. Ein Punkt, der Wolfgang Günther und seiner Frau besonders wichtig ist. Die beiden Biologen haben 2014 ein 80 Jahre altes Einfamilienhaus im Wiepenkrog in Hammer gekauft. Das ließen sie vor dem Einzug umfassend sanieren. Es war auch dringend nötig. „Unsere Vorbesitzer hatten das 7×7 Meter große Haus in den 60er-Jahren um fünf Meter verlängert. Seitdem ist aber nicht mehr viel passiert“, erinnert sich Günther. „Das sollte nicht so bleiben, weil der energetische Zustand nicht in die heutige Zeit passt“, ergänzt er.

Holzfaserdämmung für Dach und Gebäudehülle
Energieberater Matthias Fiedler erstellte einen Sanierungsfahrplan. Dach und Gebäudehülle wurden nach dem damaligen Neubaustandard „Effizienzhaus 100“ gedämmt. Da ihnen ökologisches Bauen wichtig ist, haben sie sich für Holzfaserdämmplatten entschieden, auch wenn diese ein bisschen dicker ausfallen als andere Dämmstoffe. Nur im Sockelbereich wurde feuchtebeständiges Foamglas verwendet. „Wir haben uns entschlossen, eine Putzfassade herzustellen, so wie es ursprünglich war. Auch die Unterteilung der Fenster haben wir nachvollzogen“, erzählt der 64-Jährige.
Solarthermie unterstützt Heizung und Warmwasser
Über das Heizsystem haben sie sich ebenfalls Gedanken gemacht. Der vorhandene Gasbrenner war „sehr alt und sehr groß“. Dieser wurde durch ein Heizsystem mit verschiedenen Modulen ersetzt. Die acht Quadratmeter große Solarthermieanlage auf dem Garagendach dient zur Brauchwassererwärmung und zur Heizungsunterstützung. „Den Wasserspeicher haben wir so groß gemacht, wie der Kellerraum es zugelassen hat. Er fasst 850 Liter“, führt Wolfgang Günther aus.

Wasserführender Kaminofen speichert Wärme
Im Winter heizen sie täglich den Kaminofen im Wohnzimmer an. Das wasserführende Modell führt 80 Prozent der Energie in den Wasserspeicher ab. „Das Schöne ist sein Backfach. Damit backen wir Aufläufe, Brote und Kuchen“, freut sich Günther und weist darauf hin, so Stromkosten zu sparen. „Manchmal ist es so kalt, dass wir mit dem Holzofen nicht auskommen. Dann springt die Gasheizung an.“ Die Komponenten sind aufeinander abgestimmt und funktionieren reibungslos. Der Energiemix liegt bei etwa 25 % Solar, 45 % Holzheizung und 30 % Gas.
Warum heute eine Wärmepumpe die bessere Wahl wäre
„Wir würden das heute nicht mehr so machen. Wir würden eher eine Wärmepumpe nehmen“, gesteht der Biologe. „Mit der Wärmepumpe würden wir von fossilen Brennstoffen wegkommen.
Holz hat den ökologischen Nachteil: Es erzeugt Feinstaub. Wir sehen zu, dass wir Holz aus der Landschaftspflege bekommen oder aus der Nachbarschaft, wenn Bäume gefällt werden. Wir nutzen auch Sägewerk-Abfälle“, beschwichtigt er. „Holz ist kein Modell für die Allgemeinheit. Der Kaminofen spendet schöne Wärme, und das Backfach ist eine Wucht.“

Balkonkraftwerk für Solarstrom
Vor drei Jahren hat Wolfgang Günther ein Balkonkraftwerk auf dem Gartenhaus installiert. „Die vier Module haben wir selbst aufgebaut, den Stecker in die Steckdose gesteckt, fertig“, erzählt er. „Die Anlage erzeugt ordentlich Strom, sodass wir rein rechnerisch fast klimaneutral sind, was den Strom angeht.“
Kellerdecke mit Holzfaser selbst gedämmt
Eine weitere Maßnahme, die selbst umgesetzt wurde, ist die nachträgliche Dämmung der Kellerdecke von unten. Auch das eine Maßnahme, die Heimwerker ganz leicht selbst ausführen können. „Wir haben Löcher in die Decke gebohrt und die Dämmplatten festgedübelt. Das war eine Sache von zwei Tagen“, sagt Günther. „Auch hier haben wir uns für Holzfaserplatten entschieden, weil uns das Material sympathisch ist.“ Der Effekt ist spürbar. „Man merkt es vorne, wo das Wohnzimmer nicht unterkellert ist. Dort ist es deutlich fußkälter.“ Außerdem ist es jetzt natürlich im Keller kälter.
Wie lautet das Fazit der ganzen Maßnahmen? „Wir wissen den Wärmebedarf unserer Vorbesitzer nicht. Rechnerisch haben wir den Wärmebedarf um 80 % reduziert.“ Andersherum gesagt: Die Heizkosten liegen bei lediglich 20 %. CF