Serie mit Archivfotos aus dem Kieler Süden.
Teil 77 über das Mehrfamilienhaus Gärtnerstraße 68/ Ecke Hasseer Straße
Neulich bekam unsere Redaktion eine nette Kurznachricht per E-Mail von Roland Freese aus Dobersdorf mit folgendem Inhalt:
„Unsere Familie ist seit 1962 Eigentümerin des Mehrfamilienhauses Gärtnerstraße 68. Ich habe zwei Schwarz-Weiß-Fotos, 7 x 7 cm, die die Hausansicht zum Zeitpunkt 1962 zeigen. Zu erkennen sind die Freileitungen und hölzerne Strommasten sowie das alte Straßenpflaster.
Bis etwa 1965 befand sich im Erdgeschoss ein Edeka-Laden, heute würde man wohl ‚Tante-Emma-Laden‘ sagen. Letzter Kaufmann war Oskar Schmidt. Übrigens, der nächste Edeka-Laden war fast in Sichtweite, und zwar in der Hasseer Straße stadteinwärts auf der linken Seite – noch vor dem Bahnübergang.
Im zum Laden gehörenden Keller befand sich ein sogenannter Petroleumkeller. Dies mag deutlich machen, welche Bedeutung dieser Brennstoff zur Zeit der Erbauung des Hauses im Jahr 1912 noch hatte.“

Ergänzend zur Mail erzählt Roland Freese, dass es 1912 wohl üblich gewesen sei, dass Bauunternehmen solche Mehrfamilienhäuser auf Vorrat gebaut und erst nach Fertigstellung verkauft haben. So zumindest seine Vermutung, da ihm bei Einsicht in den bauzeitlichen Lageplan aufgefallen ist, dass die Bauunternehmung Südel gleich bei vier nebeneinanderliegenden Grundstücken eingetragen ist.
Bemerkenswert auch: Die leinenverstärkte Original-Bauzeichnung ist vom 24. August 1911. Bereits nach 28 Tagen, am 21. September 1911, wurde die Baugenehmigung erteilt.
Dieses Eckhaus hat 13 Wohnungen, drei Zweizimmerwohnungen pro Etage. Wie früher üblich, waren die Toiletten ursprünglich im sogenannten Zweistubenhaus. Erst später wurden die WCs in die Wohnungen eingebaut. „Der letzte Mieter hat bis zum Vorjahr die Toilette auf der Treppe benutzt“, so der Eigentümer. „Er hat über 20 Jahre so gewohnt.“
Heute sind die 1,5 m² großen Kammern Abstellräume. Außer einer, die nutzen Handwerker oder der Vermieter selbst. Bei seinen Besuchen nimmt Roland Freese immer gern KIEL LOKAL aus dem Treppenhaus mit. „Besonders interessant finde ich die historischen Seiten“, sagt er. Heute kann er auf der rechten Seite die beiden Fotos aus seiner Sammlung sehen. CF
