Bienen, Wespen, Hornissen – so wichtig sie für unsere Umwelt auch sind, so ungebeten sind die Insekten, wenn sie die sommerliche Kaffeetafel stören.
Doch wer genau summt und brummt eigentlich um den Pflaumenkuchen? Wer nistet im Rollladenkasten, in der Mauerritze, an der Haustür und geht von den lästigen Tierchen eine Gefahr aus? Zerstören sie im schlimmsten Fall sogar meine Dämmung? Lassen sie sich gegebenenfalls umsiedeln? Darf ich sie fangen, gar töten oder stehen sie unter Naturschutz?
Es sind viele Fragen, die Sommer für Sommer mal leiser, mal lauter hervorploppen – auch in Kronshagen, der Gartenstadt, die so manchem Insekt mit den zahlreichen Blüten und Grünflächen einen willkommenen Lebensraum bietet. Wir haben uns ein paar von ihnen herausgepickt, mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.) Schleswig-Holstein, der Gemeinde und weiteren Akteuren gesprochen und dabei spannende Einblicke erhalten.
Zuallererst: Wer wiederkehrende Insektenbesuche bei sich auf dem Balkon, auf der Terrasse, im Wohnraum entdeckt, muss diese in den meisten Fällen tolerieren und sich mit den unerwünschten Mitbewohnerinnen arrangieren. Denn alle heimischen Wespen, Bienen, Hornissen und Hummeln stehen unter Naturschutz, einige von ihnen sogar unter strengem Artenschutz, um die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu bewahren und dem Verlust an Biodiversität entgegenzuwirken. Nur wenn ein „vernünftiger Grund“ vorliegt, wie es vom Land Schleswig-Holstein heißt, beispielsweise eine Insektengiftallergie, kann ein Fachmensch zu Rate gezogen und das Nest umgesiedelt werden.
Der richtige Ansprechpartner? Das ist in einem solchen Falle allerdings weder die Gemeinde noch die Feuerwehr, sondern ein professioneller Schädlingsbekämpfer. Bei Unsicherheiten helfen aber auch BUND und NABU gern beratend weiter.

Wer schwirrt eigentlich um uns herum?
„Ih, eine Biene!“ – Der Ausruf, der im Sommer beim Eisschlecken oder am Grillbüfett oftmals erklingt, ist in der Regel falsch. Denn an Süßem und Fleisch sind nur zwei Wespenarten interessiert: die „Gemeine Wespe“ und die „Deutsche Wespe“; beide dafür aber leider stark.
Das richtige Verhalten? Der BUND Schleswig-Holstein rät vor allem zum „Ruhe bewahren“, Speisen gut abzudecken und Getränke zu verschließen. Versuche, die Tiere wegzuwedeln, machten sie oft erst richtig angriffslustig und sollten daher vermieden werden. Ebenfalls, sie mit der Atemluft fortpusten zu wollen. „Ausgeatmetes CO2 macht Wespen aggressiver“, erklärt Sina Clorius, Pressereferentin des BUND Schleswig-Holstein.
Ist die Lage des Wespennests bekannt, empfiehlt sie, beispielsweise eine Blende „als Sichtschutz unter dem Nest“ anzubringen. „Dann sehen die Wespen keine menschlichen Bewegungen, fühlen sich nicht bedroht und lassen Menschen in Ruhe. Für eine Blende kann zum Beispiel mit zehn Zentimetern Abstand zum Nest ein Stück Stoff gespannt und mit Klebeband fixiert werden.“
Echte Schäden seien durch Wespennester übrigens weniger zu erwarten. „Wespen nehmen Holz in kleinen Mengen auf, um ihre Nester zu bauen, man sieht ihre Fraßspuren oft an Gartenmöbeln, aber das ist minimal. Manchmal nehmen sie ,aus Versehen‘ auch Dämmmaterial auf, aber auch dies nur minimal“, erklärt die Expertin.
Doch nicht nur Wespen, auch Solitärbienen (und solitär lebende Wespen) nisten immer wieder dort, wo sie im ersten Moment irritieren: zum Beispiel in den Sandfugen der Basaltsteine direkt vor der Haustür. Was hier erlaubt ist? Das vorsichtige Auffegen der vielleicht störenden Sandhäuflein, die bei den Ausgrabungen der Tiere entstehen. Ansonsten sollten die Tiere in Ruhe gelassen werden und Freude sollte gemäß Clorius Einzug halten, „dass Sie diesen seltenen, streng geschützten Tieren einen Lebensraum bieten“.
Um Aufmerksamkeit wird gebeten
Hornissen stehen, wie oben bereits erwähnt, in Deutschland ebenfalls unter strengem Schutz – allerdings nur die heimische Europäische. Seit 2014 hat sich jedoch auch die Asiatische Hornisse als invasive Art trotz umfangreicher Bekämpfungsmaßnahmen in Deutschland ausgebreitet. 2025 wurde sie erstmals in Schleswig-Holstein vorgefunden. Wer weitere Sichtungen vermutet, sollte das Tier nach Möglichkeit fotografieren. Außerdem „sollten alle Sichtungen unverzüglich den Naturschutzbehörden gemeldet werden“, heißt es in einer Erklärung des Landes. Der richtige Ansprechpartner ist hier das Landesamt für Umwelt, das Meldungen gern per Mail an invasive.arten@lfu.landsh.de
entgegennimmt. Übrigens – auch hier gilt: Da Verwechslungsgefahr mit geschützten Arten besteht, ist von einer Tötung einzelner Tiere abzusehen. Stattdessen helfe es aber, die Flugrichtung der Insekten zu beobachten, um im besten Fall hilfreiche Hinweise auf einen eventuellen Neststandort geben zu können.
Text: Anna Maria Bader, Fotos: Sabine Flechtmann
