Chicago und Kiel: Im Modelleisenbahnclub Kiel sind die kleinen Züge in direkter Nachbarschaft unterwegs
Von außen lässt das ehemalige Fernmeldegebäude nicht erahnen, dass es faszinierende Landschaften im Kleinformat beherbergt. Denn in der Pestalozzistraße 79 befindet sich das Vereinsheim des Modelleisenbahnclubs Kiel (MEC).
Zwei beeindruckende Modelleisenbahnanlagen stehen hier direkt nebeneinander.

Historische H0-Anlage
Die H0-Modellbahnanlage von 1987 mit einer Spurweite von ca. 16,5 mm nimmt im Clubheim den größten Raum ein. Auf ca. 1.000 m Schienen mit 250 Weichen fahren die Züge durch detailreiche Miniatur-Landschaften.
Jüngere Besucher können sich einen Eindruck von Kiel in den 1960er-Jahren verschaffen. So gibt es beispielsweise das alte Kieler Gaswerk zu bestaunen.
Für den Bau der Anlage waren nicht nur Fachkenntnisse im Bahnwesen, im Holz- und Maschinenbau sowie in der Malerei nötig, sondern auch in der Elektrik. „Mit fünf bis sechs Fachmännern waren wir damals am Werk“, berichtet der Elektriker Rolf Ragotzki.
Die Technik, die in der großen Schaltzentrale beim Schattenbahnhof zusammenläuft, funktioniert bis heute einwandfrei. „Wir haben das einfach zu gut gebaut“, sagt Ragotzki lachend.

Segmentanlage nach amerikanischem Vorbild
Die zweite Anlage im Clubheim in der Nenngröße N ist mit einer Spurweite von 9 mm deutlich kleiner. Sie lässt sich auseinanderbauen und war schon häufig in der Republik unterwegs: von Hannover bis Leipzig, von Sinsheim bis Dortmund. Den Auf- und Abbau in riesige Holzcontainer beschreibt Vereinsmitglied Dieter Meetz: „Das sind sechs bis sieben Stunden stramme Arbeit – oder zwei Umzüge in vier bis fünf Tagen.“
Ein Highlight dieser Anlage ist das vom MEC-Vorsitzenden Burkhard Leo erbaute und preisgekrönte Modell des einstigen Chicagoer Hauptbahnhofs. Das Gebäude wurde 1972 abgerissen, im MEC ist es fein säuberlich aus Kunststoffplatten rekonstruiert. Und wie entsteht die Landschaft? „Anders als in Wirklichkeit werden erst die Gleise verlegt und dann kommt das Terrain“, erzählt Leo schmunzelnd.
Weitere spannende Projekte
Ebenfalls sehenswert ist der Schaukasten „Chicago South Side“ des ersten Vorsitzenden. Sämtliche Häuser sind in mühevoller Detailarbeit aus Papier gebaut, wobei die Fenster mit dem Cutter ausgeschnitten und mit LEDs versehen wurden. 2016 hat Burkhard Leo dafür den Modellbau-Wettbewerb der Zeitschrift MIBA (Miniaturbahnen) gewonnen.
Aktuell in Arbeit befindet sich eine sieben Meter lange Anlage im Maßstab 1:120 (Spur TT), deren Mittelpunkt der Bahnhof Bad Schandau ist.
Neue Mitglieder gesucht
Die Begeisterung für Modelleisenbahnen ist auch bei Leos Enkel Maximilian deutlich zu sehen. Leider ist er damit in der Unterzahl, denn dem Club fehlt es an Nachwuchs. Von ehemals 60 Mitgliedern beträgt die heutige Zahl gerade mal 16. „Früher konnten wir Neuanschaffungen über Vereinsbeiträge finanzieren, heute geht leider alles in den Unterhalt“, sagt Leo. Wer Interesse an dem Hobby hat, kann gern mittwochs und samstags ab 15 Uhr zu den Vereinstreffen kommen oder besucht die Schautage im Januar.
Schautage im Januar
Diese finden im neuen Jahr 2026 an den ersten beiden Wochenenden (3./4. und 10./11. Januar) statt. Geöffnet ist samstags von 13–17 Uhr sowie sonntags sogar von 10–17 Uhr. Die Schautage geben einen schönen Einblick in die Arbeit des MEC Kiel. Übrigens: Kleinere Besucherinnen und Besucher können sich gern auf der H0-Kinderanlage im Fahren der Modelleisenbahn üben. CK
Hier kommen Sie direkt zur Seite des MEC:
https://www.mec-kiel.de
