Frühzeitig und klischeefrei an die Berufswahl herangehen

Kieler Gymnasium ist als erste Schule in Schleswig-Holstein an Bord

An vier Tagen im Juli beschäftigten sich Sechstklässler des Hans-Geiger-Gymnasiums (HGG) intensiv mit dem Thema Berufswahl.

Buntes Treiben in der vorderen Gdynia-Halle der Schule. Ein großer Spielteppich, Sitzecken, ein Zelt zum Träumen – von Sportunterricht keine Spur. Hier und an anderen Orten des Gymnasiums stand vier Tage lang das Thema klischeefreie Berufswahl auf dem Stundenplan. In spielerisch-lockerer Atmosphäre und begleitet von Lehrkräften, Pädagogen und sogenannten „Role Models“ – Menschen, die in geschlechteruntypischen Berufen arbeiten.
Hintergrund des Ganzen ist das neue Projekt „Be oK“, das frühzeitig für die Berufswahl sensibilisieren soll. Denn am Gymnasium steht dieses Thema eigentlich erst ab der höheren Mittelstufe auf dem Plan. Für Schulleiter Jan Henning Steuer passt der neue Ansatz sehr gut in den Grundgedanken von Kiels einzigem Ganztagsgymnasium: „Unsere Startchancenschule soll Bildungswege für Kinder ermöglichen, die es nicht in die Wiege gelegt bekommen haben. Projekte wie ‚Be oK‘ brechen die Verkrustung gängiger Wege auf und zeigen neue Möglichkeiten auf.“

Weg von typischen Frauen- oder Männerberufen
Inhaltlich steht bei dem Projekt die klischeefreie Berufswahl im Vordergrund. Diese wird in fünf verschiedenen interaktiven Modulen und auch mit der Hilfe von „Role Models“ vermittelt und mit der Lebenswelt der Jugendlichen verknüpft. So werden alte Muster aufgebrochen und frühzeitig Alternativen in der Berufswahl aufgezeigt. „Eine Freiheit der Berufswahl ist nur möglich, wenn allen Geschlechtern alle Berufe offenstehen“, so Kristin Köpke, Berufsberaterin am Hans-Geiger-Gymnasium und in der Agentur für Arbeit Kiel. Letztere beteiligt sich ebenfalls am erstmals in Schleswig-Holstein durchgeführten Projekt.
Fakt ist, dass am Ende der Schulzeit viele Jugendliche, die sich für eine Ausbildung entscheiden, immer noch „Klassiker“ als ihre Favoriten benennen. Typisch sind für Jungen z. B. Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder Fachinformatiker und für Mädchen Kauffrau für Büromanagement oder Zahnmedizinische Fachangestellte.
Das war auch ein Grund für Britt Lerbs, Mitinitiatorin des Projekts und Vorsitzende des Vereins der Freunde des HGG, sich für den neuen Parcours stark zu machen: „Uns im Förderverein ist wichtig, dass die Jugendlichen ihre eigenen Stärken entdecken und ermutigt werden, ihren eigenen Weg zu gehen. Besonders freut uns, wie schnell wir engagierte Vorbilder gefunden haben, die ihre Geschichten teilen – ehrlich, nahbar und inspirierend.“

Die Jugendlichen wurden zum Thema Berufswahl sensibilisiert und ermutigt, ihre Stärken zu erkennen und ihren eigenen Weg zu gehen. Fotos: Christina Kreyenberg

Eigene Stärken erkennen
Zentrale Idee des Parcours, den die Jugendlichen in den vier Tagen durchlaufen, ist es, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen: Was ist mein Ding? Worin bin ich gut? Ob der Spaß an Zahlen, am Bauen oder am Kommunizieren: Das, was Freude bereitet, kann auch den beruflichen Weg aufzeigen.
Ebenso spielen die persönlichen Wünsche und Träume der Jugendlichen an den Stationen eine Rolle.
Der spielerische Ansatz mit Bewegung, inspirierendem Material und umgestalteten Räumlichkeiten kommt an. Die Sechstklässler beschäftigen sich intensiv mit der Thematik und scheuen nicht davor zurück, ihre Stärken vor der Gruppe zu benennen und vorzustellen. Wenn dieser Mut weiterträgt, dann ist für die Beteiligten ein wichtiger Schritt getan: „Wir wollen Kinder und Jugendliche stärken, ihren persönlichen Faden weiterzuspinnen und die Weichen rechtzeitig zu stellen“, fasst Britt Lerbs das Ziel des neuen Projekts zusammen.

Hintergrund zum Projekt
Das Projekt „Be oK“ wird konzeptionell und inhaltlich von der „Sinus – Büro für Kommunikation GmbH“ mit Sitz in Köln verantwortet. Das Unternehmen bietet Schulen, Kommunen und Ländern an, das Projekt lokal oder regional durchzuführen. In Kiel wird das Projekt „Be oK“ als Modellprojekt gefördert von der Landeshauptstadt Kiel (Projektförderung Nachhaltigkeit), der Agentur für Arbeit Kiel und dem Verein der Freunde des HGG. CK