Die Wettfahrten der Marinekutter haben eine lange Tradition. Angeblich soll Kaiser Wilhelm II. vor über 130 Jahren so begeistert davon gewesen sein, dass er sich eine jährliche Kieler Woche wünschte.
Auch dieses Jahr findet vom 19.–28. Juni die Marinekutter-Regatta statt. In verschiedenen Klassen wird in den etwas klobigen Beibooten um die Wette gefahren. Höhepunkt ist das Kutterrace am Samstag, dem 26. Juni. Mit dabei sind die „Kieler Sprotten“, eine reine Damenmannschaft, die derzeit noch neue Mitstreiterinnen sucht. Aus diesem Grund hat Frauke aus Russee den KIEL LOKAL-Redakteur zum Mitrudern eingeladen.
Wir treffen uns an einem Dienstagabend um 18.15 Uhr vor dem Tor des Marinestützpunktes in der Wik. Um auf das eingezäunte Gelände zu kommen, müssen alle aus der angemeldeten Gruppe bei der Wache den Ausweis vorlegen. Auf dem Fußmarsch zum Hafen erfahre ich, dass die Kutter Bundeswehreigentum sind und für die Betriebssportgemeinschaft gestellt werden. Die Mitgliedschaft ist unglaublich günstig: 18 Euro im Jahr.
Teamgeist auf dem Wasser
Die Saison dauert von April bis Oktober. „Im Winter gehen wir zusammen essen, kegeln oder ins Theater“, erzählt Monika, die schon seit 30 Jahren dabei ist. Die Frauengruppe gibt es seit Anfang der 1990er-Jahre. Das Alter der etwa ein Dutzend Aktiven liegt zwischen 32 und 71 Jahren. Im Boot ist Platz für zehn Ruderinnen und eine Steuerfrau. Heute bleiben vorerst zwei Ruderplätze frei.
Das Augenmerk der Beteiligten liegt bei Judith, die das erste Mal mitrudert. „Meine Freundin Tabea hat so viel davon erzählt. Da möchte ich das selbst mal ausprobieren“, erzählt sie. Schnell gewöhnt sich Judith an den Bewegungsablauf und zieht die schweren Riemen durchs Wasser. „Hol weg“, gibt Steuerfrau Monika den Takt vor.
Mitrudern erwünscht
Als der Kutter das Hafenareal verlässt, wird es auf der offenen Förde deutlich kippeliger. Monika gibt weiterhin den Schlagrhythmus vor: „Zieht durch!“ Auf dem Rückweg lege ich die Kamera zur Seite und darf selbst mitrudern. Da ich in meiner Jugend lange Jahre im Ruderclub war, fällt es nicht schwer. Ich finde es schon anders, weil es weder ein Rollbrett noch Dollenringe gibt. Aber es macht ebenso viel Spaß.
Und was sagt Judith nach ihrer ersten Stunde? „Es ist gar nicht so leicht, aber man kann gar nicht so viel falsch machen. Es ist eine nette Truppe und ein schönes Gruppengefühl. Und es ist etwas Besonderes, Kiel aus dieser Perspektive vom Wasser aus zu sehen.“
Wer selbst einmal bei den „Kieler Sprotten“ mitrudern möchte, wende sich per WhatsApp an Julia: 0174/ 9119547 oder sende eine E-Mail an julia_franke91@gmx.de. CF
