Ernst-Möller-Forscher vom Fernsehturm

In der neuen Chronik über Holstein Kiel berichtet Tobias Meier über die Suche nach dem verschollenen Grab von Ernst Möller, der im Ersten Weltkrieg in Frankreich gefallen ist. Fotos: Patrick Nawe

Tobias Meier ist Experte für Holsteins Meistertorschützen aus dem Jahr 1912
und half mit bei der Chronik zum 125-jährigen Vereinsjubiläum

Am 26. Mai 1912 gewann die KSV Holstein als erste Mannschaft aus Norddeutschland im Duell mit dem Karlsruher FV die deutsche Fußballmeisterschaft.

Der damalige Torschütze in der 52. Minute zum 1:0-Siegtreffer per Elfmeter war Ernst Möller. Der neunmalige Nationalspieler Möller war einer der besten Linksaußen seiner Zeit, und ihm war es mit seinen zwei Toren zu verdanken, dass die DFB-Elf im Jahre 1911 dem Mutterland des Fußballs England zum ersten Mal ein 2:2-Unentschieden abringen konnte. Eine Sensation zur damaligen Zeit.

1914 meldete Möller sich freiwillig zum Kriegsdienst. Im November 1916 fiel er, wie so viele junge Männer der verlorenen Generation, in Nordfrankreich dem Krieg zum Opfer.
Tobias Meier wohnt im Pappelweg unweit des großen Exerzierplatzes südlich der Waldwiese, auf dem der 1. KFV (Vorgängerverein der KSV Holstein) in seinen ersten Jahren seine sportliche Heimat hatte. Meier ist Ernst-Möller-Forscher der KSV Holstein und 1. Vorsitzender des Fanclubs „Gruppo Ernesto“, benannt nach dem Meistertorschützen von 1912. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, das Grab von Ernst Möller in Frankreich zu finden.

Ernst Möller Portrait aus dem Tagebuch der Käte Witthöft

„Uns lag eine gute Fotografie vom Grab Ernst Möllers vor, doch dieses sollte so nicht mehr existieren“, berichtet Meier über seine Recherchen. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren die Quellen, die der studierte Historiker von Kiel aus zur Verfügung hatte, erschöpft. „Eines Tages war mir klar, ich muss da jetzt hinfahren und der Sache auf den Grund gehen. Also habe ich zu meiner Frau gesagt: Schatz, ich muss am Freitag nach der Arbeit nach Nordfrankreich fahren. Ich muss das Grab von Ernst Möller finden.“ Gesagt, getan. So warf Meier eine Matratze in sein Auto und machte sich auf den Weg nach Vis-en-Artois, dem Ort, an dem das vorliegende Foto aufgenommen wurde.

In dem kleinen Dorf in Frankreich angekommen, musste er ernüchtert feststellen, dass er auf den ersten Blick keine Überreste des Friedhofs entdecken konnte. Doch im örtlichen Rathaus, das am Samstagvormittag geöffnet hatte, konnte ihm geholfen werden. „Ich wurde sofort mit dem Ortshistoriker Philippe Degroote bekannt gemacht, der mich zu sich nach Hause einlud und mir bei meinen Recherchen half“, freut Meier sich auch heute noch über diese besondere deutsch-französische Zusammenarbeit. „Philippe konnte einige meiner Fragezeichen auflösen und berichtete mir davon, dass das Grab von Möller in den 1920er-Jahren von den französischen Behörden nach Saint-Laurent-Blangy umgebettet wurde.“

Eine halbe Stunde später hatte Tobias Meier sein Ziel erreicht und stand am Grab von Ernst Möller. „Das war natürlich ein besonders emotionaler Moment für mich“, gesteht der Holstein-Historiker.

Der Vorsitzende des Fanclubs „Gruppo Ernesto“ aus Hassee blickt auf seinen Bericht in der Chronik.

Meiers ausführlicher Reisebericht ist Teil der neuen Holstein-Chronik zum 125-jährigen Jubiläum, zu der er auch zwei weitere Texte beigesteuert hat. Meier will auch nach Abschluss der Chronik weiter forschen: „Die Benennung der neuen Zufahrtstraße zum Holstein-Stadion zur Ernst-Möller-Straße und die Benennung der Plätze im NLZ nach Holstein-Legenden können nur der Auftakt sein, der langen Tradition der KSV Holstein im Stadtbild Sichtbarkeit zu geben. Ich bin überzeugt davon, dass dadurch nachhaltig Identität und Identifikation gestiftet werden kann.“