
Sägen, schleifen, bohren – und dabei Recycling wirklich selbst machen: Für die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse der Gemeinschaftsschule Hassee wurde der Besuch der offenen Holzwerkstatt in der Alten MU zum Erlebnis.
Der Workshop fand im Rahmen der Kieler Zukunftswoche vom 4.–8. Mai statt. Diese Woche wird seit 2025 von One Earth One Ocean e. V.
organisiert. Sie beinhaltet Bildungsangebote aus dem Umwelt-, Klima-und Meeresschutzbereich sowie Themen zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, die das Team zusammenstellt und den Schulen in Kiel und Umgebung kostenfrei zur Verfügung stellt, um bereits Jugendlichen solche Themen nahezubringen. So können sie aktiv ihre eigene Zukunft mitgestalten.
Unter Anleitung von Hartmut, einem pensionierten Schulleiter, und Tischler André, die sich beide ehrenamtlich in der offenen Holzwerkstatt engagieren, fertigten die Jugendlichen aus altem Holz Teelichthalter und kleine Blumenvasen oder setzten eigene Ideen in die Tat um. Für den Kurs wurde die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bestand aus Jungen, die zweite aus Mädchen.
Schon beim Betreten der Werkstatt wurde der ersten Gruppe deutlich: Hier wird richtig gearbeitet. Bevor es losging, erklärten Hartmut und André die wichtigsten Sicherheitsregeln. „Ringe, Kapuzenbänder, alles, was am Körper hängt, entfernen – damit wir die nächsten zwei Stunden unbeschadet überstehen.“
Aus Altmaterial wird Neues
Das Material stammt häufig aus Sperrmüll oder Restbeständen. „Wir sind Sammler“, erzählte Hartmut. „André fährt mit seinem Lastenfahrrad durch Kiel und rettet brauchbares Holz vor der Entsorgung.“ Alte Bettteile oder übrige Dielen fänden so ein neues Leben in der Werkstatt. So entstanden während eines anderen Kurses aus alten Pitch Pine-Dielen Cajóns. Auch Skateboards wurden in der „Werk Statt Konsum“ bereits gebaut.
Besonders beeindruckend war für die Schüler der GemS Hassee die Vielfalt der Werkzeuge. Gearbeitet wird unter anderem mit Feinsägen und Japansägen, die zwar weniger Kraft benötigen, dafür aber besonders präzise geführt werden müssen. Auch Handmaschinen wie Stichsägen oder Bohrer kamen zum Einsatz – natürlich nur mit Gehörschutz und Atemmaske. Im Schleifraum verwandelten sich grobe Holzstücke nach und nach in glatte, sorgfältig bearbeitete Werkstücke.
Teamarbeit an der Werkbank
An jeder Werkbank arbeiteten zwei Jugendliche zusammen. Gab es während Hartmuts Erklärungen noch einige unruhige Momente, gingen die Schüler danach fokussiert und motiviert an die Sache heran. Überall wurde eifrig angezeichnet, gesägt, geschliffen und gebohrt.
Rick (13), der schon Erfahrung mit Holzarbeiten hat, fühlte sich sofort wohl. Zu Hause hatte er seiner Mutter bereits beim Aufbau eines Schranks geholfen. Sein Werkstück bestand aus einem naturbelassenen, zugesägten Ast mit Flechten, den er für einen sicheren Stand säuberlich abgeschliffen hat. Mit einem speziellen Bohrer und der Hilfe von Tischler André bohrte er schließlich drei Vertiefungen für Teelichter. Ob Rick den Kerzenhalter verschenken oder selbst behalten wird, wusste er am Ende noch nicht: „Es hat richtig Spaß gemacht“, sagte er zufrieden.
Auch Maxi (13) arbeitete begeistert an seinem Teelichthalter. Die Werkstatt erinnerte ihn an seinen Großvater: „Wie bei Opa im Garten, der hat auch eine Werkbank.“ Joschi (12) und Kubi (13) gingen noch einen Schritt weiter und kombinierten Blumenvase und Teelichthalter in einem gemeinsamen Werkstück. Sorgfältig schliffen sie das Holz ab, bis es glatt und fein war. Kubi, dessen Vater Handwerker ist, zeigte sich begeistert: „Das ist mal ein richtig cooler Ausflug.“
Lehrerin Friederike Braumann freute sich über die konzentrierte Atmosphäre. „In dieser Form kriege ich die Kinder im Mathematikunterricht nicht begeistert“, sagte sie lachend. Gleichzeitig betonte sie, wie gut es tue, den Unterricht einmal außerhalb der Schule stattfinden zu lassen.

Nachhaltigkeit praktisch erleben
Der Holz-Workshop passte gut zu weiteren Projekten der Klasse, die sich mit Technik und Nachhaltigkeit beschäftigten. Erst wenige Tage zuvor hatten die Jugendlichen bei der Kieler Zukunftswoche im Workshop „Vom Müll zur Ressource“ aus Plastikgranulat Karabiner hergestellt. Darüber hinaus hatten sie bereits im Kieler Forschungszentrum autonome Fahrzeuge gebaut und mit Arduino programmiert.
Am Ende des Workshops konnten die Schüler viel mit nach Hause nehmen – sowohl ihre Werkstücke als auch die Erfahrung, dass alte Holzreste nichts für die Tonne oder den Ofen sind, sondern in schöne Dinge verwandelt werden können.
Übrigens: Wer in den Sommerferien noch wenig vorhat, kann bei der Kieler Ferienpassaktion in der Holzwerkstatt weiterwerkeln. CK