Festivalmacher Daniel Spinler über das Baltic Open Air und andere Events
In seinem Büro hängen reihenweise goldene Schallplatten. In einer Ecke stehen Glasvitrinen mit E-Gitarren. Allesamt sind übersät mit Unterschriften beteiligter Musiker seiner Festivals. Doch der Reihe nach.
Ursprünglich war Daniel Spinler Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma, die in ganz Schleswig-Holstein Sicherheitspersonal gestellt hat, u. a. für Discotheken und bei Open-Air-Festivals. Irgendwann kam die Idee auf: „Wenn wir Personal, Stromgeneratoren, Bauzäune und technisches Equipment stellen, warum veranstalten wir nicht selbst etwas?“ Gesagt, getan. Im Jahr 2010 organisierten Ralf Waschulewski und Daniel Spinler mit ihrer neu gegründeten Firma Baltic Eventmanagement eine Indoor-Party mit Liveband in Eckernförde.
Im Jahr darauf folgte auf den Königswiesen in Schleswig das erste Baltic Open Air, damals noch als eintägiges Classic-Rock-Festival. Mit dabei waren Altstars wie Uriah Heep, Chris Thompson und Joe Cocker. Gerade das Treffen mit Cocker zählt bis heute zu den prägendsten Erlebnissen für Daniel Spinler. „Er war so ein netter Mensch. Der Moment des Fotos mit meiner Tochter auf dem Arm war unglaublich schön“, besinnt er sich gern zurück. Die Fender Stratocaster mit der Unterschrift der Woodstock-Legende ist daher auch das Lieblingsstück in seiner Sammlung. In späteren Jahren wurden Goldene Schallplatten von den Musikern signiert. Als dann die Wände im Büro zu voll wurden, gab es Gästebücher.
Finanziell gesehen war das Festivaldebüt eine Katastrophe. „Wir haben immensen Schiffbruch erlitten. Wegen Starkregen sind die Gäste ausgeblieben“, so sein Fazit. „Wir haben einen hohen sechsstelligen Betrag in den Sand gesetzt.“ Doch das Lehrgeld hat auch zu einer Erkenntnis geführt: „Diejenigen, die dageblieben sind, wollten etwas härtere Musik hören.“


Zur Weiterentwicklung gehört auch, dass Baltic 2012 erstmals über mehrere Tage mit Camping angeboten wurde. Neue Location: das Gelände „Auf der Freiheit“ an der Schlei. „Die Entwickler des neuen Stadtteils haben uns super unterstützt. Wir haben alles bekommen: eine Riesenfläche, Radlader und vieles mehr“, erinnert sich Daniel. „Das war schön, doch davon konnten wir nicht leben. Haupteinnahmequelle war unsere Sicherheitsfirma. Den Erlös haben wir in die Events gebuttert.“
Irgendwann lernte Daniel Spinler durch Zufall Dieter Bohlen kennen. „Da kam ich auf die dämliche Idee, DSDS in Eckernförde am Strand zu machen“, sagt er. Es wurde ein Erfolg mit 12.500 Besuchern. Zum Vergleich: Das Baltic Open Air hatte damals nur 3.000 Gäste. „Wir haben damit Kraft getankt für weitere Projekte“, so Daniel. „Von da an ging es voran. Für mich war klar, dass man nicht von einem Event leben kann. Und ich hab Lust gehabt, mehr zu machen.“ Die Liste an weiteren Veranstaltungen ist lang: vom Riesen-Osterfeuer über Highland-Gamesbis hin zu Kooperationen mit den großen Radiosendern. „So ging es immer weiter.“ Allerdings ab 2013 ohne den bisherigen Geschäftspartner. Der übernahm die Sicherheitsfirma, Daniel die Eventagentur. „Ich bin risikobereiter“, meint er. „‚Geht nicht‘ gibt’s bei mir nicht.“
Das zeigte sich gerade in der Coronazeit, als er als Erster in Schleswig-Holstein wieder Veranstaltungen organisierte. „Ich habe mein Herz komplett in diesen Beruf gesteckt“, gesteht Daniel. Sein Dank gilt dabei seinem Team. Das reicht von der Familie über die Mitarbeitenden im Büro bis zu all den Beteiligten auf den Events. In der Summe sind das fast 600 Menschen. „Wir haben mit allen ein sehr familiäres Verhältnis. Wir kennen uns und arbeiten Jahr für Jahr zusammen.“ So wird beispielsweise die Veranstaltungstechnik seit über zehn Jahren von Contzept aus dem Gewerbegebiet Melsdorf geliefert.
Auch die eigene Familie ist voll integriert. „Mein Vater läuft immer noch auf dem Event rum und verteilt Kabel.“ Und die Tochter, die einst bei Joe Cocker auf dem Arm saß, hilft heute im Backstage-Bereich. Sie möchte die Firma später einmal übernehmen.
Doch ans Aufhören denkt der 46-Jährige noch lange nicht. „Ich habe mein halbes Leben damit verbracht. Ich will da nicht mehr von weg“, betont der Festivalmacher. „Ich mach das, bis ich in Rente gehe.“
Beim Buchen der Bands orientiert er sich weniger am eigenen Musikgeschmack, sondern geht nach der Attraktivität fürs Publikum. „Wie viel Stimmung kommt auf? Wie viel Magie spürt man?“, so seine Parameter. „Die Leute wollen abfeiern. Und ich möchte die Zuschauer glücklich machen.“
Wenn dann mal eine seiner persönlichen Lieblingsbands – wie Fury in the Slaughterhouse oder Blind Guardian – auftritt, schaut Daniel sich zumindest zwei bis drei Lieder an. „Ganze Konzerte habe ich noch nie geschafft. Dafür fahre ich nach Wacken.“ Allerdings betont er: „Wir wollen uns nicht mit dem weltgrößten Metal-Festival messen. Wir bedienen gar nicht die Metal-Schiene. Baltic bietet eine bunte Mischung. Unser Festival soll auch gar nicht viel größer werden. Bei uns ist alles familiärer und gemütlicher.“ Das gilt auch für das Wikingerdorf.
Zum Baltic Open Air kommen jährlich 10.000 bis 12.000 Gäste. Eine Größenordnung, die gut überschaubar ist. Nachdem es früher zwei nebeneinanderliegende Bühnen gab, hat Daniel Spinler das Konzept so geändert, dass er mit einer Hauptbühne auskommt, der sogenannten Valhalla-Stage. „Die Leute wollen auch mal durchatmen und ein Bier trinken“, sagt er.


Die kleine Nebenbühne auf dem Vorplatz wurde bisher vornehmlich am Anreisetag und mittags für Konzerte genutzt. Dieses Jahr sollen dort erstmals im Abendprogramm die halbstündigen Umbauzeiten für Auftritte genutzt werden. Die Bands können zwei Sets spielen. „Wir bekommen so viele Bewerbungen von regionalen Bands.“
Hauptacts 2025 sind zwei garantierte Stimmungsmacher: Versengold und Feuerschwanz. Damit nicht genug. Vom 21.–23. August 2025 kommen noch jede Menge weitere interessante Bands: Skindreg, Takida, Danko Jones, Subway To Sally, Stahlzeit, Knorkator,
Gloryhammer, Mono Inc., Tanzwut, Fiddler’s Green und andere mehr.
Weitere Details stehen auf der Homepage www.baltic-open-air.de CF
