Seniorpartner in School: Ehrenamtliche helfen Kindern in Kiel

Von links: Manuela Pohlmeyer, Gudrun Ziehm und Anne Walther-Rothe bilden das Seniorpartner-in-School-Team an der Theodor-Heuss-Schule.

Streit und Ärger selbst zu klären ist für Kinder oftmals gar nicht leicht. An der Theodor-Heuss-Schule stehen den Schülerinnen und Schülern speziell ausgebildete Mediatorinnen zur Seite, die nicht nur unterstützen, sondern auch wichtige Fähigkeiten vermitteln.

Wer kennt es nicht noch selbst von früher? Wenn es in der Schule zur Pause klingelt, ist die Freude meistens groß. Dann wird gerannt, gespielt, getobt – manchmal jedoch leider zu turbulent. Wenn zahlreiche Spiele, Charaktere, Bedürfnisse und noch dazu unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, entstehen von Natur aus immer wieder kleinere wie größere Konflikte.

Verein vor 25 Jahren gestartet

Um Schulkindern in solchen Momenten kurz-, aber auch langfristig zu helfen, wurde vor 25 Jahren der gemeinnützige Verein der „Seniorpartner in School“ gegründet, kurz „SiS“, der Seniorinnen und Senioren in der Mediation und Konfliktbewältigung speziell für Kinder schult.
Im Kieler Süden sind an der Theodor-Heuss-Schule in Hassee seit rund zwei Jahren gleich drei dieser Seniorpartnerinnen im ehrenamtlichen Einsatz: Gudrun Ziehm, Manuela Pohlmeyer und Anne Walther-Rothe
aus Hassee, Russee und Molfsee. Wie sie die Kinder im Schulalltag unterstützen, was sie antreibt und was das Schönste an ihrem Engagement ist? Darüber sprachen die drei Frauen an einem herbstlichen Dienstagmorgen mit KIEL LOKAL – natürlich in ihrem Besprechungsraum, einem ehemaligen Klassenraum im provisorischen Erweiterungsbau der Schule, in dem aktuell auch die Offene Ganztagsschule untergebracht ist.

Kinder aus über 20 Nationalitäten lernen an der idyllisch in zweiter Reihe an der Rendsburger Landstraße gelegenen Grundschule und werden von den SiS in ihrem Schulalltag unterstützt.Fotos: Anna Maria Bader
Kinder aus über 20 Nationalitäten lernen an der idyllisch in zweiter Reihe an der Rendsburger Landstraße gelegenen Grundschule und werden von den SiS in ihrem Schulalltag unterstützt. Fotos: Anna Maria Bader

Zuhören statt beurteilen

Jeden Dienstagvormittag finden die Grundschulkinder hier gleich mehrere offene Ohren für ihre Probleme und Bedürfnisse. Denn die nach einem festen Konzept ausgebildeten SiS sind stets als Zweierteams vor Ort im Einsatz, um den Kindern zuzuhören und sie bei der Lösungsfindung von Konflikten zu unterstützen.
„Wir werten nicht“, erklärt Gudrun Ziehm die Grundzüge des Mediationsgedankens. „Die Schuldfrage ist immer außen vor.“ Auch Konsequenzen oder eine Strafe stünden nicht zur Debatte, wenn ein Kind oder mehrere mit einem Problem zu ihnen kommen. Vielmehr gehe es gemäß Ziehm darum, den Kindern beizubringen, selbst Streit lösen zu können.
„Wir helfen, gefühlsmäßig zu sortieren“, ergänzt Manuela Pohlmeyer,
„und sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden.“ Wer in der Pause oder aber auch während einer Unterrichtsstunde zu den SiS geht, komme immer freiwillig und könne sich auf absolute Vertraulichkeit verlassen. Was die Kinder im Einzelnen bewegt, darüber geben die drei Frauen daher nur allgemein und anonymisiert Auskunft: Freundschaftsproblematiken oder kurzzeitige Ablehnung seien es meistens. Und Missverständnisse, weil jemand etwas gesagt hat, was ein anderer falsch versteht. „Die Probleme sind im Grunde die gleichen, die es schon immer gab“, bemerkt die 75-jährige Russeerin, die früher als Lehrerin an der Theodor-Heuss-Schule tätig war und somit einen direkten Vergleich ziehen kann. Was ihr aber auffällt: Die Konzentrationsfähigkeit der Kinder habe „dramatisch nachgelassen“. Die SiS üben daher auch mit den Schülerinnen und Schülern, im Gespräch bei der Sache zu bleiben.
Ein glückliches Lächeln als Lohn
Wenn die Kinder dann nach einem gelösten Konflikt mit einem Lächeln wieder hinausgehen – das sei einfach der schönste Moment, der die drei Frauen antreibt.
Auch Anne Walther-Rothe, 71 Jahre, hat wie Pohlmeyer einen Hintergrund als Grund- und Hauptschullehrerin und genießt es nach vielen Jahren in der Erwachsenenbildung, sich „als Rentnerin wieder back to the roots“ Kindern zuzuwenden. Gudrun Ziehm hingegen hatte als Verwaltungbeamtin beruflich nicht mit jungen Menschen zu tun. Wieso sie sich dennoch für ein Engagement als SiS interessierte? „Kinder sind unsere Zukunft“, ist die 67-Jährige überzeugt. „Sie können nicht genug Aufmerksamkeit haben.“
Einen Vormittag pro Woche investiert sie nun schon seit zwei Jahren (die Schulferien ausgenommen). Die Mehrfachbesetzung ermöglicht dabei Flexibilität: Bei Krankheit oder wenn mal jemand in den Urlaub fährt oder die Enkel besuchen möchte, ist stets genügend Puffer da. Und da die SiS über den Verein miteinander vernetzt sind, stehen sie immer in produktivem Austausch und helfen auch an anderen Kieler Schulen gegenseitig aus. Das halte jung und weite den Horizont.

Bedarf an weiteren SiS ist hoch

Übrigens: Wer sich ebenfalls für das Ehrenamt interessiert – der Bedarf an weiteren SiS in Kiel ist hoch, bestätigt Rainer Kreye vom SiS-Landesverband Schleswig-Holstein. Ein neuer Kurs für die rund zwölftägige Ausbildung werde für 2027 bereits ins Visier genommen. Interessierte können sich hierfür gern bei Vorstandsmitglied Jens Nielsen unter hj.nielsen@sis-schleswig-holstein.de
melden, der selbstverständlich auch sämtliche Fragen rund um das Projekt beantworten kann. AB