Das Waldhaus im Vieburger Gehölz, das vor 22 Jahren von Avedan Freyer gegründet wurde, wird nun von der nächsten Generation fortgeführt
Das Waldhaus Kiel besteht seit 22 Jahren und geht nun an eine neue Generation über. Junge Leute, die schon als Kinder etwa bei Wald-Erlebnistagen oder Kindergeburtstagen im Waldhaus begeistert waren, sind heute führend im Verein aktiv.
Die Idee, aus der das Waldhaus überhaupt erst entstand, kam von der Waldpädagogin-Pionierin Hilke Freyer, genannt Avedan, die Jahre zuvor den ersten Waldkindergarten Kiels gegründet und mit ihrer Freundin und Mitstreiterin Gaby Fischer sommers wie winters mit den Kindern draußen im Vieburger Gehölz geführt hatte. Es war der zweite Waldkindergarten in ganz Schleswig-Holstein.

Damals, um das Jahr 2000, war das Gelände am Hornheimer Weg 98 völlig verwahrlost und das Gebäude bereits zum Abbruch ausgeschlachtet, Trümmer und Müll schon vom Kraut eingewachsen. Da hatte Avedan die Vision, diesen Ort wieder zum Leben zu erwecken – als Treffpunkt für Kinder, die aus dem Waldkindergarten herausgewachsen waren und sich nun nach „ihrem“ Wald sehnten, als Ort für eine Kleinkinder-Wald-Spielgruppe und für naturpädagogische Aktivitäten für Jugendliche und Erwachsene.
„Eines Tages“, erinnert sich Christian Kuhtz-Kunow zurück, dessen älterer Sohn gerade im Waldkindergarten war, „kam Gaby Fischer auf mich zu und stellte mir Avedan und ihre Idee vor. Ich war sofort begeistert.“
Ein Jahr lang verhandelten wir immer wieder mit der Immobilienwirtschaft der Stadt, die schließlich von Avedans Konzept überzeugt war und mit dem inzwischen gegründeten Verein „Waldhaus Kiel e.V.“ den Vertrag zur Nutzung des Geländes abschloss.
Es folgten intensive Entmüllungs- und Aufräumarbeiten mit Unterstützung des Grünflächenamtes, die Instandsetzung des Gebäudes in Eigenregie, wobei Avedan immer wieder kreative Ideen zur Integration von Menschen in schwierigen Lebenslagen bei den Arbeiten umsetzte.
Schon in der Anfangsphase war Avedan sehr oft zusammen mit Waldkindern auf dem naturnahen Gelände aktiv. Es sollte ja ein Ort gerade für Kinder werden, und die freuten sich natürlich über diesen wilden „Abenteuerspielplatz“.
In den folgenden Jahrzehnten etablierten sich verschiedene naturpädagogische Veranstaltungen für Jung und Alt auf dem Gelände: Kinder-Walderlebnis, Ferienpass-Angebote in der Natur, Treffen, Feste und Mitmach-Aktionen, Werken mit Naturmaterialien und die „Offene Pforte“, immer am Samstag von 14–17 Uhr.
Doch so ein Verein kann auch zum „Altenverein“ werden und aussterben, wenn die einstmals jüngeren Aktiven nur unter sich bleiben.
Nun ist Avedan am 30. Juli dieses Jahres verstorben, aber ihre Idee lebt weiter in der neuen Generation. So wie die Obstbäumchen, die wir damals auf dem Gelände pflanzten, uns heute mit leckeren Früchten versorgen. Denn Avedan hatte schon seit einigen Jahren den interessierten jungen Leuten viel Freiraum zur Mitgestaltung gegeben.
Als sie wusste, dass sie bald sterben würde, gab sie noch einmal auf rührende Weise all ihr Wissen, ihr Waldhaus-Begeisterungs-Gefühl und das Know-how ihrer Hintergrundarbeit, die sie bis zuletzt für den Verein tat, an die junge Generation weiter, die jetzt das Waldhaus führt und mit neuen Impulsen weiterentwickelt.

Für Avedans Pionierarbeit können wir zutiefst dankbar sein. Die älteren Waldhäusler*innen sind weiterhin nach Kräften aktiv dabei, können aber auch mehr und mehr in den Hintergrund treten, voll Zufriedenheit, dass die Ideen und Ideale weiterleben. So wird das Waldhaus nach wie vor Begeisterung für die Natur auf vielfältige Weise wecken. Das äußert sich auch in ganz praktischen Dingen, in denen der Naturkreislauf direkt erlebbar wird. Es gibt zum Beispiel Apfelsaft aus den dort gewachsenen Äpfeln, die nicht direkt gegessen wurden. Man kann Getreide dreschen, mahlen und im mit Reisig vom Gelände geheizten Lehmofen Brötchen backen. Es gibt eine Bio-Toilette, und das warme Wasser wird von der Sonne geheizt. Auch im Herbst sind wieder Veranstaltungen geplant.
Christian Kuhtz-Kunow
Waldhaus-Termine im Herbst
Sa. 18.10. 14–17 Uhr
Upcycling: Aus Altglas-Flaschen Windlichter und Becher bauen (ab 12 Jahren)
So. 19.10. 14–17 Uhr
Korn mahlen und Brötchen backen im Lehmofen
Sa. 25.10. ab 11 Uhr
Haus- und Gartentag
So. 26.10. 14–17 Uhr
Wolle spinnen lernen mit Johanna Lindemann (Anmeldung 01578/ 6550141)
Sa. 8.11. 14–17 Uhr
Fackeln ziehen aus Wachsresten (ab 6 Jahren)
So. 9.11. 14–17 Uhr
Wolle spinnen lernen mit Johanna Lindemann (Anmeldung 01578/ 6550141)
Mi. 12.11. ab 17 Uhr
Körbe flechten (ab 8 Jahren)
