Sozialbericht Kiel 2026: Wohnen, Demografie und Lebenslagen

Während in Kiel die Einwohnerzahl gesunken ist, wurden in Hassee/Vieburg mehr Einwohner gezählt.
Während in Kiel die Einwohnerzahl gesunken ist, wurden in Hassee/Vieburg mehr Einwohner gezählt.

Bevölkerungsentwicklung, Wohnraumversorgung, Anteil privater Haushalte – zu all diesen Aspekten liefert der neue Sozialbericht der Landeshauptstadt Kiel detaillierte Einblicke.

Unter dem Motto „Daten für Taten“ bietet der Bericht Interessierten zum mittlerweile 17. Mal fundierte Strukturdaten für das gesamte Stadtgebiet sowie differenzierte Kennzahlen für die einzelnen Ortsteile.
Oberbürgermeister Samet Yilmaz betont die Bedeutung des Sozialberichts: „Wer eine Stadt sozial gerecht gestalten will, muss genau wissen, wie die Menschen in ihr leben. Der Sozialbericht liefert uns dafür eine wichtige Grundlage. Er zeigt Entwicklungen frühzeitig auf, macht Unterschiede zwischen den Ortsteilen sichtbar und hilft uns, dort gezielt zu handeln, wo Unterstützung besonders gebraucht wird.“

Bevölkerungszahl ist gesunken

Zum Jahresende 2025 ist erstmals seit vielen Jahren ein Rückgang um 828 auf 250.551 Einwohnende zu verzeichnen. So sind beispielsweise im Ortsbeiratsbezirk Russee/Hammer/Demühlen 57 Menschen abgewandert. Ursache hierfür sind ein negativer Wanderungssaldo – besonders aufgrund weniger Zuzüge –
und ein negativer Geburtensaldo, vor allem infolge einer rückläufigen Zahl an Geburten. Entgegen diesem Trend sind in den zentraler gelegenen Kieler Stadtteilen Menschen hinzugekommen, in Hassee/Vieburg etwa wurden 24 Personen mehr gezählt.

Durchschnittsalter steigt

Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr und liegt nun bei 42,2 Jahren. Der demografische Wandel wird damit zunehmend sichtbar.
Der sogenannte Altenquotient setzt die ältere Generation ab 65 Jahren, die überwiegend aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, ins Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis unter 65 Jahren. Dieser Altenquotient liegt in Kiel im Durchschnitt bei 30,6 %, in Hassee bei 36 %, in Russee sogar bei 50,9 %. Eine Steigerung des Altenquotienten weist unmittelbar auf eine zunehmende Alterung der Gesellschaft hin.

Viele Menschen leben allein

Einpersonenhaushalte bleiben die dominierende Wohnform in der Landeshauptstadt. Sie machen inzwischen 59 % der Haushalte in Kiel aus. In Hassee sind es nahezu deckungsgleich 58,8 %, in Russee dagegen nur 38,3 %. Im Jahr 2025 stieg ihre Zahl um 867: von 84.961 auf 85.828 Haushalte.

Beschäftigungsquote gestiegen

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnort in Kiel ist zum 30. Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 % gestiegen. Die Erwerbsbeteiligung hat in nahezu allen Ortsteilen zugenommen. Der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt im Kieler Durchschnitt bei 58,7 %, in Russee bei 61,9 % und in Hassee bei 64 %. Das ist der höchste Anteil im ganzen Stadtgebiet.

Mehr Mitglieder in Vereinen

Die Zahl der Mitglieder in Kieler Sportvereinen ist erneut angestiegen und liegt jetzt bei 83.498. Der Organisationsgrad (Mitgliedschaften im Verhältnis zur Einwohnerzahl) liegt inzwischen bei 33,2 %.

Blick auf unterschiedliche Lebenslagen

Ein besonderer Fokus des Berichts liegt auf dem Thema Wohnen. Dabei wird gezeigt, wie sich Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit und soziale Wohnungssicherheit auf dem Kieler Wohnungsmarkt entwickeln und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die unterschiedlichen Lebenslagen der Bevölkerung haben.
Es wird deutlich: Wohnen ist mehr als die Frage, ob ausreichend Wohnungen vorhanden sind. Entscheidend ist auch, ob Wohnraum bezahlbar ist, zur jeweiligen Lebenssituation passt und für unterschiedliche Haushalte zur Verfügung steht. Der Bericht nimmt deshalb verschiedene Lebenslagen in den Blick – von älteren Menschen über Studierende und Auszubildende bis hin zu Menschen mit Beeinträchtigungen.
Zusätzlich zu den bestehenden He­rausforderungen betrachtet der Sozialbericht auch die Instrumente, mit denen die Landeshauptstadt unterstützt und gegensteuert. Gleichzeitig wird deutlich, dass angesichts steigender Wohnkosten und eines weiterhin hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum unterschiedliche Maßnahmen ineinandergreifen müssen.
„Im Mittelpunkt unserer Wohnungspolitik steht nicht der Wohnungsmarkt, sondern der Mensch. Unser Ziel ist es, Lebensräume zu schaffen, in denen Familien, ältere Menschen, Studierende und Menschen mit geringem Einkommen sicher und ohne Angst vor Verdrängung leben können“, so Bürgermeister und Sozialdezernent Gerwin Stöcken. „Gute Stadtentwicklung bedeutet für uns, soziale Stabilität zu fördern und Nachbarschaften zu stärken – nicht Renditen.“
Der gedruckte Sozialbericht 2026 kann beim Dezernat für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport angefordert werden: per Mail an katja.geisler@kiel.de oder unter Telefon 901-3024. Darüber hinaus steht der Bericht online unter www.kiel.de/sozialbericht zum Download bereit.