Kampflose Übergabe verhandelt

Dokumentarfilm am 12. November im Gemeindesaal der Michaeliskirche

Durch die Geheimmission einer britischen Spezialeinheit ging der Zweite Weltkrieg in Kiel fast friedlich zu Ende. Erst im Jahr 2005 wurde bekannt, dass die Geschichte der Besetzung Kiels viel bedeutender war als bislang bekannt.

Britische Kriegsveteranen berichteten bei einem Besuch 2005 in Kiel, dass eine kleine britische Abordnung bereits am 4. Mai 1945 das Kieler Rathaus erreichte und mit dem damaligen Oberbürgermeister eine kampflose Übergabe verhandelte. Ziel der Aktion war, wichtige militärische und industrielle Einrichtungen in der Kriegsmarinestadt Kiel zügig zu besetzen. Die Briten vermuteten damals, dass die sowjetische Armee bis nach ­Schleswig-Holstein vordringen könnte.
Im Rahmen eines nachfolgenden Projektes des Kieler Stadtarchivs wurden Zeitzeugen in Großbritannien und in Kiel befragt. Der Kieler Filmemacher Kay Gerdes dokumentierte diese Gespräche und ergänzte sie durch historische Filmsequenzen aus den letzten Kriegstagen 1945 in Kiel.
Die zerstörte Stadt war voll mit Flüchtlingen, ehemaligen Kriegsgefangenen und Lagerinsassen sowie zurückkehrenden Soldaten. Die öffentliche Infrastruktur war zusammengebrochen. Die Aufgaben der britischen Besatzungsmacht schienen kaum lösbar. Wie konnte unter diesen Bedingungen der Aufbau einer tragfähigen Demokratie gelingen?
Das Demokratieprojekt Kiel-Hassee zeigt diesen im Jahr 2012 erstellten Dokumentarfilm aus Anlass des 80. Jahres der Befreiung vom Nationalsozialismus. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Anwesend ist die Historikerin ­Renate ­Dopheide, die zu diesem Thema maßgeblich geforscht und an dem Film mitgewirkt hat.
Die Filmvorführung „5 Tage im Mai. Wie der 2. Weltkrieg in Kiel zu Ende ging“ findet am Mittwoch, dem 12. November, um 19 Uhr im Gemeindesaal Michaelis in der Schleswiger Straße 57/ Ecke Wulfsbrook statt.