
Sieben Oberbürgermeister-Kandidaten diskutierten mit dem Publikum in respektvollem Rahmen
Dicht gedrängt saßen Interessierte auf den Kirchenbänken der Michaeliskirche trotz des regnerischen Sonntagnachmittags am 26. Oktober, um zu erfahren, was die geladenen Oberbürgermeisterkandidaten für unsere Stadt, insbesondere für den Stadtteil Hassee, beabsichtigen.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde waren im Rahmen einer geführten Fragerunde zwei lokale Themen von Bedeutung.
Ausbau B 404 zur Autobahn
Dr. Samet Yilmaz (Bündnis 90 / Die Grünen), der mit seiner Familie im direkt angrenzenden Stadtteil Russee wohnt, betrachtet den Ausbau der B 404 – wie auch Marcel Schmidt (SSW) – als „sehr kritisch”, da mehr Druck auf den Bund zur Kostenübernahme nach seiner Ansicht nicht helfen wird, um die Kommunen zu entlasten, und darüber hinaus viele Grünflächen weichen müssten. Er sprach sich stattdessen für einen vierspurigen Ausbau der B 404 aus. Auch aus persönlichen Erfahrungen lehnt Yilmaz die Autobahn ab: „Ich bin am Theodor-Heuss-Ring groß geworden.
Meine Familie musste ausziehen, weil das Haus abgerissen wurde, damit der Verkehr besser fließen kann. Es hat aber nichts gebracht”, erklärte er seine Beweggründe.
Ulf Daude (SPD) positionierte sich dagegen klar für den Ausbau, sofern die Finanzierung durch den Bund erfolgt: „Wir brauchen das Geld an anderer Stelle. Der Bund wird die Kosten komplett übernehmen, deshalb bin ich dafür”, argumentierte der derzeitige Schulleiter.
Der gleichen Ansicht war auch der ehemalige NDR-Moderator Gerrit Derkowski (parteilos, unterstützt von CDU und FDP), da nach seiner Ansicht auch ein vierspuriger Ausbau Grünflächen fordern würde: „Wir sollten über Ausgleichsflächen reden, wenn Grünflächen betroffen sind, aber wir sollten das Geld vom Bund für den Ausbau nehmen, um die Stadtkasse zu schonen”, so der parteilose OB-Kandidat.
Björn Thoroe (Linke) hält von dem Ausbau hingegen nichts: „Wir haben ja nicht mal Stau, es würden auch Kleingärten und Nebenstrecken sowie viele Wohnungen von dem Ausbau betroffen sein. Das kostet enorm und sorgt für riesige Baustellen, das ist totaler Quatsch.”
Bessere Anbindung an die KVG?
Zur Frage, welche Möglichkeiten die Kandidaten sehen, um die Anbindung unseres Stadtteils mit der KVG wiederherzustellen (vormals durch die Linien 12, 13) sprachen Thoroe und Ketelsen sich für die Einrichtung der Stadtbahn aus, insbesondere, um Personalressourcen freizusetzen und dann im Stadtteil zu nutzen.
Ulf Daude plädierte ebenfalls für die Stadtbahn: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Ausbau der Stadtbahn noch mal geprüft wird. Zwar ist Hassee in der ersten Ausbauphase nicht direkt angeschlossen, aber im Vorfeld können wir die Stadtbahn als Gamechanger betrachten, durch den Ressourcen frei werden, um diese nach Hassee zu bringen.”
Gerrit Derkowski brachte hingegen das eigentliche Problem zur Sprache: „Der Stadtteil Hassee ist bei der Anbindung an die Stadtbahn gar nicht vorgesehen. Mein Konzept beruht daher auf zwei Expressbuslinien, die beide nach bzw. durch Hassee führen. Sie stoppen nur an jeder dritten Haltestelle und werden mit den S-Bahn-Punkten verbunden“, erläuterte er. Außerdem sollen sogenannte ‚Mobilitäts-Hubs‘ eingerichtet werden, an denen sich Zug, Bus, Fahrrad, Carsharing, Scooter und andere Verkehrsmittel treffen. Daneben spielt für Derkowski bei der Frage der Mobilität der Ausbau des Fernverkehrs eine wichtige Rolle: „Es führen bereits Gleise in fünf verschiedene Himmelsrichtungen, diese kreuzen sich dann an bestimmten Punkten mit S-Bahn-Linien und Mobilitäts-Hubs”, erklärt der OB-Kandidat sein KI-Motion-Konzept.
Dr. Yilmaz regte hingegen an, die Wünsche der Anwohner noch bestimmter zum Ausdruck zu bringen: „Jeder Protest hilft“, verdeutlichte er. „Als Oberbürgermeister könnte ich den Bedarf äußern, dass es Menschen in Hassee gibt, die mehr Busse haben wollen, denn bis zur Stadtbahn dauert es noch etwas.“
Insgesamt verlief die Diskussion trotz anfänglicher Zwischenrufe und Beschwerden über die zwei fehlenden Kandidaten sehr respektvoll. Auch das Publikum war rege interessiert und hatte so viele Fragen, dass die Veranstaltung zwei Stunden statt der geplanten 90 Minuten andauerte. Wer seine Fragen nicht in der großen Runde loswerden konnte, hatte im Anschluss noch die Möglichkeit, die OB-Kandidaten im Kirchenvorraum direkt zu befragen. VB