
Deutsche Pfandlotterie ging im CITTI Markt Kiel erstmals an den Start
Pfandflaschen sind eigentlich ja nichts Besonderes. Wir nutzen sie und bringen sie, sobald sie leer sind, zurück. Punkt. Ab sofort können sie jedoch noch mehr. Zum Beispiel zu einem Gewinn von bis zu 100.000 Euro verhelfen.
Wer im CITTI Markt in Hassee sein Leergut zurückbringt, der hat bei Einwegpfandflaschen und Dosen seit Januar nämlich die Möglichkeit, entweder wie gewohnt das Pfand zu kassieren – oder aber mit den 25 Cent, oder auch mehr, an der Deutschen Pfandlotterie teilzunehmen und sein Glück zu versuchen.
Wie das geht? Einfach das Leergut wie gewohnt in den Automaten einführen und dann auf dem Display in der Anzeige statt des Pfand-auszahlen-Knopfes den Lotterie-Button drücken. Als Nächstes erscheint ein Feld, in welches Sie Ihr Geburtsdatum eingeben müssen, denn da es sich offiziell um ein Glücksspiel handelt, so ist die Teilnahme auch erst ab 18 Jahren möglich. Während es kurz rattert, kommt schon der Bon beziehungsweise Lottoschein aus dem Automatenschlitz zum Vorschein.
„Die dritte Flasche war gleich ein Gewinn“, erzählt Helmut Becker von der Getränkeannahme im CITTI Markt am Eröffnungstag der Pfandlotterie im Januar. Fünf Euro habe eine Kundin gewonnen – bei einer Gewinnchance von 1:583, wobei eine Pfandflasche gleich fünf Lose zu je fünf Cent in sich vereint.

Meistens sind natürlich die Worte „KEIN GEWINN“ auf dem schmalen Papierzettel zu lesen. Eine Botschaft, die sich gut verkraften lässt: Von den Kosten fließen nämlich 30 Prozent in die Gewinne selbst, 17 Prozent werden als Steuern fällig, 23 Prozent decken den Handel sowie operative Aufgaben. Mit abermals 30 Prozent wird außerdem auch immer eine gute Tat vollbracht. Das Geld wird nämlich direkt an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet – im Falle der CITTI Märkte, die mit drei Automaten in Kiel, Lübeck und Flensburg den Start der Deutschen Pfandlotterie markieren, sind es die Tafeln in Kiel beziehungsweise Lübeck sowie das Katharinen Hospiz am Park in Flensburg.
Ausschließlich regionale Spendenempfänger, wie es auf ausdrücklichen Wunsch von CITTI hieß: „Wir wollten, dass ein enger Kontakt zu den Spendern besteht“, so Dirk Otto, der Marktleiter des CITTI Marktes Kiel.
Eine gute Tat mit der Aussicht auf einen Gewinn verbinden und gleichzeitig einen Anreiz schaffen, um Menschen zur Pfandrückgabe und zum Recycling zu motivieren – die Idee der Pfandlotterie ist zwar in Deutschland neu, konnte sich aber bereits seit 2008 in Norwegen etablieren. Dort wurde sie nämlich vom jüngst verstorbenen Immobilienunternehmer Olav Thon erfunden, der einst mit sechs Pfandautomaten gestartet war und die norwegische „Pantelotteri“ zu einer der Haupteinnahmequellen des norwegischen Roten Kreuzes entwickeln konnte. 75 Millionen Euro sind bereits an die Hilfsorganisation geflossen, allein 2024 waren es zwölf Millionen Euro.
Zahlen, die den einstigen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen auf den Plan riefen und faszinierten.
Eigenen Aussagen zufolge war er „von Anfang an begeistert“ – von dem Konzept und auch von der Idee, die Lotterie in Deutschland zu etablieren. So eröffnete er im Januar nicht nur als Schirmherr die Pfandlotterie, sondern fungiert auch als Geschäftsführer der Service-GmbH, die für die Durchführung der Lotterie zuständig ist.
Sein großer Wunsch? Natürlich den norwegischen Erfolg in Deutschland zu wiederholen. „Zu diesen Zahlen ist es noch ein langer Weg“, ist er sich bewusst. Dennoch ist er schon jetzt vom Potenzial der ungewöhnlichen Lotterie überzeugt. „Die große Schwierigkeit ist, in die Läden zu kommen“, erklärte er. Die bürokratischen Hürden seien aufgrund des Glücksspielhintergrunds komplex, aber zu meistern.
Das Schöne? „Es gibt keine Suchtgefahr“, bemerkte der 77-Jährige schmunzelnd. Denn wer kaufe schon einen Kasten Bier, nur um an Pfand zum Lotteriespielen zu kommen?
Und noch ein schönes Detail ließ er nicht unerwähnt: Gewinne, die nicht abgeholt werden, werden nach einer bestimmten Zeit wohltätigen Zwecken zugeführt. AB

Fotos: Anna Maria Bader