Geplanter Ausbau der B 404 zur Autobahn schlägt hohe Wellen

Nur eine von vielen brisanten Stellen des Autobahn-Ausbaus: Die Einmündung Hof-teichstraße würde es in dieser Form nicht mehr geben. Fotos: Christina Kreyenberg

Aktuelle und brisante Verkehrsthemen in der 368. Sitzung des Ortsbeirates Hassee/Vieburg vom 16. September im Gemeindesaal der Michaeliskirche

Die zweitlängste Ortsbeiratssitzung seit Beginn der Legislatur hatte ein vorherrschendes Thema: Die Planungen zum Ausbau der B 404 als (Stadt-)Autobahn.

Über den aktuellen Stand der Bauplanung berichtete Mario Schönherr von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH), die damit 2019 beauftragt wurde. Schönherr, aktueller Projektleiter der Rader Hochbrücke, machte zu Beginn der Sitzung deutlich: „Der Ausbau der B 404 zur A 21 ist als fest disponiertes Projekt im Bedarfsplan des Bundes für die Fernstraßen enthalten.“ Auch eine Verkehrsanalyse zeige die Notwendigkeit: „Bis 2040 wird der tägliche durchschnittliche Verkehr auf Höhe Hofteichstraße bis zu 60.000 Fahrzeuge betragen.“ Bereits ab 30.000 Kfz sei ein Standstreifen vorgeschrieben.

Aspekte des Ausbaus

Brisante und technisch herausfordernde Aspekte des Ausbaus zur Autobahn sind die Brücke über den Kieler Weg, die Anschlussstelle Kronsburg, die Brücke „Gleisanlagen“, die neue Hamburger Straße, die Einmündung Hofteichstraße sowie die Anbindung ans Barkauer Kreuz. Hier befindet sich das Bauende, denn: „Das Barkauer Kreuz ist ein Extra-Projekt, das auch in zehn Jahren noch nicht fertig gestellt sein wird.“

Bei der Anschlussstelle Kronsburg soll der langsam fahrende Verkehr rausgenommen und über zwei Brücken Richtung Tonberg geführt werden. Die Brücke „Gleisanlagen von 1955“, die Korrosionsschäden aufweist, muss dringend erneuert werden, notfalls noch vor dem Ausbau.

Sehr schwierig gestaltet sich auch die Anbindung ans Barkauer Kreuz, bei der „mehr Breite herausgeholt“ und für ausreichenden Lärmschutz gesorgt werden muss. Dies kann über lärmarmen Asphalt sowie sechs Meter hohe Lärmschutzwände erreicht werden. Nach Schönherrs Präsentation erfolgt sein Appell: „Wir müssen tunlichst die Planung vorantreiben, da diese komplex genug ist.“

Planung sorgt für Diskussionen

Bereits bei den anschließenden inhaltlichen Fragen aus dem Publikum wurden die strittigen Themen deutlich: Wie kommen Fußgänger ins Vieburger Gehölz, wenn die Ampel Hofteichstraße wegfällt? Geht die Lärmschutzwand durch die Grundstücke oder gar Häuser? Wie viele Bäume müssen gefällt werden? Als Stadträtin Alke Elisabeth Voß übernahm, machte sie deutlich: „Wir sprechen hier über Vorplanung. Wir sind bisher mit einem dicken Edding unterwegs, und schauen uns nach und nach die Details an.“ Unstrittig bliebe für sie: „Der Bund hat entschieden, dass es eine Autobahn geben soll.“ Die Bürgerinnen und Bürger könnten ihre Belange beim Planfeststellungsverfahren einbringen, das frühestens 2028 beginnen werde.
Voß stehe jedoch an ihrer Seite: „Ich weiß, dass das für diesen Stadtteil eine große Belastung ist. Wir werden als Stadt Kiel alles für Sie prüfen.“ Auch Christian Jopen vom Ortsbeirat unterstrich: „Wir wollen gern so weiterkommen, dass wir für alle Beteiligten das Bestmögliche herausholen.“

Jürgen Meereis, Mitglied der Ratsfraktion, meldete sich anschließend aus dem Kreis der Bürgerinnen und Bürger zu Wort. In seiner eindringlichen Rede stellte er heraus: „Man kann die Autobahn verhindern.“ Aufgrund der Kosten, des Platzbedarfs und des starken Eingriffs in die Natur könne auf den Neubau verzichtet werden.

Da der Bedarfsplan des Bundes zum Ausbau noch aus den Zeiten der Ampelkoalition stamme, gebe es hier einen Verhandlungsspielraum. „Der Bund würde bis zu 20 Millionen Euro einsparen,“ so Meereis.
Ein wichtiger Aspekt bestehe in der Tatsache, dass „die Autobahn nicht leistungsfähiger ist als eine Bundesstraße.“ Sie erzeuge Stau am Barkauer Kreuz. Darüber hinaus gebe es durch die Umgehung mehr Verkehr auf der Hamburger Chaussee als vorher. Seine von den Bürgerinnen und Bürgern mit Applaus quittierte Rede wurde seitens des Ortsbeirats und der Stadträtin stark kritisiert. Oliver Voigt wies darauf hin, dass Beiträge aus dem Publikum nur drei Minuten betragen und nicht für politische Statements genutzt werden sollten. Meereis‘ Rede setzte eine rege Diskussion in Gang. Hier ging es auch um die Frage, wie die Stadt Kiel angesichts des Ausbaus ihr Ziel der Klimaneutralität erreichen könne.

Stadträtin Voß sei sich der Problematik bewusst. Ihr gehe es jedoch darum, „ehrlich zu machen, was die Einflussmöglichkeiten der Stadt Kiel sind.“ Da die Autobahn beschlossen sei, solle die Energie der Bürgerinnen und Bürger in das Planfeststellungsverfahren gesetzt werden.

Weitere Verkehrsthemen

Bei den weiteren Tagesordnungspunkten ging es um aktuelle Verkehrsprobleme im Stadtteil. Beschlossen wurde ein Antrag auf Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Helgolandstraße. Hier soll ein temporärer Geschwindigkeitsanzeiger aufgestellt werden, da das Tempo 30 häufig überschritten werde.

Die Einbahnstraße Helgolandstraße wird sehr oft übersehen, so dass ein Antrag auf Überprüfung der Beschilderung läuft.
Die Einbahnstraße Helgolandstraße wird sehr oft übersehen, so dass ein Antrag auf Überprüfung der Beschilderung läuft.

Auch die Beschilderung der Einbahnstraße soll geprüft werden, da dies häufig übersehen wird. Solveig Seebach berichtete: „Google Maps hat die Einbahnstraße bisher noch nicht angezeigt. Das wird sich mit der Zeit ausschleichen“.
In der parallel verlaufenden Danewerkstraße soll zudem kontrolliert werden, ob die Park- und Halteverbote eingehalten werden. Hier muss vor allem sichergestellt werden, dass der Rettungs- und Lieferverkehr freie Fahrt hat.

Einstimmig stattgegeben wurde auch dem Antrag, die Wasseransammlungen an der Ecke Hamburger Chaussee / Meimersdorfer Weg zu überprüfen. Hier vermuteten die Anwohner, dass die Gullys aufgrund dauerhaft parkender Wohnwagen nicht regelmäßig gereinigt werden können.

Die nächste Sitzung des Ortsbeirats findet am 18. November 2025 um 19.30 Uhr statt. Der Ort wird auf www.kiel.de veröffentlicht. CK