
Das Fazit des OBR-Vorsitzenden Peter Böhm (CDU) zur Förderung des Radverkehrs fiel zunächst wohlwollend aus: „Unser Bezirk kommt gut weg, da die geplanten Maßnahmen bei der Priorität der Fördermaßnahmen weiter vorn liegen.“
Die Veloroute 6 (B 404 Barkauer Kreuz und Kieler Weg; Kieler Weg und Radewisch) befindet sich in der Priorität an dritter Stelle von fünf. Die Veloroute 7 (Joachimplatz bis Kronsburg) liegt sogar auf Platz eins – gemeinsam mit dem weiteren Ausbau der Premiumroute 10 und anderen Routen in Holtenau, Schreventeich, Ravensberg etc.
Bürger kritisieren Zustand und Ausbau des Radwegenetzes
Seitens der anwesenden Bürgerinnen und Bürger gab es jedoch auch Kritik am Radwegenetz im Bezirk. So sorgte zunächst der Begriff „Veloroute“ für Erläuterungsbedarf. Dieser beschreibt nicht nur voll ausgebaute Radwege wie die Vorzeigeroute 10, sondern auch günstige Verknüpfungsradwege zwischen den Stadtteilen. „Gegen die Veloroute 10 sehen die Strecken im Bezirk etwas mickrig aus,“ so ein Bürger.
Eine Bürgerin machte auf den schlechten Zustand des Rad- und Fußwegs südlich des Kronsburger Gehölzes in Richtung Bahnübergang aufmerksam. Der Weg wird durch eine Schranke und mehrere Findlinge stark eingeengt, um unerlaubten Autoverkehr zu verhindern. Besonders nach Regenfällen wird der abschüssige Abschnitt häufig ausgespült, sodass Schlaglöcher entstehen. Das könne vor allem für Eltern, die ihre Kinder mit Lastenrädern zu den im Wald gelegenen KiTa-Gruppen bringen, zur Gefahr werden.

Da der Weg nicht Teil der Veloroute 7 ist, muss eine mögliche Sanierung gesondert geprüft werden. Axel Schnorrenberg (SPD) wies darauf hin, dass diese Anfrage bereits zweimal gestellt und abgelehnt wurde. Die Antwort der Stadt lautete, dass Wege durch das Gehölz nicht ertüchtigt würden, damit der Charakter eines Waldwegs erhalten bliebe.
Auch die langen Wartezeiten am dahinter liegenden Bahnübergang Sieversdiek wurden thematisiert. Hier seien die Schranken bis zu 15 Minuten unten, weil mehrere Züge durchgelassen werden, was viel Zeit und Nerven koste. „Es gibt Leute, die diesen Weg deshalb nicht mehr nutzen“, so ein Bürger. Michael Wollschläger (CDU) regte an, die beiden prekären Stellen am Sieversdiek durch den Radverkehrsbeauftragten der Stadt begutachten zu lassen.

Ebenfalls in Kronsburg befindet sich in der Barkauer Straße, Höhe Bogenstraße zur B 404, eine weitere für den Radverkehr kritische Stelle. Hier wird der Fußweg auch von Radfahrenden genutzt, obwohl dieser nicht dafür vorgesehen ist. Benutzen Radfahrende wie vorgesehen die Straße, bekommen sie den Unmut der Autofahrenden zu spüren, die sich über die Nutzung der Straße beschweren. Mögliche Lösungen sind ein gestrichelter Radfahrstreifen auf der Straße, ein Schild, welches das Befahren der Straße für Radfahrende erlaubt, oder die Freigabe des Fußwegs für Radfahrende. Der OBR formulierte daher eine offene Anfrage an das Tiefbauamt zur Verbesserung der Situation.
Größter und letzter Kritikpunkt am Ausbau des Radwegenetzes war die Bevorzugung des Stadtzentrums. Axel Schnorrenberg (SPD): „Wer den Radverkehr aus den Außenbezirken stärken will, muss die Infrastruktur von außen nach innen ausbauen.“ Der OBR möchte deshalb von der Stadträtin für Mobilität wissen, warum die Außenbezirke bislang eine geringere Priorität genießen als die Innenstadt, obwohl Pkw aus dem Zentrum herausgehalten werden sollen.
Nutzung privater Parkflächen
Zur Verbesserung der prekären Parksituation in Wellsee formulierte der OBR folgende Fragen an die Stadt: Welche öffentlichen Parkplätze stehen zur Verfügung? Können auch private Stellplätze genutzt werden, die nicht vollständig ausgelastet sind? Angedacht sind z. B. die wenig genutzten Parkdecks der Vonovia-Objekte nahe dem Jugendtreff Juwel. Eine Anwohnerin hatte mit diesem Anliegen „Bauchschmerzen, da der Objektbetreuer die Parkflächen schlecht verwaltet.“ Wollschläger wies darauf hin, dass zunächst einmal eine allgemeine Anfrage gestellt werde, was keine großen Auswirkungen habe. Auch der Sachstand in der Verhandlung mit Penny zur Nutzung des Parkplatzes von Nicht-Kunden soll erneut erfragt werden.
Situation der Altkleidercontainer
Bezüglich der Müllablagerungen in Wellsee wurde ein städtischer Beschluss darüber gefasst, dass ausschließlich das DRK die Sondernutzungserlaubnis erhält, Sammelcontainer für die Altkleidersammlung auf öffentlichen Flächen aufzustellen. In dieser Sondernutzungserlaubnis ist geregelt, dass das DRK für die Sauberkeit an den Sammelplätzen verantwortlich ist. Für die Leerung und die Sauberkeit hat das DRK einen Unterauftrag an die Firma IZ Circular Textiles vergeben. Rainer Glüsing vom Seniorenbeirat merkte an, dass der ABK in Zukunft plant, selbst Altkleidercontainer aufzustellen.
Tempo 30 vor dem Bürgertreff
In der Liselotte-Herrmann-Straße soll erneut vor der neuen Turnhalle und dem Bürgertreff Tempo 30 beantragt werden. Dies sollte ursprünglich mit der Fertigstellung des Neubaus erfolgen.
Die nächste OBR-Sitzung findet nach der Sommerpause am 1. September um 19.30 Uhr statt. CK