Pünktlich zum 125. Vereinsgeburtstag der Störche erscheint die umfangreichste
Chronik der schleswig-holsteinischen Fußballgeschichte
Am Sonntagmorgen des 7. Oktober 1900 setzen sich neun fußballbegeisterte junge Männer aus Kiel in den Zug nach Lübeck, um dort ein Fußballspiel auszutragen. Auf der Zugfahrt beschließen sie einen eigenen Verein zu gründen, den 1. Kieler Fußball-Verein (1. KFV).
Anderthalb Jahre später treffen sich drei Schüler der Oberrealschule I (heute: Hebbelschule) in einer Gartenbude am Knooper Weg mit dem Plan, auch einen Fußballclub auf die Beine zu stellen, den FC Holstein. Beide Vereine fusionieren 1917 während des Weltkrieges zur KSV Holstein, bis heute der größte und erfolgreichste Fußballverein der Landeshauptstadt Kiel.
Schon 1912 schreibt der Club Geschichte, als die Deutsche Fußball-Meisterschaft an die Förde geholt wird. Zwei weitere Male schafft er es ins Endspiel (1910 und 1930), gewinnt 1961 die Deutsche Amateurmeisterschaft, spielt bis 1963 immer erstklassig, und nach jahrzehntelangem Auf und Ab stiegen die Kieler Störche im vergangenen Jahr erstmals in die Bundesliga auf.
Spielstätten im Kieler Süden

Was viele nicht wissen: Der Verein, der bereits seit 1911 mit dem Holstein-Platz an der Projensdorfer Straße einen festen Spielplatz und eine Adresse im Kieler Norden hat, kann auch auf eine Geschichte in Süden der Stadt zurückblicken.
In den allerersten Jahren, als Fußballer noch Schwierigkeiten hatten, überhaupt Plätze zu finden, auf denen sie kicken konnten, war der Große Exerzierplatz in Hassee südlich der Waldwiese einer der ersten Plätze, auf denen der 1. KFV trainieren und Spiele austragen konnte. Und die Waldwiese sollte in späteren Jahren – als Ausweichspielstätte und Heimat der Holstein Women – immer wieder eine Rolle spielen in der Sportgeschichte der KSV.
Das erste Fußballspiel des Vereins nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt fand dort am 1. September 1945 gegen ein Team des VfB Kiel vor über 5.000 Zuschauern statt. Ein Symbol für den Überlebens- und Aufbauwillen in einer zerstörten Stadt nach Krieg und NS-Herrschaft.

Ein knappes Jahr später kamen sogar doppelt so viele Menschen auf die Waldwiese, um ein Ausscheidungsspiel um die norddeutsche Meisterschaft zwischen der KSV Holstein und dem Eckernförder SV zu sehen. Der Platz in Hassee war auch in den Jahren danach immer einmal wieder eine wichtige Spielstätte für die Störche.

1961 spielten dort die Holstein-Amateure im Halbfinale um die Deutsche Amateurmeisterschaft, und wenige Jahre später fanden auf dem Platz an der Hamburger Chaussee erinnerungsträchtige Lokalderbys zwischen Holstein und der SV Friedrichsort vor einer Riesenkulisse statt. In den Jahren 1975 und 1978 schließlich spielten die Störche Punkt- und Pokalspiele in Hassee, als der Holsteinplatz jeweils umgebaut wurde.
Heute ist ist der Sportplatz Waldwiese die sportliche Heimat der Holstein Women. Die traditionelle Spielstätte des VfB Kiel ist ein – wenn auch kleiner – Teil auch der Fußballgeschichte der KSV Holstein.

auf dem Sportplatz Waldwiese an der Hamburger Chaussee. Fotos: Holstein Kiel
Am 7. Oktober feiert Holstein Kiel seinen 125. Geburtstag. Zu diesem Ereignis erscheint eine umfassende Chronik, die nicht nur das sportliche Auf und Ab der Ligamannschaft auflistet, sondern die Geschichte unserer Stadt, das soziale und politische Umfeld, in dem Fußball gespielt und bejubelt wurde und wird, mit einbezieht. Das Ergebnis umfassender historischer Recherchen, die Suche nach bisher unveröffentlichten Fotoschätzen und Dokumenten ist eingeflossen in einen Band voller Spielberichte, Episoden, Porträts, Geschichten, Statistiken und eindrucksvoller Abbildungen. Und erneut spielte der Süden Kiels eine Rolle. Der Kieler Künstler Tom Scheffer, ehemaliger Student der Muthesius Kunsthochschule, fertigte in den Werkstätten in der Arfrade ein auf historischen Quellen basierendes Ölgemälde des Meistertores von 1912 an. Das Gemälde ist ebenfalls in der neuen Holstein-Chronik enthalten.
Ein kompetentes Autorenteam – allesamt fußballbegeisterte studierte Historiker – haben ein Buch von knapp 600 Seiten und über 750 Abbildungen zusammengestellt. Herausgeber und Initiator Patrick Nawe war seit 1996 bereits langjähriger Medienkoordinator, Klub-Fotograf und seit dem Bundesligaaufstieg nun auch offizieller Holstein-Historiker. Christian Jessen ist Sportjournalist und Buchautor. Tim Cassel ist Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes und Jürgen Weber ehemaliger Landtagsabgeordneter und im Holstein-Aufsichtsrat.
Die Arbeit an der Chronik begann bereits vor fünf Jahren. An der Konzeption haben auch die mittlerweile verstorbenen Norman Nawe, langjähriger NDR-Hörfunkreporter, und Holstein-„Edelfan“ Hartwig Roddemitgewirkt.
Wenn die KSV Holstein am 6. Oktober ihren Geburtstag mit einem Empfang in der Aula der Hebbelschule feiert, wird auch die Chronik der Öffentlichkeit mit zahlreichen Ehrengästen vorgestellt. JW
125 Jahre Holstein Kiel – Die Chronik
Patrick Nawe (Herausgeber)
1. Auflage 2025, 576 Seiten,
ca. 1.000 Fotos, Format 24 × 32 cm, gebunden, € 75,–
ISBN 978-3-7307-0761-6WG 445
Erscheint am 7.10.2025
