Wie Arne Eggert die Angeliter Brauerei und das Angeliter Open Air gegründet hat
Wir sitzen bei Kaffee und Schokoriegeln bei Arne Eggert im Büro. Nichts erinnert mehr an einen alten Kuhstall oder daran, dass hier Bier gebraut bzw. verkostet wurde.
Arne ist seit jeher ein begeisterter Festivalgänger. Er war schon in Jübek, Roskilde, beim Bizarre, Hurricane und Wacken Open Air. Seit 13 Jahren organisiert er ein eigenes Festival auf dem heimischen Dreiseitenhof.
Den Resthof haben seine Eltern als Sozialpädagogen Anfang der 1970er-Jahre am Dorfrand von Taarstedt (bei Schleswig) erworben, um hier ein Kinderheim zu errichten. „Das zog viele größere ‚Brüder‘ aus Hamburg aufs Land“, scherzt Arne und erinnert sich noch gut an einen älteren Jugendlichen mit AC/DC-Kutte, der ihm als kleinem Steppke imponiert hat. Musik war auf dem Hof allgegenwärtig. Ein Stall wurde zur Metal-Disco. „Meine ersten musikalischen Versuche hatte ich in einer Playback-Band – mit selbst gebauten Gitarren“, so der 51-Jährige. 
Das Kinderheim bestand bis Ende der 90er-Jahre. 2001 hat Arne im Nachbarhaus eine Dachdeckerei gegründet. Neben dem Baubetrieb hat er intensiv die Festivalkultur ausgekostet. Das brachte ihn und zwei Kumpels auf die Idee, selbst Bier zu brauen. Wie es der Zufall so wollte, hörte er eines Tages in Bayern am Nachbartisch, dass jemand eine Brauanlage abgeben wollte. Zwei Wochen später wurde die Anlage abgeholt. „Nun hatten wir eine Brauanlage, aber keinen Schimmer davon, wie und wo es weitergehen soll“, gesteht Arne. Der Ort war rasch gefunden: ein ehemaliger Kuhstall in der Nachbarschaft. Ins Erdgeschoss kam die Brauanlage, ins Dachgeschoss die Verköstigung. Am 1. April 2012 wurde die Weltbrauerei gegründet. „Bescheidenheit ist eine Tugend“, sagt Arne lachend.
Um den Bierabsatz anzukurbeln, veranstalteten die drei Jungbrauer auf dem Hof der Brauerei ein Bierfest mit Liveband. „Das wurde rege angenommen. 2013 haben wir das noch mal gemacht. Der Innenhof platzte aus allen Nähten. Daher sind wir 2014 umgezogen in die Hofanlage des Dreiseitenhofs. Da merkten wir schon, dass der Bierabsatz stieg“, erzählt Arne. Damit wuchs aber auch das Arbeitspensum.
Neben dem täglichen Job mussten die Beteiligten am Wochenende Bier brauen. Alternativen waren gefragt. Auch hier half der Zufall. „2017 kam ein junger Mann und sagte, er sei Brauer und würde gern bei uns einsteigen. Wir boten ihm an, die Brauerei ganz zu übernehmen“, berichtet Arne. Nur zwei Tage später war die Brauerei verkauft. Fünf Jahre lang wurde noch in Taarstedt gebraut, dann ist die Weltbrauerei in die Nähe von Kappeln umgezogen.
Auch das Angeliter Open Air nahm mit den Jahren an Fahrt auf. Das Angeliter Bier wird hier weiterhin ausgeschenkt. Im Jahr 2019 dann der Ritterschlag, als die Powerrock-Legende New Model Army erstmals nach Taarstedt kam. „Ich hatte mich fünf Jahre lang um die Band bemüht. Irgendwann kam die Zusage“, freut sich der Festivalmacher. „Die waren sehr beeindruckt, was hier auf dem Land passiert. Am nächsten Tag hat Sänger Justin sogar noch ein Solokonzert in der Sonne gespielt.“
Übernachtet haben die Bands in den 80er-Jahre-Jugendzimmern im Haupthaus. Zimmer mit einem besonderen Charme, doch sie wurden in den letzten Jahren alle modernisiert. Entstanden sind sieben moderne Ferienwohnungen. Für die individuelle Note sorgen musikbezogene Extras: hier ein Radio als Marshall-Verstärker, dort eine Schlagzeug-Drum als Tisch oder eine E-Gitarre an der Wand. Gitarren zieren auch das Büro und die ausgebaute Scheune. Diese Gitarren sind allerdings übersät mit Autogrammen – jedes Jahr vom Angeliter Open Air auf einem Korpus. „Vielleicht versteigere ich die irgendwann“, überlegt Arne Eggert.
Seit Januar 2024 baut der Dachdeckermeister zusammen mit befreundeten Unternehmen den gesamten Hof zum Kulturzentrum um. In der einen Scheune sind Seminarräume untergebracht, in der anderen ein uriger Veranstaltungsraum. Arne führt uns durch die weitläufigen Räume und zeigt, was alles schon umgesetzt wurde. Er zeigt auch die aktuellen und kommenden Baustellen.

„Hier habe ich mir einen Traum erfüllt“, sagt er beim Öffnen einer Holztür strahlend und gibt den Blick frei auf die zukünftige WC-Anlage des Kulturhofs. In der Kulturscheune wartet gerade ein Handwerker, um über die anstehenden Dämmmaßnahmen zu sprechen. Im Winter hat die Band Thundermother hier auf dem Kulturhof bereits zwei
Videos produziert. Im März gab es erste Lesungen. Ziel ist, dass sich Bands einquartieren, um ihre Alben einzuspielen. Dann brauchen sie nicht mehr nach Mallorca oder sonst wohin zu fliegen.
Während des Angeliter Open Airs finden in der Kulturscheune Interviews und Treffen mit den beteiligten Musikern statt. „Langarm-Fotos“ nennt Arne das. Diesjähriger Termin ist am 15./16. August. Hauptact sind erneut New Model Army, die hier bestimmt die Songs vom neuen Album „Live SO36“ zum Besten geben. Zudem dabei: die Emil Bulls, das schwedische Rocktrio The Gems aus drei ehemaligen Thundermother-Musikerinnen sowie Slime, Prong, Turbostaat, Butterwegge, Rantanplan, Talco und andere mehr.
Das Kartenkontingent ist auf 2.000 Tickets begrenzt. Eine baldige Bestellung wird empfohlen, weil das Festival in den beiden Vorjahren ausverkauft war.
Mehr dazu auf der Festivalhomepage www.angeliter-openair.de. CF
