
Entsteht ein Flüchtlingsheim im ehemaligen
Landesbesoldungsamt am Speckenbeker Weg?
Das Vereinsheim des SV Hammer platzte bei der 349. Sitzung des Ortsbeirats Russee/Hammer/Demühlen am 20. Mai 2025 aus allen Nähten. Die Sitzung war so gut besucht, dass es keine freien Sitzplätze mehr gab – sogar Holzbänke mussten zusätzlich aufgestellt werden, um allen interessierten Anwohnenden und
Gästen einen Sitzplatz zu ermöglichen.
Der Ortsbeiratsvorsitzende Michael Frey freute sich über „die stattliche Zahl an Besuchern“. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass weder die „Einzäunung des Spielplatzes Spandauer Weg/Havelzeile“ noch der „Fuß- und Radverkehr in Hammer“ als größere Tagesordnungspunkte der Grund für die außergewöhnliche Besucherzahl waren.
Vielmehr interessierten sich die Anwohnenden dafür, ob nunmehr eine Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Landesbesoldungsamt im Speckenbeker Weg 133 eingerichtet wird. Michael Frey und Ratsherr Sebastian Thiede (CDU), welche – unabhängig voneinander – erst wenige Tage vor der Sitzung mit Stadtrat Gerwin Stöcken gesprochen hatten, teilten mit, dass keine Flüchtlingsunterkunft geplant sei, insbesondere auch weil die Anzahl der Menschen, die zu uns kämen, rückläufig sei.
Das beruhigte die Anwesenden jedoch keineswegs, haben viele als Nachbarn doch bereits von der Baugenehmigung mit Ausstellungsdatum vom 15.4.2025 erfahren, in der einem privaten Investor die Nutzungsänderung von Bürogebäuden zur Flüchtlingsunterkunft genehmigt wurde. Die Anwohnenden, die bis dato nichts von dem geplanten Vorhaben wussten, hatten entsprechend viele Fragen. Kommt die Flüchtlingsunterkunft oder nicht? Sind überhaupt entsprechende Versorgungsleitungen und Anschlüsse für so ein Vorhaben vorhanden? Und wie kann in einem solchen Gebiet überhaupt eine Flüchtlingsunterkunft genehmigt werden?
Der Ortsbeirat, der von der Baugenehmigung bislang keine Kenntnis hatte, konnte dazu keine abschließende Antwort geben, auch wenn der Vorsitzende betonte, dass erst mal nur eine Baugenehmigung erteilt wurde, was jedoch nicht automatisch dazu führe, dass die Stadt Kiel sich für die Unterbringung von Flüchtlingen letztlich auch einmietet. Der Hinweis von Michael Frey, dass das ehemalige Landesbesoldungsamt zum Ortsbeiratsbezirk Hassee/Vieburg gehöre und deshalb grundsätzlich keine Zuständigkeit bestände, stieß auf wenig Verständnis bei den Anwohnenden, die in so unmittelbarer Nähe wohnen, dass sie als nachbarliche Anlieger über das Vorhaben informiert bzw. beteiligt wurden.
Möhring-Liedtke betonte nochmals: „Wir hören Ihre Sorgen, wir nehmen diese mit und versuchen eine Klärung herbeizuführen.“ Die nächste Ortsbeiratssitzung dürfte daher ebenso spannend und gut besucht sein.
Bericht der örtlichen Polizei
„Hier lebt es sich sicher, hier lebt es sich gut“, begann der derzeitige Leiter der Polizeistation, Lasse Ratjen, seinen Bericht über die Kriminalstatistik und Verkehrssicherheit im Ortsbeiratsgebiet Russee/Hammer/Demühlen.
Zwar haben sich die Diebstahlsdelikte in Boden-, Kellerräumen und Waschküchen von 2023 auf 2024 in Russee von 10 auf 21 verdoppelt (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik LHS Kiel 2024). Verglichen mit anderen Stadtteilen, gerade im und um den Innenstadtbereich, sind diese allerdings deutlich niedriger, was laut Ratjen vor allem an der Beschaffungskriminalität, also zum Erwerb von Drogen, liegt.
In Russee/Hammer/Demühlen gäbe es eher vereinzelte Fahrraddiebstähle. Daher geht es mehr um Präventionsmaßnahmen, klärte Ratjen auf: „Eine wachsame Nachbarschaft, das Eingravieren der Seriennummer bei Fahrrädern“, sind Maßnahmen, um abzuschrecken und auch um die Beweisführung zu erleichtern, wenn es doch zu Fahrraddiebstählen kommt.
Beim Thema Verkehrssicherheit geht es in Russee/Hammer/Demühlen eher um die Begegnung von Rad- und Autoverkehr. Hier appellierte Ratjen eindringlich zur „gegenseitigen Rücksichtnahme und Achtsamkeit und auch mal auf das eigene Recht oder die eigene Vorfahrt zu verzichten“.
Fuß- und Fahrradverkehr Hammer
Auch bei diesem Thema machten sich die Anwohner „Luft“. Verschiedene Bürger*innen hatten sich zuvor bereits beim Ortsbeirat gemeldet, da vor allem Kinder im Stadtteil Hammer unsicher unterwegs seien. „Es gibt kaum oder nur sehr schlecht ausgebaute Radwege“, berichtete eine Anwohnerin. Schnell stellte sich heraus, dass für Kinder, die laut StVO bis zum achten Lebensjahr den Gehweg zum Radfahren nutzen müssen und bis zum zehnten Jahr nutzen dürfen, dies keine Alternative sei, da in Hammer nicht überall Gehwege zur Verfügung stehen. Auch der Allgemeinzustand sei schlecht.
„Die Straßen sind schrott und wachsen dicht”, fasste ein Anwohner die Verlautbarungen der Anwesenden zusammen, denn vielerorts ranken Birken und Buschwerk auf die Straßen, weshalb die Nutzung sowohl für Auto- als auch für Radfahrer nicht sicher möglich sei. Der Ortsbeirat sah hier vonseiten des Grünflächenamtes jedoch wenig Unterstützung.
Nächster Sitzungstermin
Die nächste Ortsbeiratssitzung findet am Dienstag, dem 17. Juni 2025, um 19.30 Uhr statt. VB