
Gedenkveranstaltungen am „Arbeitserziehungslager Nordmark“ und an anderen Plätzen
In diesen Tagen jährt sich zum 80. Mal der Moment, an dem der Zweite Weltkrieg, der furchtbarste Albtraum des 20. Jahrhunderts, zu Ende ging.
Was darauf folgte, ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Deutschland ist dauerhaft an die Weltspitze gerückt, was Wirtschaft, Wohlstand, soziale Standards, Bildung, Wissenschaft und Demokratie betrifft – dank einer Friedenszeit, die uns seit bald drei Generationen ein weitgehend unbeschwertes Leben beschert.
Nur wer aufmerksam hinschaut, erkennt die Dinge, die noch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von Leid und Trauma der Zivilbevölkerung zeugen: Bombenentschärfungen, vereinzelte Hochbunker im Stadtbild, zugemauerte Fluchttunnel, die die Keller der Kieler Altbauten ganzer Straßenzüge miteinander verbanden. Manche noch heute existierenden Kellerregale waren einst Liegen während langer Bombennächte – stumme Zeugen von Angst, Tod und Zerstörung.
In einigen Jahren werden wir die letzten Zeitzeugen nicht mehr fragen können. Nur die Ältesten unter uns haben noch lebhafte Erinnerungen an eine Kindheit in Bombenhagel und Trümmern.
Umso wichtiger ist es, sich stets wieder vor Augen zu führen, wer dieses beispiellose Fanal der Menschheit ohne Not, ohne jeden Anlass losgetreten hat – aus purer nationalistischer Verblendung: Es waren Rechtsextreme, demokratisch an die Macht gewählt in einem Rechtsstaat, der nicht fähig war, der zersetzenden und zerstörerischen Kraft zu widerstehen.
Jetzt stehen Rechtsextreme wieder in den Startlöchern. In den USA beobachten wir gerade live, wie eine außer Rand und Band geratene Regierung mit vorbereiteter Agenda die Gewaltenteilung handstreichartig aushebelt und die Axt direkt an die Grundlagen der Demokratie legt – hierzulande eine willkommene Blaupause für Rechtsradikale. Es ist an uns allen, den Anfängen zu wehren. Denn „nie wieder“ ist jetzt.

Erinnern an Opfer des NS-Regimes
Wir dürfen nicht vergessen, dass die Erlangung und Ausübung der Macht durch die Nationalsozialisten mit unfassbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit einhergingen. Am Vorderen Russee wurde von der SS ein Konzentrationslager errichtet. Euphemistisch als „Arbeitserziehungslager Nordmark“ bezeichnet, diente es der Einschüchterung, Folter und Ermordung politischer Gegner.
Am heutigen Gedenkort „Arbeitserziehungslager Nordmark“ zwischen See und Sportplatz sind mehrere Veranstaltungen geplant. PROGRAMM

Am 4. Mai veranstaltet der SPD-Ortsverein Hassee um 15 Uhr zum Gedenken an die Opfer eine Lesung aus dem Buch „Erziehung ins Massengrab“ von Detlef Korte. Anschließend gibt es um 15.30 Uhr einen Lagerrundgang mit Erläuterungen zum „AEL/KZ“ mit Dr. Ulrich Erdmann.
Am 6. Mai laden die Michaelisgemeinde und die Claus-Harms-Gemeinde um 15 Uhr zum Singen von Friedensliedern ein.
Am 8. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes, werden um 17.15 Uhr Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Stadtpräsidentin Bettina Aust dem Gedenkstein an der Bushaltestelle „Gedenkort am Russee“ neuen Glanz verleihen.
Um 17 Uhr setzt sich vom Umsteiger am Hauptbahnhof eine Radtour zur Gedenkstätte „Arbeitserziehungslager Nordmark“ in Bewegung. Organisiert wird das durch den „Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel“.
Ab 17.45 Uhr findet ein Gedenken zum Motto „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!“ statt, deren Höhepunkt um 18.50 Uhr eine Menschenkette an der frisch umbenannten Bushaltestelle sein soll.
Zudem sind noch weitere Veranstaltungen geplant. „Wiedersehen nach 42 Jahren“ heißt der Film, der im Studio Filmtheater (Wilhelminenstraße 10) am 5. Mai um 18 Uhr kostenlos gezeigt wird. Eine Wiederholung gibt es am 6. Mai um 20 Uhr in der Sportgaststätte Russee (Rendsburger Landstraße 251). Im Film geht es darum, wie ehemalige Häftlinge das „Arbeitserziehungslager Nordmark“ besuchen.
Ebenfalls in der Sportgaststätte referiert Dr. Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler und Autor, am 7. Mai um 20 Uhr zum Thema „Warum sich unsere Demokratie stärker zur Wehr setzen muss“.
Am 7. Mai 1945 wurde das Konzentrationslager befreit. Aus diesem Anlass findet am Jahrestag um 19 Uhr die Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des AEL Nordmark unter dem Motto „Erinnern. Verstehen. Gestalten“ im Ratssaal des Alten Rathauses (Fleethörn 9) statt.
Über den gesamten Zeitraum vom 4.–8. Mai wird an der Claus-Harms-Gemeinde Russee (Rendsburger Landstraße 389) eine Installation der „Omas gegen Rechts“ zu sehen sein. JM