Der weite Weg von Kai Michelmann zum eigenen Festival in Kaltenkirchen
Während sich KIEL LOKAL sonst mit den Festivalmachern in deren Büroräumen trifft, sitzen wir diesmal im Café „Nordlicht“ bei Dodenhof in Kaltenkirchen. Doch das hat seinen Grund.
Ein Festivalbüro benötige ich nicht“, bekräftigt Kai Michelmann. „Ich brauche nur mein Handy und Laptop. Damit kann ich überall arbeiten.“ So war er bereits weltweit unterwegs.
Angefangen hatte alles vor zwanzig Jahren in Afghanistan. „Als Zeitsoldat und Wacken-Fan habe ich in meiner Naivität einfach mal ne Mail an das Wacken-Headquarter geschrieben und angefragt, ob wir uns gegenseitig supporten wollen“, erinnert sich Kai. Es kam tatsächlich ein Paket mit Merchandise-Artikeln zum Bundeswehrstützpunkt. Diese wurden meistbietend versteigert. „Wir haben über 1.000 Euro gesammelt und dafür Zement gekauft“, umschreibt er die Hilfsprojekte in Afghanistan.
Zur Feier seines 31. Geburtstags hatte Oberfeldwebel Michelmann die Idee eines Livekonzerts. Ganz im Stil von Elvis und Marilyn Monroe, die auch schon Auftritte zur Truppenbetreuung gemacht hatten. Über das Bundesministerium für Verteidigung wurde eine AC/DC-Band aus Deutschland eingeflogen. „Das war das erste Konzert, das ich organisiert habe“, verrät er. Eine Aktion, die sein weiteres Leben geprägt hat. Als nach der zwölfjährigen Bundeswehrzeit seine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt anstand, hat er in der Wacken-Zentrale in Dörpstedt wegen eines anderthalbjährigen Praktikums angefragt. „Ich wurde persönlicher Assistent von Holger Hübner. Da habe ich das Veranstaltungsgewerbe von der Pike auf gelernt“, so Kai. Anschließend hat er viele Jahre im Produktionsbüro gearbeitet, um „die Festivalstadt Wacken mitaufzubauen“, wie er es nennt. Nebenher sollte er ein paar Bands betreuen. So wurde er Booker und Tourmanager und war beispielsweise mit Michael Schenker in Japan, Taiwan und den USA.
„Eines Tages kam Holger beim internen Grillen zu uns und sagte: Ich hab die neue Megaband entdeckt, die wir buchen müssen: Frei.Wild!. Ich sollte deren Agent werden und mit den Wilden auf Tour gehen.“ Als waschechter Hamburger und St.-Pauli-Fan sträubte Kai sich erst vehement, freundete sich jedoch bald mit den Musikern aus Südtirol an. Eine Synergie, die bis heute anhält.
Als die vier Musiker immer populärer wurden, trennten sie sich von ICS und wollten ihre Tourneen komplett selbst durchführen. Ihren Tourmanager / Booker Kai Michelmann nahmen sie nach Rücksprache mit Holger Hübner einfach mit. Er machte sich selbstständig und gründete die Agentur „Kindergarten Live“. Warum dieser Name? „Das ist Sinnbild dafür, was in der Musikbranche abgeht. Da denkst du manchmal, du redest mit Fünfjährigen“, lacht Kai.
Für die Deutschrocker buchte er deren erste Arena-Tour. Zudem ist er seit 13 Jahren federführend verantwortlich für das „Alpen Flair Festival“ in Südtirol. „Da kommen 15.000 Zuschauer täglich zu ganz unterschiedlichen Bands: von Volbeat über Tream bis hin zu den Kastelruther Spatzen. Das größte Volksfest Südtirols halt.“
Bei einem Tourmanager-Job auf dem Baltic Open Air 2015 lernte Kai den Veranstalter Daniel Spinler kennen. „Der fragte mich, ob ich nicht Bock hätte, für Baltic die Bands zu buchen und zu betreuen. Seitdem sind wir eng vernetzt und auch privat befreundet.“ Gemeinsam organisieren sie Strand-Open-Airs in Eckernförde.
2025 sind u. a. Nico Santos (5. Juli) und Johannes Oerding (6. Juli) engagiert.
2020 zu Pfingsten haben beide die Camp-Parade umgesetzt. „Das war in der Hochzeit von Corona, als man
eigentlich gar nichts machen durfte. Da konnte man Parzellen für 5–25 Personen buchen und innerhalb der Parzelle feiern, wobei Show-Trucks samt Musik am Publikum vorbeifuhren“, so Kai. „Das war ein Riesen-Kraftaufwand und zugleich die einzige Veranstaltung, die zu dieser Zeit in Schleswig-Holstein stattfinden durfte.“
Ähnlich abenteuerlich ging das Walhalla Festival im Dezember 2020 an den Start. Während ganz Deutschland mit Masken auf Abstand ging, feierten in der Holstenhalle Neumünster – dank ausgeklügeltem 3G-Konzept – 3.000 Fans unbeschwert zu Acts wie Hämatom, Subway To Sally und Saltatio Mortis.
„Wir wollten irgendwas im Winter machen, quasi einen Ableger vom Baltic Open Air mit Mittelalterrock
und Heavy Metal“, erklärt Kai, der sich über ein treues Stammpublikum freut. Für die fünfte Auflage des Walhalla Festivals am 13. Dezember
2025 kann er mit Teilnehmern wie Eluveitie, Wind Rose und d´artagnan auftrumpfen.
Damit nicht genug. „Lass uns auch mal ein bisschen Ballermann machen“, überlegten Kai und Daniel. Heraus kam das Partyschlagerfestival „Ahoi“, das ein Wochenende vor Walhalla auf derselben Bühne in der Holstenhalle ausgetragen wird. Der Termin ist am 6. Dezember mit Mia Julia, Ikke Hüftgold, Lorenz Büffel und anderen.
Ebenfalls in Neumünster fand im
April 2022 das „Most Wanted“ Peace-
Benefizfestival zugunsten hilfsbedürftiger Kinder in der Ukraine statt. Den Titel „Most Wanted“ übernahm Kai Michelmann für sein erstes eigenes Festival. Und das veranstaltet er nur fünf Kilometer entfernt von seiner Haustür auf dem Festplatz Kaltenkirchen. „Der Platz ist optimal für Veranstaltungen. Er hat einen direkten Autobahnanschluss. Die Bahn hält auch direkt vor der Tür. Abends können wir die Parkplätze von Dodenhof nutzen.“ Der Platz wird sonst nur fürs ADAC-Fahrertraining, für Flohmärkte und für den Jahrmarkt benötigt. Nun ist es Kais Konzert-Heimstätte. „Das ist mein Baby. Hier bin ich allein verantwortlich“, erzählt er stolz. „Wenn ich etwas mache, soll es cool sein.“
Zum Debüt 2023 gab es an einem Tag Party-Hip-Hop mit Finch und am zweiten eine 80er-Jahre-Party mit Kim Wilde und Thomas Anders. Letztes Jahr war eine 90er-Sommerparty angesagt sowie ein EDM-Tag. Headliner war niemand Geringeres als Star-DJ Alan Walker. „Die 90-minütige Show habe ich mir komplett angeschaut“, freut er sich und erklärt: „Wer sich am Veranstaltungstag als Veranstalter im Kreis drehen muss und im Stress versinkt, hat bei seiner Planung vielleicht etwas vergessen.“ Da geht es ihm wie seinem „Ziehvater“: „Holger ist nirgendwo so entspannt wie in Wacken selbst. Vorbereitung und Nachbereitung sind im Regelfall viel stressiger als das Festival.“
Headliner beim diesjährigen „Electronic Dance Day“ am 18. Juli 2025 ist der US-Amerikaner KSHMR. „Er ist einer der Bekanntesten aus der internationalen DJ-Szene“, so Kai. „KSHMR ist zudem einer der besten Produzenten der Welt in der elektronischen Musik, der schon mit allen Großen produziert hat (u. a. Tiesto,
David Guetta).“ Natürlich soll es dann wieder eine Riesenbühne mit Laser, LED und viel Pyro geben.
Am 19. Juli folgt auf derselben Bühne die Kaki-Summer-Party „Most Wanted 3.0“. „Das wird eine neunstündige Party mit international renommierten Acts. Da spielt alles, was Rang und Namen hat aus den 90ern“, schwärmt Kai.
Mit dabei sind u. a. Rednex, Vengaboys, Snap! und die Stimmungsmacher der Hermes House Band. Aus der Partyschiene hat er zudem die Partyqueen Mia Julia verpflichtet. „Das Line-up wird teurer als 2024, der Ticketpreis wird günstiger. Zwar etwas entgegen der Norm, aber wir möchten noch mehr Gründe zur Teilnahme liefern“, verspricht der Festivalmacher. Statt 49,99 Euro kostet der Eintritt nur 39,99 Euro. Mehr dazu auf der Homepage www.most-wanted-festival.com. CF



