
In der Kriegs- und Nachkriegszeit wurden so manche Gartenlauben zu Zufluchtsorten, in denen sich Ausgebombte oder Vertriebene längerfristig wohnlich eingerichtet haben.
Wohnen in den Kleingärten
Zeitweilig wurden damals auf dem Gelände des Kleingärtnervereins Kiel-Süd über 50 Gärten bewohnt. 1961 waren es noch zehn. Heute gibt es in Hassee keine bewohnten Gartenlauben mehr, allerdings steht noch eines der Gebäude, besser gesagt eher ein Gebäudekomplex. Denn für Wohnzwecke wurden die Gartenlauben über das sonst übliche Maß vergrößert. Viele von ihnen hatten Wasser- und Stromanschluss, Kaminofen und Sickerkuhle. Lesen Sie HIER einen historischen Bericht über die Wohnsituation in den Behelfsheimen während der Nachkriegsjahre. So weit zur Vergangenheit.

Pächterwechsel mit Auflagen
Heute steht auf der Anlage „Studentenberg II“ am Vieburger Gehölz ein Pächterwechsel an. Da es sich um ein ehemaliges Behelfsheim handelt, ist bei der Übergabe ein Vertreter der Stadt Kiel aus dem Bereich Immobilienwirtschaft anwesend. Detlef Pschierer macht die neuen Pächter auf die Rechtslage aufmerksam: „Laut Bundeskleingartengesetz darf eine Gartenlaube eine maximale Grundfläche von 24 m² nicht überschreiten“, betont er und fügt schmunzelnd hinzu: „Nach dem Kieler Modell dürfen es sogar bis zu 40 m² sein.“
Das Problem ist nur, dass die Gebäude auf Parzelle 11 noch größer sind. Das Behelfsheim hat 32 m², der Anbau 17 m² und der Schuppen 5 m². Das bedeutet: „Der Anbau muss entfernt werden“, fordert Pschierer.
Der neue Pächter ist damit einverstanden und verspricht, die Holzhütte selbst abzutragen. Im Gegenzug darf seine Familie den Schrebergarten sofort beziehen und muss nicht bis zum offiziellen Saisonende am 3. November warten. Die Familie möchte nicht fotografiert werden. „Weil das hier unser Rückzugsort ist“, heißt es.
Strom seit 2001 abgeschaltet
Zu tun gibt es eine ganze Menge. Das gemauerte Behelfsheim ist voller Gerümpel. „Die Möbel haben wir vor 15 Jahren von unserem Vorgänger so übernommen“, erzählt die Vorpächterin, die ebenfalls nicht aufs Foto oder namentlich genannt werden möchte. Ihr ist der heruntergekommene Zustand offensichtlich peinlich. Doch seit dem Tod ihres Mannes ist hier praktisch nichts mehr gemacht worden. Bezeichnend der Raum des ehemaligen WCs, der – funktionslos geworden – lediglich als Abstellraum vollgestellt wurde. „Die Stromversorgung auf der Parzelle musste 2001 abgemeldet werden“, erzählt Siegmund Roeschke. Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins hat aus den Akten den Schriftverkehr aus den letzten Jahrzehnten fotokopiert. Schätzberichte früherer Pächterwechsel dokumentieren die Gebäudegrößen und den Bewuchs. „Das war mal ein hervorragender Garten mit seltenen Pflanzen“, sinniert Roeschke und verweist auf ein Luftbild aus dem Jahr 1980.

Letztes Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg
„Vier Parzellen weiter befand sich ein weiteres Behelfsheim“, erzählt er. Dessen Bausubstanz war allerdings so schlecht, dass es im Vorjahr abgerissen werden musste. „Das hat die Stadt Kiel übernommen. Monatelang standen hier Container noch und nöcher“, so Roeschke. Den Abriss hat ein Trupp von Zwei-Euro-Jobbern ausgeführt. Ein Schicksal, das diesem Behelfsheim erspart bleibt. Insofern bleibt dieses letzte Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Kleingartenanlage erhalten.CF