
30 Jahre Frauenkabarett Kronshagen mit Aufführungen im November
Sie sind zwischen 51 und 84 Jahre alt, haben insgesamt 20 Kinder großgezogen und damit Lebenserfahrung, Ideen und Spielfreude für unzählige Kabarettprogramme: die sieben Frauen des nunmehr 30-jährigen Frauenkabaretts Kronshagen und ein Mann am Klavier.
Als sich das Frauenkabarett Kronshagen 1996 aus einem Volkshochschulkurs anlässlich eines Auftritts auf der 725-Jahr-Feier der Gemeinde Kronshagen gegründet hat, ahnte niemand, dass daraus eine dreißigjährige Erfolgsgeschichte werden sollte. Von den Kabarettistinnen der ersten Stunde ist heute keine mehr dabei, aber der Geist ist erhalten geblieben. Im Mittelpunkt steht die Freude, gemeinsam ein Kabarettprogramm mitten aus dem Leben auf die Bühne zu bringen, das Menschen einfach nur Spaß macht oder sie befreit lachen lässt. Bis heute schöpfen die Ensemblemitglieder ihre Ideen aus ihren individuellen Biografien und der Kunst, zu beobachten und den Finger bühnenreif in die Wunde zu legen.
Für mehr Informationen über die einzelnen Ensemble-Mitglieder die Personen anklicken.
Volkmar Helbig
spielte ein paar Mal vertretungsweise bei einigen Auftritten Klavier, bis er dann 2006 festes Ensemble- mitglied wurde. Er ist pensionierter Physik- professor und macht Musik: Swing, Bigband, Dance Music …
Birgit Kuchenbecker
kam im Sommer 2023 dazu und bescherte dem FKK endlich eine Ensemblegröße, die Auftritte sicher möglich macht. Ihren Lebens- unterhalt verdient sie als Krankenschwester, ihre Bühnenerfahrung ermöglichte ihr einen Einstieg von jetzt auf gleich.
Sybil Denicke
verstärkt das Kabarett-Team seit Anfang 2024 und hat so die immer noch dünne Personal- decke erneut spürbar entlastet. Sybil ist erprobte Chorsängerin und arbeitet als Hausjuristin bei einem großen Industrieverband.
Astrid Brunke
stieß 2006 zum Frauenkabarett Kronshagen. Bühnenerfahrung brachte sie schon von der Niederdeutschen Bühne mit. Sie leitet ein Mutter-Kind-Kurheim, da braucht man Humor
Inge Schröder
ist zwar kein Gründungsmitglied, kam aber schon ein Jahr nach dem ersten Auftritt 1997 zum FKK. Sie ist Rentnerin im Unruhestand, aber – strukturiert und organisiert - leidenschaftliche Naturwissenschaftlerin geblieben.
Martina Mackenstein
stieß Anfang 2023 zum FKK. Sie ist überzeugtes Landei und hat den Humor dazu. Beruflich befasst sie sich mit der Schönheit, und optimiert auch unsere Maske.
Annika Finke
war die erste, die im Sommer 2022 – nach der Corona-Zwangspause – das Ensemble verstärkte. Damals hatte sie einen Reitstall, heute ist sie Lokführerin…
Natascha Pösel
ist seit dem Spätsommer 2022 Mitglied im FKK. Sie arbeitet als freie Texterin und beherrscht die österreichische Küche aus dem Effeff.
„Beim Kabarett spielen kann man kleine Bösartigkeiten herauslassen, die man sich sonst nicht leisten kann“, erläutert Ensemblemitglied Inge Schröder ihre Begeisterung für ihr fast dreißigjähriges Kabarettspiel. Astrid Bunke ergänzt: „Als Frauenkabarett haben wir die Besonderheit, dass wir mit unserer speziellen Frauenperspektive auf das Leben schauen. Oder wie wir es über uns formulieren: Wir sind freche Frauen und machen gesellschaftspolitisches Kabarett ohne plattes Männer-Bashing. Mit Haltung. Aber ohne Gedöns.“
Astrid Bunke fasziniert seit zwanzig Jahren die Kombination aus selbstgeschriebenen Texten, Spielfreude und Singen beim FKK und die Möglichkeit auch kurz vor einem Auftritt noch tagesaktuelles Geschehen in das Programm einzubauen. Martina Mackenstein ist erst seit drei Jahren Teil des Ensembles und genießt beim Frauenkabarett die Freiheit, auf bestimmte, ihr am Herzen liegende Themen in humorvoller Art aufmerksam zu machen. Denn wenn sieben Frauen zusammentreffen und überspitzt aus ihrem Leben erzählen, entstehen unendlich viele Ideen und Geschichten.
Von der Idee bis zum Bühnentext
Wenn dazu noch eingängige Lieder mit neuen Texten versehen werden und der Physiker Volkmar Helbig am Flügel virtuos das Ensemble begleitet, ist das der Stoff, aus dem erfolgreiches Kabarett gemacht wird.
In vielen Kabaretttheatern gibt es Hintergrundschreiber oder einzelne Ensemblemitglieder, die die Texte schreiben. Nicht so beim FKK, wie Inge Schröder erklärt: „Bei uns ist das ein Gruppenprozess. Alle Ensemblemitglieder bringen Themen und Ideen ein. Manchmal wenden wir dabei Kreativtechniken an. Ein anderes Mal hat eine von uns am Wochenende einen „Lauf“ und bringt einen fertigen Textentwurf mit. Der wird dann von allen gemeinsam kritisch durchleuchtet und bearbeitet. Und manchmal nehmen ganz normale Gespräche über den alltäglichen Wahnsinn eine unerwartete Wendung und es entspinnen sich urkomische Dialoge, die man einfach nur mitschreiben muss.
Jeder Text wird in mehreren Leseproben bearbeitet. Oft wird an bestimmten Passagen lange gefeilt und um Worte gerungen. Die letzten größeren Änderungen erfährt ein Sketch, wenn er das erste Mal gespielt wird. Wenn man plötzlich merkt, dass immer noch „Schriftsprache“ statt „Sprechsprache“ drinsteckt. Oder die Längen der Wortbeiträge unausgewogen sind. Dann wird schon mal ein zu langer Monolog in viele kleine Bemerkungen zerlegt und neu verteilt. Und schon entsteht ein lebendiger Schlagabtausch.“
Wer schreibt die Liedtexte?
Auch an den Liedtexten wirken grundsätzlich alle mit. Dafür ist es nicht nur erforderlich, mit Worten umgehen zu können, sondern man braucht zusätzlich ein Gespür für Musik und Rhythmus. „Noch dominieren Astrid und ich, aber die meisten „Neuen“ sind musikalisch ziemlich gut drauf. Da ist noch Einiges zu erwarten. Doch ohne Volkmar, dem Mann am Klavier? Rien ne va plus! Mit großer Geduld und bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit an unser stimmliches Repertoire hat er mit Abstand am meisten dazu beigetragen, dass wir uns heute musikalisch viel mehr zutrauen als früher“, erläutert Inge Schröder schwärmerisch.
Neues Programm zum Jubiläum
Als Frauenkabarett Kronshagen fühlt sich das FKK dem Kronshagener Publikum und der Bühne in besonderer Weise verbunden und freut sich sehr auf die zwei Auftritte im Bürgerhaus Kronshagen Anfang November
Das neue Programm „FKK mit ImBiss“ spielt in einem Imbiss als Treffpunkt und Kommunikationsort für Themen aller Art. Das Ensemble präsentiert eine gewohnt scharfe Mischung aus Wortwitz, Ironie und absurdem Humor. Mit viel Spielfreude entlarven die sieben Frauen mit ihrem Mann am Klavier Heuchelei, Machtspiele und Missstände in der großen Politik ebenso wie im banalen Alltag. Das FKK fordert sein Publikum zum Perspektivwechsel heraus, regt zum Nachdenken an und lädt zum Diskurs ein. In einer Zeit, in der Politik oft wie Theater wirkt, balanciert das Programm zwischen Kritik und Unterhaltung: mal gnadenlos, mal versöhnlich, immer ehrlich.
Ergänzt wird das Programm durch etliche bekannte, mit neuen Texten versehene Songs. In ihnen wird spritzig und mit viel Bühnenpräsenz die pointierte Auseinandersetzung mit Umweltthemen, Armutsdebatten, großer Politik, WhatsApp-Familiengruppe, Frauenrechten oder Aktienrente fortgesetzt.
Karten für „FKK mit ImBiss“ am Samstag, 7. November 2026, um 19 Uhr und am Sonntag, 8. November, um 17 Uhr im Bürgerhaus gibt es für 12 Euro im Vorverkauf bei der Buchhandlung Korth und für 15 Euro an der Abendkasse.
Text und Foto: Silke Umlauff