Als im Bierkeller Skat gespielt wurde

Christian Schönings Restaurant und Frühstückslokal in der Hasseer Straße 52. Der Flachdach-Anbau in der Mitte ist der Saal. Links daneben die Hasseer Schmiede. Foto: Stadtarchiv Kiel

Serie mit Archivfotos aus dem Kieler Süden.
Teil 74 über das „Hasseer Bierlokal“ in der Hasseer Straße 52

Neulich kamen der 87-jährige Karl Hagemann und seine
Frau Ingrid mit drei Bilderrahmen und einem Stapel alter Fotos in die Verlagsräume von KIEL LOKAL.

Karl Hagemann hatte bis ins Jahr 2013 das „Hasseer Bierlokal“ verpachtet.
Die Gaststätte war jahrzehntelang eine Institution in der Hasseer Straße, bestand sie doch mindestens schon seit 1900. Vorherige Inhaber waren Christian Schöning und Friedrich Erich, genannt Fritz, der Großvater von Karl Hagemann.
Während des Besuchs erzählte er von erschütternden Ereignissen: „Im Saal waren 1944 an die 50 Soldaten der Nebeltruppe Elandsberg einquartiert. Eines Tages wurde das Gebäude von einer Luftmine getroffen. Da war ich als Siebenjähriger im Kindergarten. Als ich nach Hause kam, hingen Leichenteile in der Kastanie.
Mein Vater war beim Militärdienst und gerade im Heimaturlaub. Er hatte nichts Besseres zu tun, als mit den Soldaten im Bierkeller Bier zu trinken und Skat zu spielen. Er hat überlebt, weil er sich beim Alarm aufs Fahrrad schwang, um im Naturbunker am Uhlenkrog Schutz zu suchen. Noch auf der Fahrt wurde er durch den Druck der Luftmine in eine
Hecke geschleudert und hat nur Kratzer davongetragen.
Unser Haus war zerstört. Wir waren heimatlos und wussten nicht wohin. Eine Woche lang sind wir beim Onkel untergekommen. Dann bekamen wir eine Wohnung bei Tante Minna im Uhlenkrog. Dort haben wir ungefähr zwei Jahre gewohnt.
In der Zwischenzeit war der Krieg zu Ende und Mutter Margarete konnte, weil sie gut Englisch sprach, von den Engländern eine Offiziersbaracke am Elandsberg erwerben. Die Baracke wurde abgebaut und von Onkels Gerüstbaufirma Hagemann in der Hasseer Straße wieder aufgebaut. Sie stand 1946. In der Baracke wurde der Sparclub ‚Alter Fritz‘ wieder gegründet.
Das Haus, das jetzt dort steht, wurde 1953 gebaut bzw. zumindest begonnen. Die zweite Hälfte wurde 1955 fertiggestellt. Später wurde die Kegelbahn angebaut. Aus der Kegelbahn sind neun Garagen entstanden und aus dem Rest drei kleine Wohnungen.“ CF