
Fächerübergreifendes Projekt der Gemeinschaftsschule Kronshagen nimmt Demokratie unter die Lupe
Demokratie – seit Jahrzehnten wachsen Generationen in Deutschland in ihr auf, halten sie für selbstverständlich. Doch was macht sie aus und wie kann sie gestärkt werden? Damit beschäftigen sich aktuell drei Jahrgänge an der GemSKro.
Was bedeutet Demokratie? Für das Land, für seine Bevölkerung, aber auch ganz speziell für den gelebten Alltag der Schülerinnen und Schüler des achten, neunten und zehnten Jahrgangs der Gemeinschaftsschule Kronshagen (GemSKro)?
Seit März schon ist die im deutschen Grundgesetz verankerte Regierungsform, bei der das Volk die Herrschaftsgewalt ausübt, in gleich mehreren Fächern Thema im Unterricht der Jugendlichen. Sowohl im Deutschunterricht als auch im Wahlpflichtkurs (WPU) Kunst erarbeiten sie dabei die verschiedensten Fragestellungen, setzen sich aber auch mit ganz anderen, praktischen Dingen auseinander, wie dem Erstellen von Schreibmaterialien.
Kreativ über Demokratie nachdenken
Eine Kunststunde im WPU-Kurs der 9. Klasse: Es ist ruhig im Werkraum hinter der metallenen Tür, wo die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen an den Tischen sitzen, teils stehen. Ganz hinten schneiden Lilly, Isabel und Jana kunstvoll geschriebene Wörter aus, bunte Texte. Im Deutschunterricht des 10. Jahrgangs sind diese im Rahmen eines Workshops mit der Wortwerkerin Hannah Rau erarbeitet worden, beschreiben Gedanken, was für die Mädchen und Jungen Demokratie bedeutet. Von Respekt ist die Rede, einzelne Erlebnisse sind als Beispiele geschildert. Manchmal aber auch nur Einzelworte wie Höflichkeit, Würde, Empathie.
Niedergeschrieben beziehungsweise aufs Papier gebracht wurden sie mit farbiger Tinte während weiterer Projektstunden, bei denen Künstlerin Eva Ammermann sich mit den Schülerinnen und Schülern intensiv mit der Erstellung ursprünglicher Schreibgeräte auseinandersetzte. Auch Tinte wurde selbstständig hergestellt: „Wie bei den Menschen früher aus Holzkohle, Brombeeren, Kurkuma“, erklären die drei Mädchen, als das Kronshagen Magazin dem Kunstkurs beim Schaffensprozess über die Schulter schauen darf. Gemeinsam mit Eva Ammermann stehen sie an einem großen D, bekleben den Pappbuchstaben mit den demokratischen Gedanken, während sich ein paar Tische weiter ihre Mitschülerinnen und Mitschüler konzentriert über lange Papierbänder beugen.
Mit unterschiedlichen Kalligrafie-Federn bringen die Jugendlichen Worte, Schilderungen und Botschaften auf verschiedene Untergründe, gestalten Papierbahnen, aber auch zehn Großbuchstaben, die das Wort Demokratie ergeben. Am Ende werden sie alle in der Aula zu einer Installation zusammengefügt. Doch bis dahin steht noch einiges auf dem Programm: Ein dritter Projekttag beispielsweise, diesmal mit der Künstlerin Maren Schwarzkopf, an dem die Oberfläche der Großbuchstaben noch mit Techniken wie Stencil, Collage, Streetart, Stempeln und Bekleben bearbeitet wird.
Und der oben erwähnte achte Jahrgang? Der greift die im März entstandenen Texte szenisch auf, entwickelt sie weiter und präsentiert sie ebenfalls am Ende als festen Bestandteil der Installation.
Jugendliche diskutieren über Mitgestaltung
Im neuen Schuljahr wird diese dann in der GemSKro zu sehen sein. Zur feierlichen Eröffnung während der MINT-KU-Tage plant Schulleiterin Ulrike Mangold eine moderierte Gesprächsrunde, „in der Jugendliche aus der Gemeinde und aus der Schule gemeinsam über Demokratie und Mitgestaltung ins Gespräch kommen“. Auch der Jugendbeirat als lokalpolitisches Gremium, das nicht nur die Belange von Kindern und Jugendlichen in unserer Gemeinde vertritt, sondern auch ausschließlich aus Jugendlichen besteht, ist eingeladen.
Bis dahin gibt es jedoch noch einiges zu tun. Beispielsweise mit ruhiger Hand die Feder führen, um Worte wie „Gleichberechtigung“ und „Meinungsfreiheit“ kunstvoll niederzuschreiben – mit schwarzer Tinte, die wie in der ostasiatischen Kalligrafie in mühevoller Handarbeit aus einem Tintenstein herausgerieben wird.
„Man muss für zehn Milliliter schon ordentlich draufdrücken“, erklärt Julian, ehe er sich wieder ans Rubbeln macht. Es ist anstrengend, aber auch eine schöne Erfahrung, so die einhellige Meinung.
Text und Fotos: Anna Maria Bader