Skatspielen um die Ecke

Foto zeigt Skatspieler im VfB-Kiel-Vereinsheim an der Waldwiese
Diesmal nur drei Spieltische, weil sich der Reporter nicht getraut hat mitzuspielen. Der „Skat-Club Kieler Förde – Waldwiese“ ist eine von drei Skat-Spielvereinigungen, die sich regelmäßig im VfB-Vereinsheim treffen. Foto: Jens Uwe Mollenhauer

Im VfB-Vereinsheim treffen sich drei Skatrunden an unterschiedlichen Wochentagen

Als im Jahre 1813 das Skatspiel das Licht der Welt erblickte, da konnte noch niemand ahnen, dass dieser Zeitvertreib mal den direkten Weg ins Verzeichnis des Immateriellen UNESCO-Welterbes antreten würde.

Skat ist eine urdeutsche und dementsprechend ernste Angelegenheit. Es gibt einen festen Regelsatz – international einheitlich und damit tauglich für weltweite Turniere. Letzte Instanz bei der Durchsetzung der regelgerechten Spielweise ist das Internationale Skatgericht ISkG, das selbstverständlich auch einen eigenen Präsidenten hat.
Skat ist der Inbegriff des anspruchsvollen Zeitvertreibs. Millionen von Menschen spielen das Kartenspiel mehr oder weniger regelmäßig.

Wie lange es den „Skat-Club Kieler Förde – Waldwiese“ im VfB-Clubheim schon gibt, das weiß keiner so recht zu sagen. Auf jeden Fall schon sehr lange. Denn die Anfänge hat niemand der derzeit Aktiven mehr miterlebt.

So viel ist bekannt, wie sich Franz Heckroth erinnert: „Früher waren wir ein eingetragener Verein und Mitglied im Landesskatverband. Das war so bis Mitte der 70er-Jahre. Genau weiß das aber niemand mehr.“ Die ältestgedienten Mitglieder sind seit bald 30 Jahren dabei, Alterspräsident Kurt (90) z. B. seit 1997 und Uli sogar schon seit 1996. Im Grunde ist es auch egal. Was zählt, sind Punkte und nicht Jahreszahlen.

Gruppenfoto von Skatspielern
Sicherlich rund 700 Jahre Skaterfahrung auf einem Gruppenfoto. Der Schnitzmeister der Preisskat-Holztafel schuf auch die Straßenschilder im „Grünen Herzen“. Foto: Hartmut Eichelberg

Und noch etwas weiß Franz zu berichten: Die geschnitzte Holztafel, mit der der Skat-Club zu seinem Preisskat lädt, wurde einst von Kalli Gruber geschaffen, einem begnadeten Schnitzmeister aus dem Kieler Süden – demselben Künstler, dem wir ursprünglich auch die auffälligen Holzstraßenschilder im „Grünen Herzen“ verdanken.

Durchweg ältere Semester treffen sich allwöchentlich im VfB-Clubheim zum Kräftemessen in Deutschlands wohl beliebtestem Kartenspiel. Zwar sind nicht mehr alle gut zu Fuß, aber die grauen Zellen sind topfit. Wie bei vielen Clubs und Vereinen schnappt langsam, aber sicher auch hier die Falle der Überalterung zu. Zudem ist der Skat-Club beinahe eine reiner Männerveranstaltung. Beinahe aber nur, denn das Vereins-Küken Ute Raddatz im zarten Alter von 70 Jahren ist nicht nur die Jüngste, sondern auch einzige Weiblichkeit. Wie es sich anfühlt, ganz allein unter so vielen Männern? „Gut!“, sagt sie. „Ich bin die Henne im Korb.“ Sowieso gehe es hier schließlich nicht um Männlein oder Weiblein, sondern um Buben und Asse und wie damit höchstmöglich gepunktet wird.

Auf akribisch geführten Listen sind horrende Punktesummen notiert. Wie soll ein Einsteiger da jemals in höhere Sphären aufsteigen? Aber keine Sorge: Das sind Jahresleistungen. Da kaum jemand einen Spieltermin auslässt, kommt einiges zusammen.

Wenn sich die etwa 12–15 aktiven Skatspieler einmal pro Woche donnerstagabends im VfB-Heim an der Waldwiese treffen, dann geht es recht schnell zur Sache. Die Tische werden ausgelost und es geht nahtlos in die erste Runde. „Wir haben ja nicht so viel Zeit“, erklärt Hartmut und meint damit die drei folgenden Stunden intensiven Skatspiels. Auch wenn hier keine Zeit verschwendet wird, ist es Hartmut doch wichtig, darauf hinzuweisen, „dass wir in erster Linie Spaß haben wollen. Wir sind nicht die verbissenen Skatspieler, sondern uns kommt es auf die Geselligkeit an.“ Das kann der aufmerksame Beobachter durchaus bestätigen. Wo die harten Knochen sich schweigend am Spieltisch gegenübersitzen würden, herrscht hier eine lockere Stimmung. Kaum ein Spielzug bleibt von den Mitspielern unkommentiert.

Einzige Sorge ist der fehlende Nachwuchs. Gern würden Hartmut und die übrigen Spieler ein paar neue Teilnehmer begrüßen. „Das ist ganz unkompliziert. Jeder kann kommen. Und wenn mal einer kommt, kann er eine Runde mitspielen. Außer Konkurrenz natürlich.“
Auch dem KIEL LOKAL-Reporter wurde sofort nahegelegt, diesen Abend doch mal mitzuspielen.

Doch die letzte halbwegs erfolgreiche Skatpartie lag bei ihm schon Jahrzehnte zurück. Das unvermeidliche Drama mit ansehen zu müssen, mochte er den „Kampfspielern“ vom Förde-Skatclub dann doch nicht antun.

Wie viel kostet übrigens der Spaß? Gerade einmal 100 Euro im Jahr. Dafür wird einiges geboten. Von diesem Geld wird vierteljährlich ein Preisskat ausgetragen. Selbstverständlich gehören auch jedes Jahr das Grünkohl- und das Spargelessen zum festen Programm. Und für den jeweiligen Monatsbesten gibt es ein Präsent. Wer also wirklich gut spielt, kann hier sogar ein bisschen Plus machen.

Foto zeigt Mona, die immer für Nachschub bei den Getränken sorgt
Mona sorgt immer für Nachschub bei den Getränken.

Die Getränke stehen während des Spiels auf den ansonsten unbenutzten Stühlen. Das hat sich bewährt. Zu leicht würde im Eifer des Gefechts ein Trinkglas umgerissen. Nachschub bringt Mona. Kurt findet: „Sie ist der Lichtblick eines Skatabends.“ Da hat er natürlich recht. Doch wer auf Kurts Punktestand schaut, der ahnt, dass es für Kurt noch mehr Lichtblicke gibt.

Spielabende haben im VfB-Vereinsheim eine große Tradition, vielleicht liegt es an der ungezwungenen Atmosphäre und dem freundlichen Entgegenkommen des Betreibers und des Personals. Und so ist der Skat-Club Kieler Förde nicht die einzige Spielvereinigung, die regelmäßig vor Ort anzutreffen ist. Ein weiterer Skat-Club kommt jeden Montag und ein dritter zweiwöchentlich an Dienstagen. Hinzu kommt die Doppelkopf-Runde, die mittwochs ihr Stelldichein gibt (KIEL LOKAL berichtete).

Wer unter der Woche abends am Vereinsheim vorbeikommt, wird also sehr wahrscheinlich immer Licht im Saal sehen – und begeisterte Menschen beim Kartenkloppen.

Kontakt zum Skat-Club Kieler Förde: fc.heckrodt@gmx.de. Treff ist jeden Donnerstag um 18 Uhr im VfB-Heim Waldwiese. Zu allen Spielvereinigungen kann selbstverständlich über das VfB-Vereinsheim (Hamburger Chaussee 79) Kontakt aufgenommen werden. JM