Der Eisenbahner, der Spargel züchtete

Straßenbauarbeiten am Barkauer Kreuz im Verlauf des Theodor-Heuss-Ringes (Bundesstraße B 76). Blickrichtung Auffahrt zur Friesenbrücke. Im Hintergrund rechts der Güterbahnhof Tonberg. Fotos: Stadtarchiv Kiel

Serie mit Archivfotos aus dem Kieler Süden.
Teil 78 von Heidrun Zielinski, die in der Nähe vom Barkauer Kreisel aufgewachsen ist

Vor 100 Jahren hatte die Reichsbahn viel Personal benötigt. Zu deren Unterbringung wurden preiswerte Grundstücke in Bahnnähe erworben, um Häuser für die Mitarbeitenden und deren Familien zu bauen.

Eisenbahnminister Albert von Maybach, Bahnmeister Johannes Spolert und Baurat Paul Schwanebeck waren die Gründer der Kieler Eisenbahnersiedlung. Nach ihnen wurden 1928 die Maybachstraße, die Spolertstraße und die Schwanebeckstraße benannt.

Unsere Leserin Heidrun Zielinski ist in diesem Bereich zwischen der Neuen Hamburger Straße (B 404) und den Bahngleisen aufgewachsen. Nachdem sie die ersten vier Jahre mit ihrer Mutter in der Friesenstraße (heute Theodor-Heuss-Ring) gelebt hat, wohnte sie bis zum 18. Lebensjahr in der Maybachstraße. „Die Straße war mit Feldsteinen belegt“, erinnert sie sich. „Da kam der Pferdewagen von Neelsen und hat die Eimer der Plumpsklos geleert. Das Spülklosett erhielten wir erst in den 60er-Jahren.“

Ihr Vater Oswald Lüth war Lokheizer und hat Kohlen geschippt. Im Garten hinterm Haus hat er Spargel gezüchtet und an die anderen Eisenbahner in der Nachbarschaft verkauft.
Heidruns Schulweg zur Fröbelschule ging über die Schienen. Der Bahnübergang Tonberg war durch Schranken gesichert. Heute befindet sich an der Stelle die Weinhandlung ‚Mercato italiano‘.

Blick von der Neuen Hamburger Straße (Bundesstraße B 404) und dem Wohngebiet zwischen Schwanebeckstraße, Maybachstraße und Hofteichstraße über das Barkauer Kreuz (Bildmitte links) un den Theodor-Heuss-Ring (Bildmitte) nach Gaarden. Im Hintergrund links die Hörn.

In der näheren Umgebung gab es weitreichende Veränderungen. 1957 wurde der Barkauer Kreisel gebaut, doch bereits zehn Jahre später wieder komplett überplant. 1968–71 wurde die vielbefahre Kreuzung zum Barkauer Kreuz umgestaltet.CF