Nachbarschaftsstreit außergerichtlich lösen

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Elisabeth Kunkat ist seit etwa zwei Jahren als Schiedsfrau für den Bereich Hassee und Russee tätig. Sie ist Nachfolgerin von Dieter Hess, der das Amt mehr als 25 Jahre mit großem Engagement und nie erlahmender Energie ausgeübt hat.

Schiedsleute sind gewählte und geschulte Bürger*innen aus der Nachbarschaft und nehmen ihre Aufgaben ehrenamtlich wahr. Sie arbeiten als vorgerichtliche Schlichtungsorganisation für die streitenden Parteien völlig neutral.
Die Zahl der Schlichtungsgespräche hat sich während der Pandemie ebenso wenig verändert wie die Streitgegenstände. Alltagsgeschäft sind nach wie vor die sogenannten Überhänge, also Büsche und Bäume, die auf das Nachbargrundstück ragen. Dazu kommen der Schattenwurf, Tannennadeln und Laub. Aber auch freilaufende Hühner waren schon Thema bei der Schlichtung. „Manche Probleme lassen sich schon in Vorgesprächen lösen“, so Kunkat. Es gibt aber auch Fälle, in denen Nachbarn nach jahrelanger Sprachlosigkeit am „Runden Tisch“ wieder erste Worte wechseln und einen Weg finden, mit dem beide leben können. Ein aufwändiges Gerichtsverfahren mit hohen Kosten wollen fast alle vermeiden.
Beide Parteien verhandeln mit der Schiedsperson am Tisch und klären in ruhiger Atmosphäre gemeinsam ihre Probleme. Eine Verhandlung findet generell unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Schiedsspruch führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass der angestrebte Rechtsfrieden von Dauer ist, da keine Partei gewinnt oder verliert. Die Termine können auch außerhalb der sonst üblichen Arbeitszeiten stattfinden. Das erspart oft lange Wartezeiten.
Die rechtsuchenden Bürger*innen haben lediglich geringe, gesetzmäßig vorgegebene Verfahrens- und Sachkosten (Porto etc.) zu tragen.
Für circa 80 Euro können die Parteien schon einen Vergleich schließen und sich die Kosten auch noch teilen. Die Institution der ehrenamtlich tätigen Schiedsleute hat nachweislich zu einer erheblichen Entlastung der Justiz geführt.
Vor Corona fanden die Schlichtungsgespräche in den Räumen des Gehörlosenzentrums in der Hasseer Straße statt. Dann wurde eine Zeitlang auf das Rathaus ausgewichen. Pandemiebedingt stehen in beiden Gebäuden keine Räume mehr zur Verfügung. Aus diesem Grund hat sich ein kleiner Stau aufgebaut.
„Ich kann auf einen reichen Erfahrungsschatz in Schlichtungsverfahren aus meiner Tätigkeit als Lehrerin aufbauen und habe die Übernahme des Ehrenamts noch keinen Tag bereut“, so Kunkat. Sie ist unter 0431/ 88941831 erreichbar oder per Mail: kunkat.lisa@googlemail.com.

Text: Jöhnk