Potential bei Fachkräftemangel

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Integration per Job: Geflüchtet und mit einem Arbeitsvertrag in Kiel angekommen – so ging es laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Ende vergangenen Jahres weit über eintausend Asylbewerbern.

Nach einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der berufstätigen Geflüchteten stark angestiegen. Vor drei Jahren zählte die Arbeitsagentur Kiel 547 beschäftigte Asylsuchende.
„Die Zahlen zeigen, dass ein großer Teil der Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, im Berufsleben Fuß fassen konnte. Und zwar trotz Sprachbarrieren und teils enormer bürokratischer Hürden“, sagt NGG-Regionalchef Finn Petersen. Positiv wertet der Gewerkschafter den steigenden Anteil regulärer Jobs. Laut Statistik waren im Stadtgebiet 58 % der erwerbstätigen Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Dabei könne Zuwanderung ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel sein, gerade auch das Ernährungsgewerbe suche händeringend Nachwuchs. „Hotels, Gaststätten, aber auch Bäckereien, Brauereien und die Lebensmittelverarbeitung haben jahrzehntelange Erfahrungen mit Zuwanderern.“
Die Botschaft des Gewerkschafters an die Adresse der Betriebe aber ist klar: „Es darf keine Zwei-Klassen-Belegschaften und auch keine Ausnahmen beim Mindestlohn oder bei den Arbeitszeiten geben.“ Denn der Azubi- und Arbeitskräftemangel sei auch durch teils unattraktive Arbeitsbedingungen hausgemacht.
Zwar wollten viele Geflüchtete möglichst schnell Geld verdienen, um ihre Familien zu unterstützen. „Doch allein mit Helfer-Jobs gibt es kaum solide Berufsperspektiven. ,Azubi statt Aushilfe‘ muss auch die Devise der Unternehmen sein“, sagt Petersen. Ende vergangenen Jahres waren in Kiel 109 Azubis mit einem Fluchthintergrund gemeldet.
Damit die Integration am Arbeitsmarkt weiter vorankomme, müsse die Politik mehr tun. „Es kann nicht sein, dass immer wieder Geflüchtete, die im Betrieb engagiert sind und gut Deutsch sprechen, von einem Tag auf den anderen abgeschoben werden“, kritisiert Petersen. Diese Menschen hätten eine Bleibe-Chance verdient.

Foto: ©NGG