
Bei der 360. Sitzung des Ortsbeirats (OBR) Russee/Hammer/Demühlen war der Andrang so groß wie noch nie. Zahlreiche Bänke wurden aufgestellt, Anwohner rückten zusammen, dennoch fanden Dutzende keinen Sitzplatz mehr und lauschten dem Geschehen vor der offenen Vereinstür des SV Hammer.
Insbesondere zwei Themen interessierten die Russeer und Hammeraner an diesem Abend: Wird der Speckenbeker Weg für den Durchgangsverkehr gesperrt und was passiert mit dem ehemaligen Landesbesoldungsamt?
Speckenbeker Weg bleibt für den Verkehr geöffnet
Die gute Nachricht stellte der OBR-Vorsitzende Michael Frey voran: „Am Speckenbeker Weg wird sich nichts ändern.“ Grund für die Unruhe war ein Informationsleck bei der Stadt Kiel.
Nachdem im Juli 2026 ein Prüfantrag gestellt wurde, ob der Speckenbeker Weg unter Unterbindung des motorisierten Verkehrs in eine Fahrradstraße umgewidmet werden kann, wurde das Thema im Rahmen eines Regeltermins mit Vertretern des Ordnungs- und Tiefbauamts diskutiert.
Im Rahmen dieser Diskussion hatte ein Mitarbeiter der Stadt Kiel diese interne Information innerhalb einer Chatgruppe an Dritte weitergegeben. Bei der Weitergabe der Information entstand der Eindruck, dass eine Sperrung des Weges unmittelbar bevorstehe, erklärte Sascha Thümmler, Stadtrat für Finanzen, Personal, Ordnung und Feuerwehr. „Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen“, so Thümmler.
Keine Entscheidung über Fahrradstraße oder Modalfilter
Eine Sperrung des Speckenbeker Weges wurde bereits häufiger im Ortsbeirat diskutiert. Damals wurden zwei Varianten vorgeschlagen, zum einen ein sogenannter Modalfilter, bei dem eine Straße für bestimmte Verkehrsmittel gesperrt wird, und zum anderen der Ausbau der Straße. Trotz intensiver Diskussionen gab es keine einheitliche Meinung dazu, und so wurde weder im Ortsbeirat Russee/Hammer/Demühlen noch in Hassee eine Entscheidung getroffen. Da die Verwaltung nicht aktiv wurden, können nun Anwohner und Anlieger aufatmen.
Der Stadtrat betonte nochmals, dass jeder Bürger das Recht habe, derartige Anträge zu stellen und diese sachlich zu diskutieren, nachdem es in den sozialen Medien zu sehr kontroversen Diskussionen kam, bis hin zu Äußerungen, die so Thümmler, „geeignet sind, Bedrohungsangriffe darzustellen”.
Ehemaliges Landesbesoldungsamt soll Flüchtlingsunterkunft werden
Es ist erst ein Jahr her, da hatte Gerwin Stöcken erklärt, dass in dem ehemaligen Landesbesoldungsamt im Speckenbeker Weg 133 keine Geflüchteten untergebracht würden, da man sich mit dem Investor nicht einigen konnte und die Flüchtlingszahlen ohnehin rückläufig seien. (Artikel aus Februar 2026)
Nun habe sich die Lage laut Stöcken geändert, da die Bundeswehr einige der vermieteten Gebäude aufgrund der angespannten politischen Lage zurückgefordert und ein neuer Investor das Gebäude gekauft hat.
Bis zu 255 Geflüchtete könnten einziehen
Wann genau die Mietverträge durch die Bundeswehr gekündigt würden, sei derzeit noch unklar. Dabei geht es maßgeblich um die Bewohner des Schusterkrugs, welche im Speckenbeker Weg untergebracht werden sollen. Maximal 255 Personen, bestehend aus Familien mit kleinen Kindern, Paaren und auch alleinstehenden Personen, sollen dann in die neuen Unterkünfte einziehen, bis sie eine eigene Wohnung finden.
Das größere rechte Gebäude soll in eine klassische Gemeinschaftsunterkunft umgebaut werden – mit gemeinsamer Küche, Badezimmern und einem großen Aufenthaltsraum. Im Innenhof wird ein Spielplatz entstehen. Das linke Gebäude wird mit Apartments inklusive kleiner Küche und Badezimmer ausgestattet, da viele der Geflüchteten bereits seit Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, erläuterte Anja Währer, Leiterin des Amtes für Wohnen und Grundsicherung.
Umbau und Baugenehmigung stehen noch aus
Bis die Geflüchteten einziehen können, bedarf es zunächst einer Baugenehmigung. Nach einem erfolgten Umbau und Verhandlungen mit dem neuen Investor will die Stadt Kiel die Gebäude dann mieten. Der Zeitplan steht bisher nur grob. Mit einem Einzug rechnet Gerwin Stöcken frühestens im Jahr 2028, da derzeit auch noch ungewiss ist, wann die Bundeswehr die Gebäude tatsächlich zurückfordert.
Die nächste OBR-Sitzung findet am 15. September als Jugendsitzung in den Räumen der Grundschule im Russeer Weg 11–13 statt. Beginn ist bereits um 17.30 Uhr.
Lärmbeschwerden bei der Schützengilde
Die Schützengilde „Gut Schuss Demühlen“ in der Quarnbeker Straße 14 bietet am 14. September 2026 um 17 Uhr ein Treffen an, um über Anwohnerbeschwerden wegen Lärm zu sprechen. Ein Vertreter des OBR ist ebenfalls eingeladen. VB