
Automobilclub überprüft Schulwege und Bringverkehr an Kieler Grundschulen
Wie sicher kommen Kinder morgens zur Schule? Das will der ACE (Auto Club Europa) im Rahmen seiner Aktion „Easy Going – Schulweg-Index 2025“ herausfinden.
In ganz Deutschland nehmen rund 700 Ehrenamtliche in den kommenden Monaten die Schulwegsicherheit an mindestens 150 Grundschulen unter die Lupe. In Kiel war der ACE an der Reventlouschule und der Grundschule Russee. Unterstützt wurden die Beobachtungen vom Regionalbeauftragten Rüdiger Rohlf, von Henning Bergmann vom Mobilitätsmanagement der Stadt Kiel und von den ehrenamtlichen ACE-Mitgliedern Günter Hagemann und Stefan Smal.

An der Reventlouschule war morgens zunächst alles ruhig. In der Beselerallee, direkt vor der Schule, kontrollierte schon früh die Ordnungsbehörde. „Die Präsenz der Ordnungskräfte hat sicher dazu beigetragen, dass sich viele zurückgehalten haben“, sagt Günter Hagemann.
In der nahe gelegenen Waitzstraße war die Lage allerdings ganz anders. Dort wurden 38 sogenannte Elterntaxis gezählt. Viele hielten im Halteverbot, in zweiter Reihe oder in Einfahrten. Eine Fahrerin stellte ihr Auto sogar entgegen der Fahrtrichtung ab, blockierte damit die parkenden StattAutos. Eine andere Frau musste über 15 Minuten warten, bis sie mit einem StattAuto losfahren konnte. Immerhin: Die meisten Kinder stiegen auf der Gehwegseite aus, was etwas mehr Sicherheit brachte.
Auch an der Grundschule Russee war viel los. Über 60 Eltern brachten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Stefan Smal schildert die Lage so: „Der Platz ist dort sehr begrenzt. Wenn dann so viele Autos kommen, wird es eng und gefährlich. Vor allem, wenn Autos auf dem Gehweg halten oder auf dem Lehrerparkplatz.“ Ein Drittel der Fahrzeuge stand auf dem Gehweg, einige parkten dort, wo sie gar nicht durften.
Auch hier fiel positiv auf, dass fast alle Kinder zur Gehwegseite ausstiegen. Ein Lehrer unterstützte den morgendlichen Bringverkehr, indem er mit drei Schülern aktiv half, Schulranzen aus den anhaltenden Elterntaxis zu nehmen. Die Schüler halfen dann den gebrachten Kindern noch, schneller aus dem Auto auszusteigen, damit sich der Verkehr nicht zu sehr vor der Schule staute.
Rüdiger Rohlf zieht ein klares Fazit: „An beiden Schulen sieht man, dass Regeln allein nicht reichen. Wenn Eltern sich nicht an diese halten, wird es schnell gefährlich. Wir brauchen mehr Rücksicht und klare Strukturen – aber auch Kontrollen.“ Auch Henning Bergmann von der Stadt Kiel betont, wie wichtig es sei, gemeinsam mit Schulen und Eltern an besseren Lösungen zu arbeiten.
Mit der Aktion „Easy Going – Schulweg-Index 2025“ will der ACE genau das erreichen: Missstände aufzeigen, Lösungen anstoßen und Schulen ganz konkret unterstützen – mit Infoabenden, Materialien zur Verkehrserziehung und kleinen Hilfsmitteln wie reflektierenden Klappbändern. Denn jedes Kind sollte sicher zur Schule kommen – ohne Stress, ohne Gefahr und ohne Chaos vor dem Schultor.
Die Ergebnisse der mindestens 150 Checks fließen im Herbst in den ACE-Schulweg-Index 2025 ein, um ein deutschlandweites Lagebild zur Schulwegsicherheit zu zeichnen. Dabei will der ACE auf Missstände aufmerksam machen, Verbesserungen anstoßen und Schulen gezielt dabei unterstützen, kinderfreundliche Mobilitätskonzepte umzusetzen. Schulen mit einem besonders kritischen Schulumfeld erhalten durch Infoabende eine zusätzliche Hilfestellung, um gezielt Lösungen zu entwickeln.