Briefmarkensammlerverein trifft sich regelmäßig im Schnittbereich von Hassee und Russee
Die Mitglieder des Vereins für Briefmarkenkunde Kiel von 1890 e. V. treffen sich zweimal im Monat in den Räumen der Schützengilde „Gut Schuß Demühlen“.
Wer Briefmarken sammelt, bewahrt mehr als nur kleine Papierstücke. Jede Marke erzählt eine eigene Geschichte und trägt ein Stück Kultur im Miniaturformat. Diese Leidenschaft verbindet die Mitglieder des Vereins seit über 130 Jahren – und hält Geschichte(n) lebendig. Alle zwei Wochen, montags von 15–17 Uhr, treffen sie sich in der Quarnbeker Straße 14.
In den großzügigen Räumen der Schützengilde entsteht dabei eine gesellige Runde, in der bei Kaffee und Kuchen gefachsimpelt, getauscht und herzlich gelacht wird.
Viele Vereinsmitglieder haben sich auf bestimmte Themengebiete spezialisiert: Segelschiffe, exotische Marken aus China oder Japan, aber auch ungewöhnliche Motive oder philatelistische „Machwerke“ aus Paris oder der Ukraine. Da jeder die Sammelgebiete der anderen kennt, bringt man gern kleine Schätze für Vereinsfreunde mit. Ein Höhepunkt jedes Treffens ist die Tombola von Peter Hack, liebevoll „Hackepeter“ genannt, bei der schon für ein Los von einem Euro interessante Briefmarken gewonnen werden können.
Doch wie viele Traditionsvereine kämpft auch der Kieler Briefmarkenverein mit Nachwuchssorgen. Immer wieder steht die Frage einer Fusion mit anderen Vereinen im Raum.
Leidenschaft seit Kindertagen
„Seit ich Kind bin, sammele ich Briefmarken“, berichtet der 2. Vorsitzende Thomas Altenburger. „Nach meiner Ausbildung bin ich 16 Jahre lang zur See gefahren, habe überall Marken gekauft und mitgebracht.“ Heute stöbert er gern auf Briefmarkenbörsen und – wie viele Sammlerinnen und Sammler – im Internet bei Ebay. Dort lassen sich spannende Stücke finden. Schwieriger wird es, wenn es um besonders wertvolle Raritäten geht. „Dann muss schon einmal ein Prüfer konsultiert werden, der die Echtheit der Marke kontrolliert – und dies auf der Marke auch vermerkt.“
Auch der 1. Vorsitzende Peter Rebien ist schon früh zum Sammeln gekommen. Mit 25 Jahren trat er dem Verein bei. Ihn fasziniert, dass man mit Briefmarken und sogenannten Belegen – also Postkarten, Briefen oder anderen Dokumenten – ganze Geschichten erzählen kann. Seine große Leidenschaft gilt Paris. Rebien hat eine umfangreiche Sammlung aufgebaut, die unter anderem eindrückliche Belege aus dem Deutsch-Französischen Krieg umfasst. Als die französische Hauptstadt damals besetzt war und das Postwesen zusammenbrach, griff man zu ungewöhnlichen Mitteln: Briefe wurden per Heißluftballon hinausbefördert oder sogar in Metallkugeln verpackt und aus der Stadt geworfen. Solche Zeugnisse wie Briefe, Belege und Mikrofilme hat Rebien zusammengetragen und mit Hintergrundinformationen versehen. „Der Beleg hat für mich einen höheren Wert, wenn ich ihn in einen übergeordneten Kontext stelle“, erklärt er.

Mehr als nur ein Hobby
Das Sammeln sei für ihn mehr als das bloße Vervollständigen eines Albums: Es sei ein detektivisches Arbeiten, das die Vergangenheit lebendig macht. Auch aktuelle Themen wie der Krieg in der Ukraine, in dem Briefmarken gezielt als Kommunikationsmittel eingesetzt werden, finden Eingang in seine Sammlung.
So zeigt der Verein für Briefmarkenkunde Kiel eindrucksvoll: Briefmarkensammeln ist nicht nur ein Hobby, das Werte bewahrt, sondern vor allem eine Beschäftigung, die den Horizont erweitert. Hier entdecken die Mitglieder Geschichte(n), teilen ihr Wissen und geben ihre Erfahrung gern an Interessierte weiter.
Wer neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, bei einem der Treffen vorbeizuschauen. Sammlungen aus Nachlässen können zur Begutachtung mitgebracht werden. Die Vereinsfreunde beraten gern. CK
