
Hasseer Netzwerkerin schafft Raum für Begegnungen
Wer durch die Saarbrückenstraße fährt, der ahnt vermutlich nicht im Geringsten, dass sich nahezu in der Mitte, im Keller der Hausnummer 96, ein kleines, feines kreatives Zentrum verbirgt.
In bunten Lettern prangt auf weißem Grund der Name „HiD-Lounge“ auf der Plane des Anhängers, der neben der Steintreppe steht, die hinunterführt – zu dem Ort, an dem die Hasseerin Martina Klingenberg ein ebenso buntes wie familiäres Angebot verwaltet. Schon ein Blick durch die gläserne Tür macht Lust auf gesellige Stunden an den großen Tischen, die inmitten des rund 50 Quadratmeter großen Raumes stehen. An den Wänden gefüllte, dekorierte Regale, im hinteren Bereich eine Küchenzeile mit Theke. Ganz unterschiedliche Kurse, Workshops und Vorführungen finden hier in dem gemütlichen Rahmen statt – organisiert beziehungsweise begleitet von der umtriebigen Kielerin, die mit Herzblut dabei ist – auch wenn ihr beruflicher Weg zunächst in eine ganz andere Richtung ging.
Als gelernte Bankkauffrau startete Martina Klingenberg einst ganz traditionell ins Berufsleben, arbeitete bei einer Bank. Nach einer Kinderpause kam jedoch die erste Wende. Sie widmete sich dem Direktvertrieb – dem Verkauf von Produkten an Verbraucherinnen und Verbraucher in der Wohnung, am Arbeitsplatz oder an anderen Orten außerhalb ständiger Geschäftsräume.
Was sie dabei besonders überzeugte und durchstarten ließ? Die Flexibilität, die direkte Nähe zu Kundinnen und Kunden, das Netzwerken. Schnell war sie für mehrere Firmen im Einsatz – mit einem stetig wachsenden Kundenkreis im Norden, aber auch in ganz Deutschland. Zu ihrem 25. Jubiläum als Direktvertrieblerin erschienen gemäß Martina Klingenberg rund 350 Menschen bei ihr zu Hause.
„Und dann kam Corona“, berichtet sie und lacht. Das kann sie inzwischen in der Rückschau, auch wenn sie selbst dabei noch immer ungläubig klingt. Und auch ein bisschen stolz, denn mit der Not hielt auch die Kreativität Einzug – selbst wenn Martina Klingenberg sich persönlich nicht als kreativen Menschen beschreibt. Eher als einfallsreich, zupackend und kämpferisch.
„Als der Lockdown kam, musste ich 95 Verkaufspartys komplett absagen. Das war schon ein heftiger Moment“, erinnert sich die Selbstständige zurück. Ihr Geschäftskonzept, Kundinnen und Kunden persönlich zu treffen, war von einem Tag auf den nächsten nämlich hinfällig beziehungsweise untersagt. Ihre Lösung? „Wir haben unsere Partys über WhatsApp angeboten“, berichtet sie. Dank ihres Netzwerks tat sie sich mit anderen Selbstständigen zusammen und verlegte das, was bisher in Wohnzimmern und Häusern stattgefunden hatte, ins Internet. So entstand eine ganze Community.

„Wir haben für jedes Gewerk eine Online-Präsentation“, schildert sie die Vorgehensweise, die sich bewährt hat und bis heute besteht. Die Partys dauern dabei im Gegensatz zu früher nicht mehr einen Nachmittag oder Abend, sondern eine ganze Woche. „Es ist wie das Lesen einer Zeitung“, erklärt Martina Klingenberg. Wer teilnehmen möchte, tritt der Gruppe bei und erhält ausführliche Erklärungen zum ganzen Handling, zum formellen Rahmen, zu Angeboten und Zeiträumen. Dann werden die einzelnen Produkte präsentiert. „Und da es blöd ist, wenn jeder einzelne Kunde seine Topflappen aus deinem Wohnzimmer abholt, haben wir diesen Raum gestartet“, bemerkt die 59-Jährige schmunzelnd und blickt sich in der HiD-Lounge um, die sie gern als ihr durch Corona entstandenes Homeoffice bezeichnet.
Was hinter den drei Buchstaben steht, die den Namen bilden? „Heldin im Direktvertrieb. Ich musste meine WhatsApp-Gruppe ja irgendwie betiteln“, kommentiert die fröhliche Hasseerin, die ihre Privaträume gern auch anderen zur Verfügung stellt – als Treffpunkt, Kreativraum, Begegnungsstätte. Einige ihrer Netzwerkkolleginnen präsentieren Teile ihres Angebots in den liebevoll dekorierten Regalen an den Wänden. Die Tische in der Mitte, die Küchenzeile und der Tresen bieten Möglichkeiten für gesellige Runden, Koch- oder Backvorführungen und Bastelkurse. All das gibt es in der Lounge, an wechselnden Tagen und zu unterschiedlichsten Themen. So werden Kurse im Sockenstricken angeboten, Gehirn-Wellness, Malen, das sogenannte Easy paint 4 you, Knüpfen von Makramé-Armbändern oder Deko-Gegenständen. Perlenworkshops, Anleitungen zum Kochen ohne Herd, Kränzebinden, Basteln mit Papier oder Stuhlyoga – die Vielfalt, die Martina Klingenberg aufzählt, ist enorm. Kein Wunder, denn rund 30 Frauen bilden zurzeit das selbstständige Netzwerk, das den gut gefüllten Veranstaltungskalender regelmäßig mit neuen Angeboten befüttert. Teilnehmen beziehungsweise Einblick in den Kalender erhalten kann dabei jede und jeder Interessierte ganz einfach, indem sie oder er unter Telefon 0172/ 4154793 Kontakt zu Martina Klingenberg aufnimmt und der Community beitritt.
Doch auch neue Anbieter, weitere kleine Selbstständige im Direktvertrieb – insbesondere Männer sind jederzeit herzlich willkommen. „Wir suchen wirklich mal noch ein Männergewerk“, sagt die Kielerin. Ihre Anforderungen? Teamfähig sollte er sein und eine witzige Idee haben – für ein weiteres spannendes Angebot in der kleinen, feinen Lounge in der Saarbrückenstraße am Tor zum Kieler Süden. AB

Fotos: Anna Maria Bader