Leitung Gesangverein Kronshagen 1981–2000
Sein Vorgänger als Chorleiter beim Gesangverein Kronshagen, Günther Schrape, hatte lange Vorarbeit leisten müssen, ehe Claus Merdingen endlich bereit war, den Gesangverein Kronshagen als neuer Chorleiter zu übernehmen. Und dann das: Ausgerechnet zur ersten Chorprobe des etablierten Gesangvereins am 17. August 1981 kam der erst 32-Jährige zu spät.
Es sollte das einzige Mal bleiben und er hatte die denkbar beste Entschuldigung: Seine Tochter war an diesem Tag auf die Welt gekommen! Die Herzen der Chormitglieder flogen dem frischgebackenen Vater zu und so stand die Zusammenarbeit zwischen Chorleiter und Gesangverein von Anfang an unter einem guten Stern.
Neues Repertoire und Arrangements
Mit viel Schwung ging es weiter. Das bis dahin weitgehend volkstümliche Liedgut wurde erweitert durch Kunstlieder, Popsongs und Titel aus Musicals. Über 100 Arrangements für den Chor aus der Feder von Claus sind über die Jahre entstanden und auch veröffentlicht, den Eigenheiten seiner vorhandenen Stimmen kundig angepasst. Zum Warmsingen für den Anfang jeder Probe komponierte Claus das beliebte „Lasst uns Singen, liebe Freunde…“ zum Text von Paul Saß, sozusagen die Erkennungsmelodie des Gesangvereins.


Auswendig und ausdrucksstark
Jedes Chormitglied konnte dieses Lied auswendig singen und generell war auswendiges Singen für den Chorleiter besonders wichtig. Mit der Verinnerlichung von Noten und Texten konnten die Sänger und Sängerinnen sich auf den Chorleiter konzentrieren, aufeinander hören, ausdrucksstark und befreit singen und erreichten schnell eine hohe Gesangsqualität. Es war nicht immer einfach, sich all die Texte zu merken, aber oft gab es hilfreiche Gesten vom Dirigenten wie z.B. die wegwerfende Handbewegung zu „Wirf alle deine Sünden fort“ bei einem Lied aus dem Weihnachtsrepertoire; stets dem Publikum wohl verborgen, von den Sängern lächelnd gedankt.
Das Verhältnis zwischen Chorleiter und Chor war überhaupt ein ganz Besonderes: Es entstand schnell eine innige, freundschaftliche Verbindung, die in zahlreichen gemeinsamen Feiern und Festen und nicht zuletzt auch Chorreisen gipfelte. „Singen ist gut für die Seele, auch für den, der alles einstudiert.“ schrieb Claus 1994 in der Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Gesangvereins. Und so wurden aus anfangs 50 Singenden durch die mitreißende Begeisterungsfähigkeit des Chorleiters schnell über 100 Sangesfreudige.
Konzerte und Auszeichnungen
Der Gesangverein strebte unter seinem jungen Chorleiter auch bald auf die große Bühne und präsentierte sich schon im Februar 1982 im Opernhaus bei „Kiel singt und spielt für Kiel“. Auf diesen gelungenen Auftakt folgten eine Fülle von Konzerten nah und fern, stets auch Herbst- und Weihnachtskonzerte in Kronshagen. Eine gesangliche Krönung war ein 1. Platz beim Holsten-Wettbewerb 1987 als gemischter Chor, der zur Teilnahme an der großen Gala in den Holstenhallen Neumünster im April 1988 berechtigte. Von der Presse wurde umfangreich und stets positiv berichtet, so auch über die Verleihung des „Goldenen Notenschlüssels“ an Claus durch die Arbeitsgemeinschaft Kieler Chöre für herausragende Arbeit im Bereich des Laienmusizierens 1994.

Chorreisen bis Wales und spontanes Singen
Der Gesangverein war sehr reisefreudig und so ging es nach Prag und Karlsbad, nach Thüringen, Nürnberg und zwei Mal nach Wales. Besonders nach Wales wurden intensive Chorbande geknüpft, die zu unvergesslichen gegenseitigen Besuchen, gemeinsamen emotionsreichen Konzerten und dem Austausch von Liedern führten: Der Gesangverein nahm walisische Lieder ins Repertoire auf und der walisische Chor versuchte sich an plattdeutschem Liedgut. „Singen schafft Kontakte mit anderen Chören und mit den Zuhörern, und gerade unsere Reisen waren doch die „Highlights“ der letzten Jahre, wo auch dem Chorleiter die größte Anerkennung zuteilwird.“, schwärmte Claus in den 90er-Jahren.

Neben tollen Proben und Konzerten bleibt wohl jedem Gesangverein-Mitglied ganz besonders in Erinnerung, dass man sich mit dem abrufbaren Repertoire immer und überall für ein spontanes Singen mit Claus zusammenfinden konnte: Im Bus, auf Rastplätzen, auf der Fähre, in Kirchen, in Burgen, auf Brücken, bei Feiern: Dirigat auch schon mal mit Hilfe von Besteckteilen vom Stuhl aus eingeschlossen.
Es war eine wunderbare Zeit und die letzte Probe nach Claus Hörsturz war schwer für uns alle und ging zu Herzen. Wir sind so dankbar, so viele wunderbare warmherzige Erinnerungen an Claus in uns zu tragen.
Text: Ute Sievers
Fotos: Dagmar Leisner, Merdingen privat
