Das Handwerk verzeichnet aktuell wieder steigende Zahlen in den Ausbildungsverträgen. Berufe wie Elektroniker, Dachdecker oder Zimmerer sind dabei besonders beliebt. Weil KI hier keine Konkurrenz darstellt?
Bundesweit steigt die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk wieder. Auch in Schleswig-Holstein verzeichnen wir einen leichten Anstieg der Gesamtausbildungszahlen.“ Es sind gute Nachrichten, die Anja Schomakers, Pressesprecherin der Handwerkskammer Lübeck, die auch für den Raum Kiel zuständig ist, im Gepäck hat. Gern belegt sie sie mit konkreten Zahlen: 9.111 junge Menschen lernten 2025 einen Beruf im Handwerk. 2024 waren es noch 75 weniger. Und auch für das aktuelle Jahr 2026 zeichnet sich bereits eine positive Tendenz ab. Denn auch wenn bis zum Ende des Jahres noch viel geschehen kann, so war die Zahl der neu eingereichten Ausbildungsverträge im August schon wieder höher als im gleichen Monat im Vorjahr. „Wir werten diesen Anstieg im Vorjahresvergleich als positives Signal und Zeichen für ein größeres Interesse am Handwerk“, kommentiert Anja Schomakers.
Wie sie das steigende Interesse erklärt? Zum einen zeige gewiss die bundesweite Imagekampagne Erfolg, die das Handwerk und duale Ausbildungsmöglichkeiten in den Fokus genommen hatte. Daneben spiele auch der Wunsch, „dass junge Menschen beruflich gerne etwas Sinnstiftendes machen möchten und sehen möchten, was sie geleistet haben“, eine wachsende Rolle. Und nicht zuletzt führe inzwischen auch das Thema KI bei vielen zur „Suche nach etwas Handfestem, etwas Zukunftssicherem“, wie sich gemäß Schomakers immer wieder in Beratungsgesprächen zeige.
Elektroniker, Kfz-Mechatroniker und Anlagenmechaniker stark nachgefragt
Aktuell am stärksten nachgefragt? Hier nennt die Pressesprecherin vor allem Handwerksberufe aus dem technischen Bereich. „Besonders viele junge Menschen beginnen eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik und zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.“ Günstigerweise bestehe dabei gleichzeitig ein hoher Bedarf, aber auch eine hohe Nachfrage – wobei der Bedarf noch überwiege.
Doch auch Ausbildungsberufe wie Zimmerer, Tischler, Maler, Lackierer und Dachdecker seien zahlenstark.
Einen starken Mangel an Auszubildenden gäbe es hingegen bei den Nahrungsmittelhandwerken, insbesondere bei den Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk.

Fotos: adobestock
Und Technologien wie die Künstlichen Intelligenz? Die „verändert das Handwerk insgesamt bereits deutlich“, da sie in „vielen Handwerksbetrieben bereits als zusätzliches hilfreiches Werkzeug eingesetzt“ werde – beispielsweise um Arbeitsprozesse oder die Arbeitsorganisation zu vereinfachen. Auch bei der Kommunikation mit Kunden, in der Angebotserstellung oder der Terminorganisation werde im Handwerk KI eingesetzt. Aber: Die eigentliche Handwerksleistung kann KI bisher nicht ersetzen – eine Heizung reparieren, den Boden fliesen, das Dach decken.
„Das Handwerk wird daher derzeit häufig als besonders zukunftssicher bezeichnet“, berichtet Schomakers. Eine langfristige Prognose könne die Handwerkskammer zwar nicht abgeben. „Wir gehen aber wie viele andere Handwerksorganisationen davon aus, dass handwerkliches Können und handwerkliche Fähigkeiten weiter relevant bleiben.“ AB
