
Klaus Dieter Hein-Mooren berichtet über die Anfänge der Siedlungsgenossenschaft Kiel-Süd in der Zeit von 1921–1940
Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte feiert dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Wie üblich, erscheint auch 2025 ein Band mit Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte.
Besonders interessant für uns ist das Kapitel „Wohnungsbau und Politik – Die Geschichte der Siedlungsgenossenschaft Kiel-Süd (1921–1940) in Kiel-Hassee“. Autor ist der Historiker Klaus Dieter Hein-Mooren.
„Jahrzehntelang habe ich Texte für Schulgeschichtsbücher verfasst und redigiert“, sagt der 73-Jährige. „Da mich die Leidenschaft für Geschichte nicht verlassen hat, war es naheliegend, mich in Kiel über die Stadt und den Ortsteil zu informieren, in dem meine Frau groß geworden ist, meine Schwiegereltern leben – und ich heimisch werden möchte.“
Verstärkt wurde sein Interesse an der Geschichte des Ortsteils durch das im Vorjahr gestartete „Demokratie-Projekt“ der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Kiel-Hassee. Er engagiert sich in der AG „Wege gegen das Vergessen“ und hat bisher in zehn Etappen historische Rundgänge durch den Ortsteil geleitet.
Der Grund: Wichtige Ereignisse und Entwicklungen der deutschen und der schleswig-holsteinischen Geschichte (Anfänge der Deutschen Revolution von 1918/19, Lehrerbildung sowie Wohnungsbau während der Weimarer Republik und der NS-Zeit, Gründung des Bundeslandes Schleswig-Holstein) haben Spuren in dem Ortsteil hinterlassen.
„Ein Thema begann, mich besonders zu interessieren: die sogenannte ‚SA-Siedlung‘ in Hassee. Da die vorliegende Erinnerungsliteratur mir nicht genügte, begann ich zu recherchieren: in der Universitätsbibliothek, im Stadtarchiv und im Landesarchiv“, erzählt Hein-Mooren. Das Ergebnis ist sein 34-seitiger Aufsatz über die Geschichte der Siedlungsgenossenschaft Kiel-Süd. Fast ein Jahr (mit einigen Unterbrechungen und überlagert von anderen Aufgaben) hat er daran gearbeitet. Sein Aufsatz enthält viele Zitate und ist so quellennah wie möglich gehalten.

Foto: Carsten Frahm
„Die Geschichte ist nicht so linear, wie man sich das vorstellt“, so Hein-Mooren. Das zeigt sich schon bei den Namen: 1921 gegründet als „Siedlungs-Genossenschaft für Kriegsbeschädigte und -hinterbliebene Kiel-Süd“, 1935 umbenannt in „Siedlungsgenossenschaft Kiel-Süd“ und nach der Auflösung der Genossenschaft im Jahre 1940 weitergeführt als „Siedlungsgemeinschaft Kiel-Süd im Deutschen Siedlerbund“ (seit 2005 „Verband Wohneigentum, Siedlergemeinschaft Kiel-Süd“).
Die 1936 von der NS-Stadtverwaltung nach getöteten SA-Männern aus Schleswig-Holstein bestimmten Straßennamen wurden elf Tage nach der Besetzung Kiels von den Briten im Mai 1945 geändert.
Geplant war 1934, dass auf dem Gelände des früheren Großen Exerzierplatzes (Vieburg) 200 Siedlungshäuser errichtet werden sollten. Um das Bauland von der Stadt zu bekommen, bot man an, zusätzlich 80 Wohnungen für SA-Angehörige zu errichten.
Tatsächlich wurden nach vorliegenden Quellen der SA-Gruppe Nordmark ein Jahr später 40 Wohnungen für die Unterbringung von „bewährten Kämpfern“ zur Verfügung gestellt. Wie viele der insgesamt 278 neuen Wohnungen in der Siedlung tatsächlich von SA-Leuten bewohnt wurden, ist unbekannt.
Der Autor ist weiterhin auf der Suche nach neuen Unterlagen. „Neue Quellen, neue Forschungen, neues Glück“, sagt er. Insofern ruft er ehemalige und heutigen Bewohner der Siedlung auf, nach Anordnungen und Verordnungen aus den 1930er- und 40er-Jahren zu suchen. Wer etwas beitragen kann, wende sich an die Redaktion von KIEL LOKAL oder direkt an hein-mooren@web.de
per E-Mail. CF