Kurze Tour für Körper und Seele

Drachensee
Über die Wiesen am Drachensee führen Pfade, die jedoch oft genug aufgrund des Wasserstandes unpassierbar sind. Fotos: Jens Uwe Mollenhauer

Drei-Seen-Spaziergang zum Drachensee, Russee und Mühlenteich

Die leckere Weihnachtszeit ist schon wieder fast vergessen, ein Spielverderber, wer jetzt den Finger in die Wunde legt. Aber dennoch: Die Nachwirkungen lassen sich nicht wegleugnen, denn das Bücken fällt schwerer als vor dem Fest.

Auf die guten Tage folgen die noch besseren – mit Bewegung, frischer Luft und Klönschnack, dazu eine Prise Stadterlebnis im Kieler Süden. Öfters mal eine kürzere oder längere Tour zu Fuß, das verbessert das Körpergefühl und lässt bei richtiger Ernährung auch den Pfunden keine Chance. Was hält uns noch auf? Richtig: Nichts! Und es ist so einfach – Schuhe an und los!

Auftakt im Vorfrühling
Fürs „Anwandern“ hat sich Wanderleiter Jens Uwe Mollenhauer einen sieben Kilometer langen Spaziergang überlegt: die „Drei-Seen-Tour“. Wer sich nach der Hälfte der Strecke schlapp fühlt, findet eine Bushaltestelle vor, von wo die Buslinie 62 uns entspannt zum Startpunkt zurückbringen kann – wobei der Kurzstreckentarif voll ausgereizt wird.
Geschichtlich Interessierten sei an dieser Stelle der Flyer „Historischer Wegweiser durch Hassee und Vieburg“ vom Geschichtskreis ans Herz gelegt. Etliche der dort benannten Orte liegen auf unserer Route. Der Flyer ist im KIEL LOKAL-Redaktionsbüro erhältlich. Markanter Startpunkt ist vor der Michaeliskirche im Wulfsbrook. Gegenüber geht es in einen unscheinbaren Fußweg zum Bummelgang.
Der Wanderweg führt uns dann durch Brachland zum Rodelberg am Drachensee mit schöner Aussicht auf den See. Drachen lebten hier wahrscheinlich nie. Der Name hat seinen Ursprung im ehemals dreckigen Zustand des Gewässers.

Das Drachenseegebiet ist eine der schönsten Wandergegenden Kiels.

Idyllisches eiszeitliches Gebiet
Der weitere Weg erschließt das idyllische Drachensee-Gebiet. Die Wiesen sind überschwemmt. Wir müssen auf den Hauptwegen bleiben. Links erhebt sich bald der steile Hang unterhalb der Straße Hammerbusch. Wir befinden uns an der Rückseite eines Ausläufers des Hornheimer Riegels, jener Endmoräne aus der letzten Eiszeit, die heute der Eider den Abfluss in die Ostsee verwehrt. Die Wasserscheide ist es nicht, denn grob gesagt alles, was westlich unseres Startpunktes liegt, ist auch noch Einzugsgebiet der Eider und entwässert in die Nordsee, so auch alle auf der Tour berührten Seen.
Den zweiten See erreichen wir nach Querung des Speckenbeker Wegs. Der Vordere Russee blinkt zwischen den Bäumen hervor. Er hieß früher „Hassee“, und einen „Hinteren Russee“ westlich davon gab es auch – heute verlandet und voller Gestrüpp.
Bei den anschließenden Sportplätzen handelt es sich um ein ehemaliges Konzentrationslager aus der Nazi-Zeit. Eine Gedenkstätte mit interessanten Infotafeln liegt rechts des Weges, kurz bevor wir die Rendsburger Landstraße erreichen.

Der Teich an den alten Mühlen
Der dritte See unserer kleinen Wanderung ist der Mühlenteich in Demühlen. Einst werkelte hier eine Wassermühle, und aus Wassermangel trat an ihre Stelle eine Windmühle. Heute erfreut der aufgestaute Teich mit allerlei Wasservögeln unser Auge, die Mühlen sind verschwunden. Nicht ganz weg ist hingegen die ehemalige Müllverbrennungsanlage, die sich rechts hinter Brombeerranken versteckt und über deren Altlast niemand so recht glücklich ist – mit Ausnahme der Graffiti-Künstler. Den langen Bogen entlang der Struckdieksau können wir abkürzen. Dazu geht es steil über einen Rodelberg. Am anderen Ende führen zwei Trampelpfade über die Wiesen zum Aubrook.
Vom Bahnübergang am Bahnhof Hassee/CITTI-PARK aus haben wir die Wahl zwischen zwei Wegen an der Bahn entlang. Beide haben aber auch Nachteile: Den einen müssen wir mit zeitweise vielen Radfahrern teilen – was mitunter brisant ist, der andere ist eng und aufgrund tütchenloser Erleichterung oft „vermint“. Manchmal entscheidet allerdings die Bahnschranke über die Auswahl der Verbindung. Wenig später kommt so oder so unser Startpunkt wieder in Sicht, wo unser kleiner Ausflug endet.

Geführte Tour am 25. Februar
Diese Tour ist bequem in zwei Stunden zu schaffen. Wer nicht allein gehen möchte, kann sich kostenlos der Wandergruppe „Kieler Wanderatlas“ anschließen, die sich am Sonntag, dem 25. Februar um 13 Uhr vor der Michaeliskirche trifft. Start ist um 13.05 Uhr.

Info und Termine: wanderatlas.projektnord.de

Wandergruppe macht viel gemeinsam
Die Wandergruppe „Kieler Wander­atlas“ entstand vor drei Jahren. Seitdem wird gewandert, was das Zeug hält – mittlerweile fast 5.000 km.
Ruth ist schon länger dabei und genießt die Wanderungen, wann immer sie es einrichten kann: „Mir gefällt, dass es keinerlei Druck gibt. Ich mache mit, wenn ich Lust habe, kann an definierten Punkten auch abkürzen. Ich entscheide selbst. Start und Ziel sind immer mit Bus und Bahn zu erreichen. Alles ist völlig ent­spannt. Keine Vereinsmeierei, nichts. Einfach nur mitkommen, wandern und Spaß haben.“
Auch Anke macht schon seit vielen Monaten fast jede Tour mit. „Mir bedeutet es viel, dass ich in Gemeinschaft mit netten Leuten gehen kann. Meine Fitness hat sich erheblich verbessert. Ich habe mit fünf Kilometern angefangen, heute schaffe ich 20 und mehr. Vielleicht versuche ich mich im April am Wandermarathon – zumindest an einer Teilstrecke.“ Neben ihrer Fitness weiß Anke aber auch einen guten Klönschnack sehr zu schätzen. „Hier entstehen Freundschaften. Die Wandergruppe hat mein Leben verändert. Wir machen auch außerhalb der Wanderungen viel zusammen.“
Das ist wörtlich zu nehmen. Im vergangenen Jahr sind einige Teilnehmer aus der Wandergruppe gemeinsam ins südliche Afrika gereist. Andere waren auf einem mehrtägigen Trail in Nordschweden. Sie feiern zusammen, gehen tanzen und spielen Karten oder brunchen regelmäßig gemeinsam. Allesamt Menschen, die vor wenigen Jahren noch auf der Straße aneinander vorbeigegangen wären.

Bei allem Zusammenhalt ist die Gruppe immer offen für Neue. Jede Woche wird eine Feierabendtour veranstaltet. Jeder kann kommen und mitgehen. Die Strecke ist üblicherweise nicht länger als fünf Kilometer. Und wenn doch, dann ist dem Tourenleiter wahrscheinlich eine „landschaftlich schönere Abkürzung“ eingefallen.
Die Wanderer ernähren sich auf jeder Tour aus dem Rucksack. Trotzdem kann es passieren, dass einige Teilnehmer nach dem Abschluss einer Wanderung zu einem Getränk einkehren.
Auch wenn einige „Wandersleut“ mittlerweile gut trainiert sind, wird immer Rücksicht auf die Langsamsten genommen. Wer neu in der Gruppe ist, sollte seine Leistungsfähigkeit einschätzen können oder mit einer kleinen Tour anfangen. Notfalls gibt es immer einen Ausstieg mit Bushaltestelle nach wenigen Kilometern. JM