
Serie mit Archivfotos aus dem Kieler Süden.
Es war vor 50 Jahren, im Sommer 1976, als der in Flensburg gebürtige Bernd Honig an der Kieler Universität im Grundstudium der Geografie eine empirische Aufgabe übernahm. Dabei lernte er den Stadtteil Hassee erst richtig kennen.
Der Dozent hatte einen Kieler Stadtplan mitgebracht. Diesen riss er an den Falzstellen in Stücke. So ergaben sich rechteckige Kartenschnipsel. Jeweils zwei oder drei Studenten bildeten eine Arbeitsgruppe. Da ich einer Fünfergruppe zugeteilt wurde, bekam mein Team ein größeres Kartenstück. Ich erinnere mich noch gut, dass es vom Jüdischen Friedhof in der Michelsenstraße bis zum Wasserwerk Schulensee und weiter bis zur Bus-Endhaltestelle mit ihrem markanten Zigarettenpavillon reichte.

Hassee entdecken im Sommer 1976
Unsere Aufgabe bestand darin, Besonderheiten unseres Stadtplanausschnittes zu erkunden (etwa Sportplätze, Kirchen, öffentliche Gebäude). Zudem waren möglichst flächendeckend Informationen über die Wohnbebauung zu sammeln. Zum Beispiel das Alter der Häuser, das manchmal über der Eingangstür ins Mauerwerk modelliert war. Oder wir haben es simpel geschätzt. Daneben sollten die Wohnungen gezählt werden. Das geschah durch Zählen der Klingelknöpfe. Letztlich war die Dachform (Spitzdach, Flachdach) zu notieren.
Puh, das war eine kilometerlange Strecke, die mühevoll erwandert werden musste, weil ja alle auf unserem Kartenstück verzeichneten Straßen, Wege, Pfade zu Fuß zu erkunden waren. Wir benötigten etliche Wochenenden. Aber so lernte ich Hassee gründlich kennen.

Fußballspiele auf der Waldwiese
Der VfB-Platz an der Waldwiese war mir nicht neu. Mehrfach war ich bereits als Schlachtenbummler meines Flensburger Fußballvereins „08“ dort gewesen. Viele Jahre später besuchte ich dort Spiele der Holstein Women. Auch kommt mir ein Match des 1. FC Nürnberg Anfang der 1990er-Jahre auf der Waldwiese in Erinnerung. Besonders umjubelt waren der gebürtige Kieler Nationaltorwart Andy Köpke und der damals beliebte Spieler Souleyman Sané, dessen Sohn Leroy bei Bayern München gespielt hat und heute Nationalspieler ist.


Mit dem THW Kiel an die Wolga
Eines Nachts, etwa Mitte der 1990er-Jahre, begab ich mich zum THW-Vereinsheim im Krummbogen. Dort war der Treffpunkt, um mit den hiesigen Handball-Stars die Reise zu einem Europacup-Spiel nach Wolgograd, dem früheren Stalingrad, anzutreten. Das war eine günstige Gelegenheit, diese historienbeladene russische Stadt zu besuchen. Die Stadt am Wolga-Strom wurde ausgiebig besichtigt, das Handballspiel aber fiel aus.

Tanzpalast und Partys an der Rendsburger Landstraße
Auch lernte ich den Tanzpalast in der Rendsburger Landstraße kennen. Für eine Studentengazette schrieb ich einen Bericht über diese Vergnügungsstätte. Irgendwann zog ein Studienfreund in die Rendsburger Landstraße. Bei ihm feierten wir zahlreiche feuchtfröhliche Partys.

Singender Schlachtermeister
Bevor ich nach Kiel kam, war mir schon Kuno Witt, „der singende Schlachtermeister“, ein Begriff. Er war in der Fernsehsendung „Die aktuelle Schaubude“ mehrfach aufgetreten. Jahre später durfte ich ihn persönlich kennenlernen. In meiner Schallplattensammlung befindet sich noch heute eine Scheibe von ihm.

Exerzierplatz und Bunker
Dass die Revolutionsmatrosen 1918 vom Exerzierplatz bei der Waldwiese losmarschierten, erfuhr ich bei einem Vortrag im Museum Warleberger Hof. Etliche Mitbürger glauben irrtümlich heute noch, der historische Ort wäre der „Exer“ in der Innenstadt gewesen.
Im Rahmen eines Forschungsprojektes habe ich mehrere Bunker im Stadtteil aufgesucht, manchmal, da sie recht versteckt liegen, geradezu aufgespürt.
Nun bin ich seit Jahren in Hassee verwurzelt, bin ehrenamtlich aktiv und fühle mich dem Stadtteil verbunden. Rückschauend sei gesagt: Ich kannte Hassee bereits viel, viel früher – es war mir nur nicht bewusst. Bernd Honig